Schätze aus den Jahrzehnten

Herr über 15.000 Ansichtskarten

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Die Geschichten hinter den Briefen und Karten sind es, die Günther Rubant faszinieren.

Dreieich - Günther Rubant besitzt Schätze aus den Jahrzehnten zwischen 1880 und 1945. In Fachkreisen gilt er als Experte für Böhmen und Mähren – primär für die Stadt Iglau. Von Enrico Sauda

In seinem kleinen Büro rückt er mit dem Stuhl an den Schreibtisch, vor sich einen großen, sperrigen Ordner. Günther Rubant blättert darin, schaut auf die bunten Ansichtskarten und schmunzelt bedächtig. „So etwas ist doch einfach nur schön“, sagt der 81-Jährige, der in Fachkreisen als „Herr Iglau“ bekannt ist.

Dann zeigt er einen Brief aus dem Jahr 1936, der von der in Tschechien gelegenen Stadt Iglau aus nach Madras adressiert war. Dort sollte ihn eine Lehrerin erhalten. Aber Eva Dormann wurde nicht gefunden und der Umschlag ist über und über voll mit Stempeln und Aufklebern, weil sich die Postboten monatelang die Mühe machten, die Angeschriebene ausfindig zu machen. Schließlich ging das Schreiben an den Zusteller zurück. Heute hält Günther Rubant es in der Hand. Solche Geschichten unter der Oberfläche faszinieren ihn.

Hobby seit der Jugend

Bereits in seiner Jugend begann er damit, Briefmarken zu sammeln. „Da kommt man einfach nicht von los.“ Doch dann hinderte ihn der Alltag mit Familienunterhalt und Beruf daran, seiner Leidenschaft so richtig nachzugehen. Rubant arbeitete als Leiter der Finanzbuchhaltung bei der Dreieicher Firma Rubbermaid. „Als ich aus diesen Zwängen einigermaßen herauskam, fing ich erneut an“, schildert der Senior. Was mit Briefmarken begann, nahm bald größere Ausmaße an, denn „beim Sammeln von Briefmarken kommt man zwangsläufig mit Ansichtskarten in Verbindung“, verdeutlicht Rubant. So entstand eine neue Sammelleidenschaft – „das hat dazu geführt, dass ich heute gut 1.500 Ansichtskarten von der Innenstadt Königinhofs habe. Von der Stadt, in der ich zur Welt kam.“

Allerdings interessieren den Dreieicher nur Exemplare aus den Jahren zwischen 1880 und 1945. Wie viele Exponate er genau hat, das weiß er nicht: „Es müssen zwischen 10.000 und 15.000 sein – aus Böhmen und Mähren aus der Jugendstilzeit und eben schöne Sachen.“

Besondere Verbindung zu Iglau

Wie sein Spitzname schon andeutet, hegt Günther Rubant darüber hinaus eine besondere Verbindung zu Iglau. „Ich habe alles von dieser Stadt“, berichtet er. Seine Frau Renate und er stammen aus Böhmen und Mären – „sie direkt aus Iglau“. Der Senior hat sich auf dieses Gebiet spezialisiert, das hat sich herumgesprochen: „Bei einer großen Ausstellung, der ,Iglauer Sprachinsel‘ wurde ich als Experte für Iglau angefragt.“ Das war vor ziemlich genau zehn Jahren. Er fuhr hin, präsentierte seine Exponate und bekam dafür den großen Ehrenpreis der tschechischen Philatelisten. „Das ist in Fachzeitschriften in 15 Staaten bekannt gemacht worden. Unter anderem in den USA und in Australien“, erzählt Rubant. Vor einem halben Jahrzehnt zeigte er eine Ausstellung in Königinhof an der Elbe. „Insgesamt 124 Seiten Philatelie und Briefmarken.“

Mit der Zeit wurden auch Zeitschriftenmacher auf ihn, den zweifachen Vater und zweifachen Großvater, aufmerksam. Im Magazin „Riesengebirgsheimat“ erscheinen regelmäßig Bilder seiner Sammelobjekte. Bisher hat Rubant dreimal ausgestellt, räumt aber ein: „Darauf bin ich an sich nicht besonders scharf.“ Stattdessen verweist er darauf, dass der Reiz des Sammelns eben im Zusammentragen der Exponate an sich liegt: „Ich freue mich an meiner Sammlung, das sind unwiederbringliche Schätze. Und ich hoffe, dass sie weitergeführt wird.“

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