Bürgerdialog zur Ortsmitte

Gute Vorzeichen für neuen „Dalles“

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Auch der Kerbvorstand war durch Daniel Wilken (Mitte) und Peter Schetzkens (rechts) vertreten. Zwischen den beiden steht Rolf Sehring, links Andrea Göbel (CDU) und Martin Burlon.

Götzenhain - An die fast abgeschlossene Kanalsanierung im Hainer Weg schließt sich die Neugestaltung der Götzenhainer Ortsmitte an. Dazu hat der CDU-Ortsverband eine alte Tradition wiederbelebt und einen Bürgerdialog organisiert. Von Julia Radgen 

Neben dem Zeitplan interessierte die Anwesenden vor allem das Thema Verkehrsberuhigung. Rappelvoll ist der Götzenhainer Bürgertreff am Donnerstagabend. „Gibt’s noch Klappstühle?“, fragt eine Frau. Zu Beginn des Bürgerdialogs zur Neugestaltung der Ortsmitte ist jeder Platz besetzt. Bis in den Vorraum stehen die mehr als 120 Götzenhainer gedrängt, um Neuigkeiten über die Baumaßnahme zu erfahren, die den Ort in Atem hält. Anfang 2017 hatte die Stadt mit der Kanalsanierung im Hainer Weg begonnen, in dessen Rahmen der Umbau der Bleiswijker Straße ansteht. Konkret geht es um den Abschnitt von der Agip-Tankstelle (oberhalb des Hainer Wegs auf der Grafik) bis zum Bürgertreff an der Ecke Langener/Dietzenbacher Straße (im unteren Teil zu sehen).
Zunächst schickt Erster Stadtrat Martin Burlon gute Neuigkeiten vorweg: „Wir sind im Zeitplan, bisher lief alles sehr gut.“ Der anstehende Frost werde für eine Pause auf der Baustelle sorgen. Aber die pünktliche Fertigstellung im letzten Jahresviertel werde das nicht verhindern. „Wir hoffen, dass wir mit der Gesamtmaßnahme im Oktober durch sind – also sogar etwas vor der Zeit“, sagt Burlon. Der verantwortliche Ingenieur Rolf Sehring skizziert für die Anwesenden, wie es nun weitergeht: „Es macht keinen Sinn, den kompletten Abschnitt auf einmal zu sanieren – der Verkehr muss weiter fließen.“ Daher würde der Kanal immer abschnittsweise ausgetauscht. An der Einmündung Hainer Weg/Bleiswijker Straße sei eine Mittelinsel geplant. Auch diesen Fahrbahnteiler könne man nicht auf einmal bauen. „Hier wird es eine Ampelregelung geben“, sagt Sehring.

Bis Mai will die Stadt die Verbindung zur Langener/Dietzenbacher Straße umgestaltet haben. Das sei der letzte Teil der eigentlichen Baumaßnahme. „Hier sind wir nicht ganz frei in der Entscheidung, da Hessen Mobil ein Mitspracherecht hat“, erklärt der Ingenieur. Die Strecke müsse weiter befahrbar sein, was die Arbeit in Abschnitten voraussetze. „Wir wollen die Zufahrt für die Anlieger aber erhalten“, betont Sehring. Man habe auch bisher versucht, den Götzenhainern, was Sperrungen angeht, so gut es geht entgegenzukommen, sagt der Planer – und erntet Applaus im Saal.

„Die Gehwege sind besonders im unteren Bereich so schmal, dass selbst eine Begegnung von zwei Fußgängern schwierig ist“, sagt Sehring. Die neue Straße komme hingegen ohne Bordstein aus, was Senioren mit Rollator oder Rollstuhlfahrern das Überqueren erleichtert. Dazu bekommen die Götzenhainer ein Pflaster der Farbe „Muschelkalk“, das sich farblich von der Fahrbahn abhebt. An den Straßenrändern werden Pkw-Stellplätze geschaffen (schwarze Flächen). Die vormals bis zu zwölf Meter breite Straße sei dennoch so breit, dass sich zwei Linienbusse begegnen könnten. „Insgesamt sollte alles deutlich übersichtlicher sein“, so der Planer.

Für Radfahrer sehe es ähnlich wie in der Eisenbahnstraße aus: Die bis zu sieben Meter breite Fahrbahn bekommt Schutzstreifen – markierte Wege, auf denen Radler unterwegs sein dürfen, sonst aber Autos fahren dürfen. Die Pflanzarbeiten, die bisher für Oktober geplant sind, setzen dann den Schlusspunkt unter die lange erwünschte Umgestaltung der Bleiswijker Straße. Rund 20 Bäume sollen gesetzt werden. Man habe sich für Bäume gegenüber Beeten entschieden, erklärt der verantwortliche Ingenieur. Die seien nicht zuletzt einfacher zu pflegen.

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Hinzu kommt eine Grünfläche unterhalb der Biegung zum Hainer Weg (große gelbe Fläche auf der Grafik), die der Götzenhainer Kerbverein als neue Veranstaltungsfläche für das Traditionsfest ins Auge gefasst hat. „Früher war die Kerb auf dem alten ‘Dalles’ und es wäre super, wenn wir wieder einen Platz herrichten könnten, auf dem wir unsere Kerb feiern“, sagt Vorsitzender Daniel Wilken. Das sei der Wunsch der Götzenhainer. Man müsse das vereinsintern noch abstimmen: „Aber von uns ist das schon dieses Jahr machbar.“ Es wäre zwar ein höherer Aufwand, schon im September vom Festplatz in der Frühlingstraße in die Bleiswijker Straße zu ziehen, aber „eine tolle Sache.“ Der Verein will bald entscheiden.

Ein Götzenhainer will wissen, was mit dem alten Kerbplatz geschieht. Burlon erklärt, es gebe Ideen, Teile des Platzes anders zu nutzen, „vielleicht mit einem Wohnprojekt“. Als sich dazu ein Raunen im Saal regt, betont der Erste Stadtrat, die Idee stamme von der Götzenhainer Stadtteil-AG, auf deren Erkenntnisse man bei der Planung der Bleiswijker Straße zurückgegriffen habe. Die AG habe ein Mehrgenerationenwohnhaus vorgeschlagen. Entschieden sei noch nichts.

Die meisten Fragen der anwesenden Bürger drehen sich aber um Geschwindigkeitsbeschränkungen und Sicherheit. „Wir haben hier im Hainer Weg schon immer eine Rennstrecke, warum wird keine Ampel aufgestellt?“, fragt eine Frau. Burlon und Sehring erklären, die Planung sei mit Hessen Mobil abgestimmt, da das Land die Maßnahme fördere. Von den rund 3,4 Millionen Euro reinen Straßenbaukosten trägt es etwa 1,4 Millionen. Die Auflage: Der Verkehrsfluss darf nicht gehemmt werden. Eine Ampel sei daher nicht möglich.

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Gleich mehrere Götzenhainer fragen, ob es nicht eine Beschränkung auf 30 km/h geben könne. „Wenn wir durchgehend Tempo 30 einrichten würden, würde die Stadt eine Menge Geld verlieren“, sagt Sehring. Vorerst gelte auf der Strecke also Tempo 50. „Bitte sorgen Sie dann zumindest dafür, dass das eingehalten wird – bei mir fahren die 40- Tonner am Haus vorbei, dass die Tassen beben“, ärgert sich ein Bewohner der Langener Straße. Einem Mann, der einen Kreisel am Bürgertreff vorschlägt, entgegnet der Planer, man bräuchte dafür 28 Meter Radius für den Wendekreis. Sehring antwortet ihm schmunzelnd: „Wir sind Kreisel-Fans – wir hätten’s gemacht, aber es geht einfach nicht.“ Auch die Eltern, die sich über Raser ärgern und sich einen Zebrastreifen für ihre Kinder wünschen, werden an diesem Abend enttäuscht.

Doch Burlon beschwichtigt, das bedeute nicht, dass ein Zebrastreifen oder Tempo 30 nicht noch kommen könnten. Ob künftig gerast wird, werde überprüft, verspricht er. Auch im Rathaus habe man Erwartungen an den Umbau. „Ein Jahr sollten wir uns nehmen, um zu sehen, ob er sich bewährt“, schlägt Burlon vor. Einige Anwohner laden ihn dennoch schon zum Ortstermin nach der „Bewährung“ ein.

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