Hakenkreuze als Kerzenhalter

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Auf mehreren Tafeln dokumentiert die Ausstellung, wie Weihnachten zu Propagandazwecken missbraucht wurde. Hier geht es um den Mythos von der „Soldaten-Weihnacht“.

Dreieichenhain - Ursprünglich wollte sie eine Ausstellung darüber machen, wie der Weihnachtsbaum zu Großmutters Zeiten geschmückt wurde. Das ist nun 14 Jahre her und geworden ist aus dieser Idee eine Schau über die Manipulation von Menschen. Von Enrico Sauda

„Von wegen Heilige Nacht! - Weihnachten in der politischen Propaganda“ von Rita Breuer und ihrer Tochter Judith ist bis 20. Januar im Dreieich-Museum zu sehen. Die Schau thematisiert mit ihren Exponaten das Weihnachtsfest in verschiedenen Epochen und führt die Besucher durch ein Jahrhundert deutscher Geschichte.

„Bei der Suche nach altem Christbaumschmuck ist unsere Neugier auf alles gewachsen, was mit dem Weihnachtsfest in früheren Zeiten zu tun hat“, sagte Rita Breuer. So kamen Weihnachtskarten, Dekorationen für den Weihnachtsbaum, Basteleien und vieles mehr zusammen. „Wir zeigen hier in Dreieichenhain nur einen Bruchteil unserer gesamten Ausstellung“, so Judith Breuer, die auch die Eröffnungsrede hielt und einen Rundgang mit den Gästen machte. Viele Funde, die Mutter und Tochter im Laufe der Jahre machten, wollten so gar nicht zum sonst üblichen Bild des Weihnachtsfestes passen. Da gab es Christbaumschmuck in Form von U-Booten und Zeppelin-Luftschiffen, Christbaumkugeln mit Hindenburg-Konterfei oder Hakenkreuze als Kerzenhalter.

Hakenkreuze als Ausstechformen für Plätzchen - bis 20. Januar kann die Ausstellung besichtigt werden. Geöffnet ist freitags und samstags von 14 bis 18 und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

„Schon bald entdeckten Rita und Judith Breuer, dass diese Funde nicht nur einzelne Geschmacklosigkeiten oder Kuriositäten darstellten“, erklärte Museumsleiterin Corinna Molitor. „Vielmehr handelt es sich um höchst geschickte ,Verpackungen’, die der Verschleierung der eigentlichen Absicht dienten“, so Molitor weiter. Die Ausstellung mache deutlich, „wie sehr ein politisches System Einfluss auf das Privatleben und auf so ganz private Dinge wie das Feiern von Weihnachten nehmen konnte“. So sei es während des Ersten Weltkrieges darum gegangen, den Patriotismus heraufzubeschwören. „Und zu dieser Zeit entwickelte sich auch der Brauch, einen Weihnachtsbaum in die gute Stube zu stellen“, berichtete Molitor. „Zuvor war dies nur in gutbürgerlichen Familien üblich.“ Ein großer Teil der Ausstellung widmet sich dem Thema „Weihnachten im Nationalsozialismus“.

„Die nationalsozialistischen Machthaber bemühten sich, das christliche Fest zur Sonnenwendfeier umzudeuten“, sagte Molitor. Schließlich war die von den Christen gefeierte Menschwerdung Gottes „ausgerechnet in Gestalt eines jüdischen Kindes, schlichtweg unvereinbar mit ihrer Rassenideologie“. Doch das Weihnachtsfest völlig abzuschaffen, das gelang ihnen nicht. Deshalb versuchten sie, bestehende Symbole umzudeuten und ihnen einen angeblich germanischen Ursprung zu verpassen. „So wurden der Nikolaus zum Schimmelreiter, der Christstollen zum Sinngebäck und der Adventskranz durch einen Julleuchter ersetzt.“ Ein dritter Teil der Ausstellung setzt sich mit Weihnachten im Kalten Krieg auseinander - dieser ist geprägt durch „Päckchen für drüben“.

„Diese Ausstellung zeigt deutlich: Ob ein friedliches und christliches Weihnachten gefeiert werden konnte, hing im Laufe der deutschen Geschichte oft von den politischen Begleitumständen ab“, so Molitor.

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