Und sie hatte sich noch so viel vorgenommen

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Ilse Pohl einige Tage vor ihrem 103. Geburtstag.

Götzenhain ‐ An ihrem 103. Geburtstag am 7. Mai hat sie noch in Gesprächen über das Leben und den Tod sinniert, auch über ihren eigenen. Wenige Tage später, am Feiertag Christi Himmelfahrt, ist mit Ilse Pohl Deutschlands wohl älteste aktive Autorin verstorben. Von Enrico Sauda

An der energiegeladenen und tatendurstigen Grande Dame der Schriftstellerei waren die letzten zwei Jahre ihres Lebens nicht spurlos vorbei gegangen. „Sie war in dieser Zeit sehr oft im Krankenhaus - und die letzten zwei Tage vor ihrem Tod hat sie nur geschlafen“, sagt Roswitha Wirtig, eine enge Freundin der Verstorbenen. Drei Frauen haben sich in den letzten Wochen vor ihrem Tod um sie gekümmert.

Dabei hatte sie, die erst 1976 mit dem Schreiben begann, noch Pläne, wie sie unserer Zeitung bei einem Besuch anlässlich ihres Geburtstages verriet.

Ilse Pohl hat ein langes, abwechslungsreiches und intensives Leben gelebt. Geboren wird sie als Ilse Oswald als drittes Kind  von Anna und Paul Oswald in Berlin. Nach ihrer Schulzeit lernt sie Gutswirtschaft auf dem Gut Below in Neu-Strelitz, ein Jahr später arbeitet sie in einem Sanatorium bevor sie als Aupair nach Budapest geht. Nach ihrer Rückkehr besucht sie eine Kunstschule. In Konstanz trifft sie einige Jahre später ihren Ehemann Dr. Walter Pohl, den sie 1929 heiratet. 1932 kommt ihr Sohn Frank - vor wenigen Jahren verstorben - zur Welt und seit 1962 wohnte Ilse Pohl in Götzenhain. Dort wurde sie bald wegen ihres Engagements bekannt - sie veranstaltete Kinderfeste und gründete den Behindertenspielkreis. 1976 schickt der damalige evangelische Seelsorger Kurzgeschichten Ilse Pohls an einen Stuttgarter Verlag. Die stießen dort auf helle Begeisterung und die Schwaben wollten mehr.

„Und damit begann meine schriftstellerische Arbeit, wenn auch in bescheidenem Maß.“ Sie veröffentlicht einige Bücher und ruft den Literaturkreis für Senioren ins Leben, den sie zwölf Jahre lang - bis 1996 - leitet.

Der Termin für Trauerfeier stand gestern noch nicht fest.

In jenem Jahr begegnet sie dem Verleger Dr. Markus von Hänsel-Hohenhausen, schreibt auf sein Anraten den ersten Band ihrer hoch gelobten dreiteiligen Biografie - sie veröffentlicht ihn im im Fouqué Literaturverlag (Frankfurter Verlagsgruppe) und erhält dafür prompt den Literaturpreis des Bundes Deutscher Schriftsteller. Doch damit nicht genug der Preise: Es folgten das Bundesverdienstkreuz und der Hessische Verdienstorden. Noch im vergangenen Jahr brachte Ilse Pohl eine Miniatur „Johann Sebastian Bach “ heraus.

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