Alten Brunnen aufgespürt

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Dr. Wilhelm Ott (links) hat den Lindenborn freigelegt, Heinz Müller (rechts) eine Linde spendiert. Erster Stadtrat Martin Burlon freut sich über das ehrenamtlichen Engagement.

Götzenhain - Er ist ein Stück Heimatgeschichte, an das sich nicht mehr viele erinnern. Seit Kurzem wird der Lindenborn seinem Namen wieder gerecht.

Nur wenige Götzenhainer kennen ihn noch, versteckt liegt der Lindenborn südlich der Hengstbachüberquerung der Dreieichbahn an der Philippseicher Straße/Am Geißberg direkt am regulierten Bett des Bachs. Der Brunnen hat seinen Namen von einer alten Linde, die 1938 während eines Sturms umstürzte. Überliefert ist auch der Name „Gerhardsborn“. Erasmus Alberus, Reformator der Dreieich, schrieb 1537: „Der Gerhardsborn, mit dessen köstlichem Wasser die Bewohner von Gotteshain den Durst löschen, wird, verglichen mit dem Castalischen Quell, diesem nicht nachstehen.“

Die Bedeutung des Brunnens ging über die Jahre verloren, er geriet in Vergessenheit. Im Laufe der Zeit verwilderte er und war deshalb nicht mehr auffindbar – bis ihn der Dreieicher Heimatkundler Dr. Wilhelm Ott aufspürte. Der diplomierte und promovierte Chemiker ist seit einiger Zeit Ruheständler und hat sein Hobby intensiviert. Ott ist im Vorstand der Freunde Sprendlingens und ehrenamtlicher Mitarbeiter der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation zur Erfassung und zum Nachweis von historischen Grenzsteinen im Westkreis Offenbach.

Freigelegt und gereinigt

Der Heimatkundler hat den Brunnen vor einiger Zeit freigelegt und gereinigt. „Ich habe das Geäst und das Laub entfernt. Darunter erschien der gut erhaltene Rand des gesuchten Lindenborns. Nach Rücksprache mit der Denkmalschutzbehörde habe ich den Brunnenrand gesäubert, die Böschung mit Natursteinen stabilisiert, Betontrümmer weggeräumt, einige dort herumliegende Gehwegplatten vor den Brunnen gelegt und den Schlick aus dem Quelltopf entfernt“, erzählt Ott.

Damit aus dem freigelegten Born auch wieder ein echter Lindenborn wird, hat die Stadt dort auf Anregung Otts eine Linde pflanzen lassen. Die Kosten übernahm der Götzenhainer Heinz Müller. Die Linde steht in etwa dort, wo ihr Vorgänger vom Sturm geknickt wurde. Beim Standort hat man sich an einer historischen Zeichnung orientiert.

„Mit der Wiederherrichtung des Lindenborns wurde – wenn auch schwer zugänglich – ein Stück verloren gegangene Geschichte Götzenhains wieder sichtbar und dadurch lebendig gemacht. Ohne ein ambitioniertes Bürgerengagement wäre das nicht möglich gewesen“, bedankte sich Erster Stadtrat Martin Burlon bei Wilhelm Ott und Heinz Müller.

fm

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