Interview mit Schulleiterin

Heinrich-Heine-Schule aus Dreieich: Fünf weitere Jahre Europaschule

Schulleiterin Sigrid Neuner freut sich über die erfolgreiche Re-Zertifizierung. Die Heine-Schule bleibt für weitere fünf Jahre Europaschule.
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Schulleiterin Sigrid Neuner freut sich über die erfolgreiche Re-Zertifizierung. Die Heine-Schule bleibt für weitere fünf Jahre Europaschule.

Die Heinrich-Heine-Schule wurde erneut als Europaschule zertifiziert und darf das Prädikat „Hessische Europaschule“ nun auch für die nächsten fünf Jahre tragen. Im Interview spricht Schulleiterin Sigrid Neuner über die wichtige Re-Zertifizierung und wie sich die Partnerschaften mit Schulen in Europa entwickelt haben.

Wie wichtig war die Re-Zertifizierung der Heinrich-Heine-Schule als Europaschule?

Es ist ein aufregender Moment für uns. Wir stehen alle unter Spannung, bis uns das Ergebnis bekannt gegeben wird. Wir fühlen eine Verpflichtung, wir gehören schließlich zu den fünf ersten hessischen Schulen, die 1992 als Europaschule ins Leben gerufen wurden. Das Gütesiegel Europaschule wertet unsere Schule immens auf. Eltern und Schüler entscheiden sich für die Heine-Schule, weil sie Europaschule ist. Auch die Lehrer bewerben sich initiativ wegen des Profils bei uns, weil sie die internationalen Kontakte schätzen. Das ist ein kleiner Wettbewerbsvorteil in Zeiten, in denen es ja gar nicht mehr so einfach ist, neue Lehrer zu gewinnen. Unter normalen Bedingungen würden wir diese Re-Zertifizierung jetzt auch groß feiern.

Welche Kriterien mussten sie dafür als Schule und als Schulgemeinde erfüllen?

Wir müssen belegen, dass wir in den vergangenen fünf Jahren die Kriterien und Anforderungen erfüllt haben. Das ist ein ganzes Paket an Dokumenten und es bedeutet auch monatelange Arbeit, die unsere Europaschul-Koordinatoren alle fünf Jahre auf sich nehmen. Es geht dabei um vier Programmbereiche, die wir erfüllen müssen: Europäische Dimension und Interkulturelles Lernen, individualisiertes Lernen und Unterrichtsentwicklung, Schulmanagement und Qualitätssicherung sowie Know-how- Transfer und Außendarstellung. Der Schwerpunkt liegt auf der Europäischen Dimension und Europaschule bedeutet viel mehr als ein Schüleraustausch.

Wie profitieren die Schüler vom Konzept?

Es beginnt schon ab der Klasse fünf: Wir haben Themenklassen in Bezug auf Europa und die Digitalisierung eingerichtet und schon vor Jahren das Doppelstundenprinzip eingeführt. Ab der Klasse sieben können sich die Schüler für bilingualen Unterricht in einem Sachfach entscheiden. Wir haben die Verpflichtung, den Unterricht stetig weiter zu entwickeln, Schon vor Corona haben wir uns mit der Digitalisierung beschäftigt. Wir waren zum Beispiel eine der ersten Schulen, die mit W-Lan ausgestattet wurden. Und natürlich gibt es in den Jahrgängen viele Optionen, bei Projekten und dem Austausch mit unseren Partnerschulen in England, Frankreich, Niederlande, Spanien, Italien, Tschechien, Israel oder sogar mit Namibia dabei zu sein.

Ist die finanzielle Ausstattung aufgrund des Titels deutlich besser als an den anderen Dreieicher Schulen?

Ja, wir erhalten für dieses Qualitätssiegel einen Betrag im fünftstelligen Bereich. Mit diesem Geld können alle Schüler wenigstens einmal im Laufe ihrer Schulzeit an einer Austauschfahrt oder an einem Europaprojekt teilnehmen. Wir schaffen damit Material für Methodentage an, oder neues Equipment für das Ökologieprojekt. Dazu kommt das Erasmus Plus Projekt, das von der EU mit 20 000 Euro gefördert wird und weitere internationale Begegnungen für Schüler und Lehrkräfte ermöglicht.

Wie eng sind die Kontakte zu den Partnerschulen, und wie hat sich das über die Jahre verändert?

Sie sind eng und immer hängt es an den Personen und den persönlichen Beziehungen. Unter den Schülern entstehen enge Freundschaften, sowie zwischen den Lehrkräften und Schulleitungen. Vergangenes Jahr habe ich in den Sommerferien Fotos aus Israel bekommen, von Schülern, die privat ihre Partnerschüler besucht haben – das ist so ein typisches Zeichen und freut mich sehr. Leider haben wir aber auch Partner in den vergangenen Jahren verloren. Dafür ist Tschechien neu dazugekommen, mit einem ganz tollen Kollegen mit viel Energie und guten Ideen.

Wie wirken sich politische Veränderungen aus, beispielsweise die Kontakte mit den türkischen Schulen oder mit England und dem Brexit?

Natürlich hat das einen Einfluss. Als es in der Türkei um die Frage der Menschenrechte ging, haben wir natürlich im Kollegium diskutiert, wie sollen wir damit umgehen? Dann kam von offizieller Seite die Ansage: keine Fahrten mehr in die Türkei. Unsere türkischen Partner bedauern das sehr. Mit ihrer politischen Einstellung gehen sie sehr vorsichtig um, aber wir haben den Kontakt gehalten. Schwierig wird es vermutlich auch mit England, da müssen wir abwarten, wie es sich entwickelt. Wir haben uns versprochen, dass wir uns davon nicht beeindrucken lassen.

Wie haben sie in diesem Corona-Schuljahr die internationalen Beziehungen pflegen können und welches wichtige Projekt liegt momentan womöglich auf Eis?

Die Projekte liegen auf Eis – und es ist ziemlich schwer. Schon die Kontakte mit den Partnerklassen zu bekommen, ist schwer. Wir alle versuchen, den Betrieb überhaupt am Laufen zu halten. Die Lehrer sind in Kontakt und viele Partnerschulen stecken im Lockdown. Es gibt gerade Wichtigeres. Aber der Kontakt zwischen den Kollegen besteht und unser Kollege in Tschechien gibt nicht auf. Er hat gerade eine neue Whatsapp-Gruppe gegründet und uns alle eingeladen. Wir tüfteln an neuen Projekten – wenn es wieder möglich ist.

Das Gespräch führte Nicole Jost

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