Digitales Klassenzimmer

Heinrich-Heine-Schule in Dreieich: Schüler für möglichen zweiten Lockdown fit machen

Die Schüler der 6bR der Heinrich-Heine Schule wissen jetzt, wie sie Bilder aus Mails speichern und hochladen können.
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Die Schüler der 6bR der Heinrich-Heine Schule wissen jetzt, wie sie Bilder aus Mails speichern und hochladen können.

Es vergeht gut eine Schulstunde, bis jeder einzelne Schüler der Klasse 6bR der Heinrich-Heine-Schule einen eigenen Microsoft Teams Account hat und die Klasse in dem mit vielen Steckdosen ausgestatteten Biosaal der Dreieicher Gesamtschule sitzt und konzentriert auf den Bildschirm blickt.

Dreieich – Lehrerin Merellyn Maske bittet die Kinder, sich das selbst ausgedachte Passwort aufzuschreiben: „Sonst kommt ihr das nächste Mal nicht mehr rein“, warnt sie, bevor sie erklärt, wie die Schüler im Chat mit einem Klassenkameraden oder sogar mit der ganzen Klasse gleichzeitig kommunizieren können.

Klassenlehrerin Sophia Hohenstein nutzt die Zeit, um kleine Probleme zu lösen. Ein Mädchen hat es noch nicht geschafft, ihr Gerät mit dem WLAN zu verbinden, ein anderer Schüler findet die kleine Sprechblase, das Symbol für den Chat, nicht auf Anhieb.

„Bei einer zehnten Klasse würde dieser Anmelde-Prozess natürlich schneller gehen, einfach weil da die Geräte im Alltag schon zum Arbeiten benutzen werden. Aber auch die Kleinen machen es ganz toll“, lobt Merellyn Maske die Jungen und Mädchen. Die Kinder nutzen die digitalen Geräte mit großer Selbstverständlichkeit – aber die Plattform Microsoft Teams, die der Kreis Offenbach jetzt flächendeckend für die Schulen angeschafft hat, ist für die meisten doch Neuland.

Für Schulleiterin Sigrid Neuner war schon nach den Sommerferien klar: „Wir werden im Falle eines zweiten Lockdowns keinesfalls unvorbereitet in einen dann wieder notwendigen Distanzunterricht gehen.“ Sie lobt ihr Team an der Europaschule: Das ganze Kollegium habe mitgezogen und sich sehr für die schnelle Digitalisierung engagiert. „Wir nutzen bereits eine Schulcloud und das digitale Klassenzimmer. Mit Teams haben wir jetzt auch die passende Kommunikationsplattform, wo wir Schüler und Lehrer verbinden können. Aber das alles nutzt uns ja nur etwas, wenn Lehrer und Schüler das Instrument auch bedienen können“, so Neuner. Die Lehrer beherrschen das Programm. Die Kinder und Jugendlichen bekommen in diesen Tagen an ein oder zwei Unterrichtstagen von ihren Klassenlehrern – unterstützt von einem zweiten Lehrer – Medienkompetenztraining.

Mit Maske und Kopfhörer trainieren die Kinder im Unterricht die Teams-Funktionen.

Die Kinder der 6bR haben, wie die anderen Klassen auch, die mobilen Endgeräte von Zuhause mitgebracht, entsprechend bunt gemischt ist das Angebot. Giuliana hat ihr iPad vor sich liegen: „Es war ein Geschenk zu meinem Geburtstag, gut, dass ich es jetzt habe“, ist die Elfjährige froh. Einige arbeiten am Handy. Der elf Jahre alte Sandy hantiert mit einem Laptop der Eltern. „Ich hoffe trotzdem sehr, dass wir weiter in die Schule gehen können. Alleine Zuhause ist es langweilig und auch viel anstrengender zu lernen“, findet der Sechstklässler. Über die Videochats amüsieren sich die Unterstufenschüler. In Zweier-, oder Vierergruppen unterhalten sich die Kinder über ihre Bildschirme und schneiden unter den Masken Grimassen.

Bei einem der Jungs ist der Bildschirm plötzlich erstarrt. „Die Medienzeit von einer Stunde ist abgelaufen“, lässt das Betriebssystem mitteilen. Da sind wohl Eltern sehr hinterher, dass der Junior nicht seine komplette Freizeit vor dem Tablet verbringt. „Ja, da kann ich jetzt leider auch nicht helfen“, ist Klassenlehrerin Sophia Hohenstein zunächst ratlos. Der Schüler weiß das Problem dann aber doch selbst zu lösen. Schnell schickt er dem Papa eine Anfrage, der die Sperre aus der Ferne glücklicherweise entfernen kann.

Weiter geht es im Programm. Die Kinder schicken Dateien, lernen Bilder hochzuladen und ihre handgeschriebenen Hausaufgaben als Bild oder PDF abzuspeichern und zu verschicken. Auch, wie sie Word-Dokumente abrufen und dann selbst bearbeiten können, wird an dem eigens dafür reservierten Schultag trainiert. „Natürlich müssen wir auch nach der Schulung dieses neue Medium öfter in den Unterricht einbauen, sonst vergessen die Schüler das Gelernte ganz schnell wieder. Ich lasse meine Klasse ihre Hausaufgaben über das Programm hochladen und zu mir schicken“, sagt Merellyn Maske.

Aber was ist mit den Schülern, die kein mobiles Endgerät haben? „Über den Kreis Offenbach konnten wir rund 130 neue Laptops über das Medienzentrum bekommen“, ist Sigrid Neuner froh. Insgesamt wurden kreisweit 5 000 Geräte im Wert von 2,7 Mill ionen Euro – finanziert aus den Sondermitteln des Bundes – an die Schulen verteilt. Die Laptops werden über einen Leihvertrag an die Eltern herausgegeben. Für jede Klasse stehen drei der mobilen Computer zur Verfügung. „Ein paar Geräte haben wir noch in Reserve. Die Kollegen sehen jetzt in der Teams-Schulung, wo noch dringend Bedarf besteht“, ist Sigrid Neuner froh, dass die ganze Schule jetzt den Umgang mit den Computern in den alltäglichen Lernalltag integriert. (Von Nicole Jost)

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