Heinrich-Heine-Schule

Partnerschaften werden komplizierter

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Zu 25 Jahren als Europaschule gratulierte auch die Tanz-AG der Heinrich-Heine-Schule. Zur Feierstunde führten die Schülerinnen einen Tanz zum Lied „Pirates of the Caribbean“ von Filmkomponist Hans Zimmer auf.

Dreieich - Eine große Auswahl an Fremdsprachen, Austauschprogramme mit Schulen in ganz Europa und sogar Praktika im Ausland – das sind die Vorzüge der Heinrich-Heine-Schule (HHS). Seit 25 Jahren trägt sie nun den Titel Europaschule – und der ist heute wichtiger denn je. Von Julia Radgen 

Die Idee, sich für den Status zu bewerben, kam dem Kollegium nach einer internationalen Projektwoche. Nachdem die Schule erste Kontakte zu anderen europäischen Schulen geknüpft hatte, bewarb sie sich für das Projekt. „Da war ein Feuer in uns“, sagt Michael Tätzsch. Der pensionierte Lehrer war Koordinator für Internationales an der Heine-Schule und hat das internationale Netzwerk, zu dem heute 16 Partnerschulen gehören, maßgeblich mit aufgebaut. Tätzsch erinnert sich noch gut an die Reaktion, als der Brief vom Kultusminister kam. Der Inhalt: Die Henrich-Heine-Schule soll Europaschule werden – eine der fünf ersten in Hessen. „Wir waren überrascht, dass es uns traf. Wir dachten, die anderen waren besser.“

Mit dem Titel war zunächst viel Arbeit verbunden. „Wir hatten drei Aufgaben: Partnerschaften aufbauen, neue Begegnungsprojekte entwickeln und nicht zuletzt unser Wissen weitergeben“, fasst Tätzsch zusammen. Heute sind diese Ziele verwirklicht. Neben Frankreich, England, Italien, Spanien, Holland und Tschechien unterhält die Heine-Schule Partnerschaften mit der Türkei, Israel und Namibia – teilweise schon seit Jahrzehnten.

Für jedermann sichtbar sind die Partnerschulen am neuen Pfahl.

Schulleiterin Sigrid Harnischfeger betont aber, dass es teilweise komplizierter werde, diese Beziehungen zu erhalten. „Der Brexit erschwert die Zusammenarbeit mit unserem langjährigen Partner England und in die Türkei ist momentan keine Reise möglich“, sagt die Schulleiterin. Aber es gebe auch Positives zu berichten. So habe die israelische Partnerschule in Kiryat-Ono anfänglich gebeten, keine muslimischen Schüler mitzubringen. Dass junge Muslime aus Dreieich – das betrifft rund die Hälfte der Heine-Schüler – nach Israel reisen, sei heute kein Problem mehr, betont die Rektorin. Mögen kulturelle Herkunft und Religion der Jugendlichen noch so unterschiedlich sein – „vor Ort stellen unsere Schüler dann fest, dass sie den Musikgeschmack und Shoppinggewohnheiten teilen“, sagt Harnischfeger schmunzelnd.

Seit 25 Jahren sei es die Aufgabe der HHS, „junge Menschen zu selbstbewussten, aufgeschlossenen und toleranten Europäern zu erziehen“ – in Zeiten, in denen ein Rechtsruck durch Europa geht und Separatismus zunehme, ist das wichtiger denn je. „Wir hoffen, dass wir noch viele Jahre Europaschule sein können“, sagt die Schulleiterin. Sorge bereite ihr in dieser Hinsicht der neue Schulentwicklungsplan. „Wir brauchen einen starken Gymnasialzweig und hoffen, dass unsere Europaschule beim Land den entsprechenden Stellenwert hat.“ Landrat Oliver Quilling versucht beim Festakt zu beruhigen: „Der Schulentwicklungsplan führt eher zu einer Stärkung des Gymnasialzweigs.“ Es gelte nun, die Heinrich-Heine-Schule zukunftssicher auszurichten.

Als Herausforderungen sieht Schulleiterin Harnischfeger es an, die Partnerschaften ins Ausland zu festigen und auszubauen. Bald könnte Finnland hinzukommen. Neben dem klassischen Schüleraustausch bietet die Heine-Schule Erasmus-Plus-Projekte an, bei denen sich internationale Schülergruppen mit einem Projekt auseinandersetzen – zuletzt mit der europaweiten Flüchtlingssituation. Die Schularbeit müsse antieuropäischen Tendenzen Werte wie Toleranz entgegensetzen. „Und wir müssen die Jugendlichen gegen Extremismus schulen“, betont die Rektorin.

Heinrich-Heine-Schüler in Dreieich feiern Abschluss: Bilder

Diesen Zweck verfolgt auch das Projekt „Demokratieboten“, das nach den Sommerferien als feste Schüler-AG an der Heinrich-Heine-Schule angeboten wird. In dem theaterpädagogischen Pilotprojekt, das von Land und Bund finanziert wird, bildet der Offenbacher Verein Creative Change Schüler zu Demokratieboten aus. „Wir entwickeln gemeinsam mit den Jugendlichen Handlungsstrategien für Konflikte“, erklärt Philip Blom von Creative Change. Dabei spielen die Schüler alltagsnahe Szenen nach, in denen es um Rassismus, Mobbing oder andere Formen von Diskriminierung geht und überlegen, wie die Mitschüler darauf reagieren sollten. 15 Acht- und Neuntklässler erwerben in den kommenden zwei Jahren das Zeug zum „Demokratieboten“. Das Besondere: Das Wissen wird von Schüler zu Schüler weitergegeben. Denn die Demokratieboten sollen künftig die Projektwochen der Sechstklässler gestalten.

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