Mühle gehörte einst zu Hayner Spital

Hengstbach-Serie: Heute wird in der Bergmühle geschlemmt

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Eine Aufnahme der Bergmühle in Dreieichenhain um 1938. Der Betrieb war damals schon eingestellt.

Dreieich - Jahrhundertelang klapperten Mühlen an den Ufern des Hengstbachs. Sechs gab es einst im heutigen Stadtgebiet. Der Götzenhainer Heimatforscher Helmut Keim hat Archive gewälzt und ihre Geschichten aufgeschrieben, die wir der Reihe nach vorstellen. Diesmal geht es um die Bergmühle, die einst mit dem Hospital verbunden war.

Die Bergmühle befand sich vor dem „kleinen Geißberg“, kaum 100 Meter entfernt von der Götzenhainer Mühle auf der linken Straßenseite in Richtung Dreieichenhain. Sie wird schon 1420 erwähnt. Anfangs nennt man sie „Stignagels mulen“ und im Jahr 1497 bekommt sie die Namensbezeichnung „die underst Stickers moln“. Um 1556 wird sie Steukertsmühle genannt.

Hengstbach-Serie, Teil I:

Von der Mühle zur Ebbelwoi-Kelterei

Überliefert ist, dass die Bergmühle eine sogenannte Erbmühle des Hospitals im Hayn war, das im Mittelalter im damaligen Dreieichenhainer Gebiet entstanden war. Heinrich Fiddeler, der damalige Keller vom Hayn – also für die fürstliche Kammer- und Finanzverwaltung verantwortlich, eine Art Vorläufer des heutigen Finanzamts – verleiht die Mühle erblich für seinen Herrn an den Hayner Bürger Luden Cleynhenn.

Dieser übergibt sie vermutlich als Erbmühle an das Hayner Spital. 1670 wird sie dann von der aus Götzenhain zugezogenen Familie Laux übernommen, wie Helmut Keim herausfand. Über viele Generationen hinweg betreibt die Familie Laux die Mühle. Die Verwaltung der „Berg-Hospital-Erbleihmühle“ untersteht aber damals dem Hospitalmeister. 1699 wird der Hayner Bürger Hans Georg Knöchel vom Graf Johann Philipp von Isenburg beauftragt, die „in Abgang gekommene“ Mühle auf eigene Kosten wieder neu aufzubauen.

Etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts gelangt Thomas Holzmann jr., der im Jahre 1716 geborene Sohn des Hayner Holzmüllers Hans Georg Holzmann, durch Heirat in den Besitz der Bergmühle. Um 1800 wird dann Jakob Laux als Besitzer der Mühle erwähnt. Seine 1814 geborene Tochter Elisabeth Laux heiratet schließlich 1833 Johann Philipp Holzmann – der später das Bauunternehmen gründete, das später als Philipp Holzmann AG bekannt wurde. Die Familie Holzmann steht übrigens noch zu einer anderen Mühle in Verbindung, mehr dazu folgt in einem weiteren Teil der Serie.

Die Bergmühle muss etwa um 1930 den Betrieb aufgeben. Die Mehlherstellung endet im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Nach einigen Um- und Anbauten und durch den Abriss einiger Gebäudeteile besteht heute nur noch das alte Mühlengebäude. In den fünfziger Jahren war davor, rechts von der Mühle neben der Straße, noch das alte Mühlrad zu sehen. Über einem Abfluss aus dem Mühlweiher wurde damals mittels eines Kanals entlang der Straße das Mühlrad angetrieben. Es wurde allerdings Anfang der sechziger Jahre nach einem Hochwasser in Dreieich entfernt.

Zehn Dinge, die jeder Hesse kennen sollte

Ebenfalls in den Sechzigern wurde der Mühlweiher zugeschüttet und an dessen Stelle ein Parkplatz für den neu entstandenen Gastronomiebetrieb der Familie Emmer angelegt. Noch heute betreibt sie das Restaurant und Hotel „Alte Bergmühle“. Wer den Landgasthof besucht, kann übrigens den Umfang des ehemaligen Mühlteichs der Bergmühle heute noch erahnen – er entspricht der Größe des heutigen Parkplatzes. Diesen umfließt noch immer der Hengstbach in Richtung des Dreieichenhainer Burgweihers.

Die nächste Folge unserer Serie widmet sich der Holzmühle.

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