Behindertenhilfe

Dreieich: Menschen mit Handicap von Corona-Krise noch stark betroffen 

Sie sagt Danke – aber Unterstützung benötigt die Behindertenhilfe Dreieich weiterhin.

Viele Menschen planen gerade, wie sie die Sommerferien doch nutzen können, etliche Betriebe holen ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück und das gesellschaftliche Leben nimmt langsam wieder Fahrt auf. 

Dreieich - Die Behindertenhilfe Dreieich leidet aber weiterhin unter der Pandemie. „Unsere Kinder können leider immer noch nicht ihre Clubs besuchen und vergangene Woche mussten wir schweren Herzens einen weiteren herben Rückschlag hinnehmen: Die Urlaubs-Freizeiten aller fünf Clubs werden ausfallen und auch unser Sommerfest wird nicht stattfinden“, berichtet Heidi Schäfer, Vorsitzende der Behindertenhilfe.

Die Clubs, das regelmäßige Freizeitangebot der Stadt für behinderte Menschen, sind ein wichtiger Ort der Begegnung – 80 Menschen kommen dort regelmäßig zusammen. Die Freizeit ist oft die einzige Möglichkeit für die behinderten Menschen, in den Urlaub zu fahren. Für die betreuenden Familien sind die Tage eine willkommene Auszeit. Insgesamt 63 Teilnehmer waren für die Reisen in diesem Jahr angemeldet. „Für meinen Sohn Niels tut es mir sehr leid“, bedauert Heidi Schäfer, obwohl sie den Grund der Absage natürlich versteht. In den Corona-Verordnungen des Landes ist deutlich festgehalten: Treffen und Lockerungen sind nur möglich, wenn die Hygiene-Vorschriften eingehalten werden können. In der Zusammenarbeit mit geistig behinderten Menschen ist nicht garantiert, dass der Mindestabstand gewahrt wird.

Schäfers Sohn Niels war seit Mitte März für drei Monate komplett zuhause, weil die Werkstatt in der er arbeitet, geschlossen hatte. Seit der vergangenen Woche geht er wieder arbeiten. Seine Werkstatt hat die Arbeitszeiten langsam hochgefahren. „Niels hatte gerade begonnen, zwei Mal in der Woche als Alltagshelfer in einer Kita zu arbeiten. Das hat gut geklappt und ihm auch viel Spaß gemacht. Jetzt müssen wir erst mal sehen, ob und wann das starten kann. Er fragt schon dauernd, wann er wieder arbeiten darf“, berichtet Schäfer.

Aber die alleinerziehende Mutter und ihr Sohn haben auch die Zeit zu zweit gut genutzt: „Ich habe Niels jeden Tag eine To-do-Liste geschrieben, es ist wichtig, dass er weiter eine Struktur im Tag hat und jetzt war endlich genügend Geduld und Zeit da, wichtige Dinge wie das Bedienen der Waschmaschine zu üben. Auch kleine handwerkliche Tätigkeiten hat er übernommen. Ich habe ihn schon spaßeshalber unseren Facility-Manager genannt“, sagt Schäfer lachend.

Dennoch hat Niels die Begegnungen und Freunde vermisst. Eines seiner Hobbys ist die Trommelgruppe Hand-to-Hand. Da habe es zwar kleine Videoeinheiten gegeben, das sei aber kein richtiger Ersatz. Schließlich geht es beim gemeinsamen Musizieren der behinderten und nicht behinderten Musiker auch um Gemeinschaft.

Elke Blum, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, hat ein ganz anderes Problem mit ihrem Sohn Andreas: Der geistig behinderte Mann vermisst seine Freundin Tanja. „Er hat sie bei einem der Clubabende vor 30 Jahren kennengelernt. Seitdem sind sie ein Paar. Tanja wohnt in einer betreuten Wohnanlage und darf wegen Corona dort keinen Besuch empfangen“, bedauert die Mutter. Andreas leide unter der langen Kontaktsperre. „Auch die Clubabende fehlen ihm, und er ist oft ganz traurig“, erzählt Blum. Aber auch sie versteht die strengen Regeln. Viele Behinderte sind wegen Vorerkrankungen einem besonders hohen Risiko ausgesetzt.

Schäfer und Blum hoffen jetzt, dass die Dreieicher die Behindertenhilfe trotz der Corona-Pause und des fehlenden Sommerfestes nicht vergessen. Der Verein wirbt darum, die Gelegenheit zu nutzen und förderndes Mitglied zu werden, auch Spenden sind willkommen, um die Freizeitaktivitäten zu unterstützen.

Spenden nimmt der Verein auf den Konten der Volksbank IBAN DE DE30 50599 2200 0205 1090 79 oder der Sparkasse IBAN DE87 5065 2124 0039 1241 85 entgegen. Weitere Infos gibt es unter behindertenhilfedreieich-ev.de

(Nicole Jost)

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