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„Ein Stück deutsche Geschichte“: Philipp Holzmann AG meldet vor 20 Jahren Insolvenz an

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Von: Joshua Bär

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Die Holzmann-Veteranen um Hans-Joachim Hohmann (links), Rainer Oswalt (Zweiter von links) und Harald Zapke (mit Veteranen-Schild) erinnern jedes Jahr an die Pleite des einstigen Baukonzerns vor 20 Jahren.
Die Holzmann-Veteranen um Hans-Joachim Hohmann (links), Rainer Oswalt (Zweiter von links) und Harald Zapke (mit Veteranen-Schild) erinnern jedes Jahr an die Pleite des einstigen Baukonzerns vor 20 Jahren. © rainer rüffer

Sie gehörte zu den größten deutschen Bauunternehmen, hatte Projekte auf vier Kontinenten und Tausende Mitarbeiter: die Philipp Holzmann AG. Vor 20 Jahren ging der Konzern Pleite.

Frankfurt – Deutsche Bank, Trianon, Japan Center: Kaum ein Gebäude der Frankfurter Skyline, bei dessen Bau die Philipp Holzmann AG nicht beteiligt war. 1849 in Dreieichenhain (Dreieich, Landkreis Offenbach) gegründet, gehörte das Unternehmen lange zu den Big Playern der Baubranche. Doch Ende der 1990 Jahre war damit Schluss. Nach jahrelangem Missmanagement und mehreren Rettungsversuchen meldete der Konzern 2002 Insolvenz an.

Hans-Joachim Hohmann, zu dieser Zeit stellvertretender Vorstand des Betriebsrats am Hauptsitz in Frankfurt, erinnert sich noch gut an den 21. März 2002. „Es war 17.12 Uhr, als der Arbeitsdirektor in unsere Betriebsratssitzung kam und die Insolvenz verkündete.“ Ein Schock für Hohmann und die mehr als 20 000 Mitarbeiter. Zumal das Unternehmen im November 1999 noch als gerettet galt. Damals ließ sich sogar der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Frankfurt fliegen, um sich auf dem Balkon des Verwaltungsgebäudes an der Taunusanlage feiern zu lassen. „Da haben viele damit gerechnet, dass es wirklich weitergeht“, sagt Hohmann – ein Trugschluss.

Philipp Holzmann AG: Insolvenz kam nicht für alle Mitarbeiter in Frankfurt überraschend

Überraschend kam die Insolvenz jedoch nicht unbedingt, wie Rainer Oswalt, zu dieser Zeit in der Auslandsabteilung des Unternehmens angestellt, berichtet: „Natürlich haben wir auf den Fluren gehört, dass es nicht gut aussieht.“ Dem gesamten Baugewerbe sei es damals schlecht gegangen, meint er. So seien Ende der 1990er Jahre vermehrt Konkurrenten aus dem Ausland aufgekommen.

Er selbst könne sich nicht mehr genau an den 21. März erinnern, „aber auch für uns war es natürlich kein schönes Gefühl.“ Inzwischen, betont Oswalt, habe er damit abgeschlossen. „Die Trauerkleidung habe ich abgelegt.“ Es sei eben Teil des Lebens, dass Unternehmen kommen und gehen. „Aber wir Holzmänner haben damals sehr getrauert. Wir waren eine große Familie, viele haben sich gekannt.“

Philipp Holzmann AG: Ehemalige Mitarbeiter erinnern an Insolvenz des Konzerns aus Hessen

An trauernde Gesichter kann sich auch Hohmann erinnern. Er selbst habe nach der Pleite noch für den Insolvenzverwalter gearbeitet. „Wir haben 650 000 Bauakten aus allen Niederlassungen zusammengetragen und sozusagen die Tür zugemacht“, erinnert er sich. Dabei hätte er Menschen erlebt, die geweint hätten. Besonders geärgert habe er sich über die „gewaltigen Managementfehler“. Der heute 74-Jährige glaubt nicht, dass alles getan wurde, um das Unternehmen zu retten.

Viele Mitarbeiter sind ihrem ehemaligen Arbeitgeber verbunden geblieben. Mindestens einmal im Jahr treffen sich die Holzmann-Veteranen, um über alte Zeiten zu sprechen, aber auch, um an die Fehler der Verantwortlichen zu erinnern. „Normalerweise hätte man die Firma schon 1999 abwickeln müssen“, sagt Harald Zapke. Auch er gehört zu den Holzmann-Veteranen, organisiert die Jahrestreffen in Frankfurt. Für ihn ist die Firmen-Pleite nicht nur warnenden Beispiel, „sie ist ein Teil deutscher Geschichte“.

Zapke möchte seine privaten Erinnerungsstücke daher in einem Museum ausstellen. Damit sich die Menschen nicht nur am 21. März an Holzmann erinnern, sagt der Veteran. (Joshua Bär)

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