Wie Hessen wieder zur Heimat für Juden wurde

Dreieich - Filmvorführung anlässlich des Holocaust-Gedenktages

Sprendlingen(nb) Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus bietet die Stadtbücherei Sprendlingen am Dienstag, 27. Januar, um 19 Uhr eine Vorführung des Dokumentarfilms „Leben in Trümmern: Hessen und die Heimkehr der Juden“ von Christian Gropper.

Ausgangspunkt ist das Ende des Zweiten Weltkrieges: Im Februar 1945 haben sowjetische Truppen bereits die Gefangenen des Konzentrationslagers in Auschwitz befreit und amerikanische Soldaten stehen kurz vor dem Rhein, während in Frankfurt am Main der letzte große Transport von 600 jüdischen Bürgern für das Konzentrationslager Theresienstadt zusammengestellt wird.

Auch die damals siebenjährige Edith Bär wird gemeinsam mit Schwester und Vater in die Großmarkthalle zu den bereitstehenden Zügen gebracht. Ein paar Wochen später ist der Krieg jedoch zu Ende und Edith Bär gehört zu den wenigen überlebenden Juden.

Während viele der Befreiten Europa verlassen und auswandern, bleiben einige in Deutschland, obwohl ihre Familien in den deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden. Auch in Frankfurt entsteht eine wachsende jüdische Gemeinde und Holocaust-Überlebende aus allen Teilen Europas beginnen mit dem Wiederaufbau jüdischer Kultur in Deutschland.

Der Filmautor Christian Gropper hat mit überlebenden jüdischen Zeitzeugen wie Edith Bär gesprochen: Auch Jakob Horowitz hat den letzten Kriegswinter in einem Konzentrationslager in seiner polnischen Heimat überstanden, während die gebürtige Frankfurterin Cilly Levitus in einem Versteck in den Niederlanden überlebte. Obwohl Mutter und Bruder von den Nazis umgebracht wurden, hat sie in Deutschland wieder Fuß gefasst.

Im Vordergrund des Filmes steht deshalb auch die Frage, wie es für die Überlebenden möglich war, in diesem Land eine neue Zukunft aufzubauen. Denn auch wenn viele von ihnen nicht mehr angstfrei und unbeschwert leben können, haben sie doch wieder eine Heimat in Hessen gefunden.

Der gebürtige Marburger Christian Gropper hat 1993 an der Fachhochschule in Darmstadt sein Diplom im Studiengang Filmdesign gemacht. Er ist seit 1992 freier Redakteur und Produzent für Werbung- und Wirtschafts-TV, außerdem arbeitet er seit 2005 als Film-Dozent in Darmstadt. Zudem ist er Verfasser der Bücher „Hessen, wie alles begann“ und „Wir sind wieder wer! Unser Aufbruch in die 50er Jahre“.

Der Eintritt ist frei. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, über den Film und über das Thema zu diskutieren.

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