Verlust zweier Kapitelle im Heckenborn

Historische Säulen ihrer Kugeln beraubt

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Bis Anfang der siebziger Jahre standen die beiden Torpfosten in der Hauptstraße.

Sprendlingen - Bis Anfang der siebziger Jahre standen sie an der Hauptstraße, ehe sie vor einem Haus im Heckenborn aufgestellt wurden.

Als die Freunde Sprendlingens die beiden Sandsteinsäulen samt Kapitellen vor ein paar Tagen sichern wollten, trauten sie ihren Augen nicht: Die Kugeln auf den Säulen waren verschwunden. Der Verein für Heimatkunde hofft auf die Rückgabe durch denjenigen, der sich den lokalhistorischen Schatz unter den Nagel gerissen hat.

Erster Stadtrat Martin Burlon hatte den Verein im Dezember darüber informiert, dass die Torpfosten vor einem Haus im angehenden Neubaugebiet Heckenborn stehen, dessen Abriss bevorsteht. Die Freunde Sprendlingens nahmen mit dem Besitzer Kontakt auf, der ihnen die Säulen überließ. Früher gehörten sie zu dem neben der Stadt-Apotheke gelegenen Anwesen Steckenreiter, das 1972 abgerissen wurde. Heute steht dort das Hotel Herrnbrod-Ständecke. „Der Hausbesitzer ließ die Torpfosten damals sichern und vor seinem Haus im Heckenborn aufstellen“, berichtet Vorstandsmitglied Wilhelm Ott.

Wichtiges Relikt der jüngeren Vergangenheit

Irgendwann in den vergangenen Wochen sind sie im Heckenborn verschwunden, die beiden Kapitelle mit den Kugeln. Die Freunde Sprendlingens hoffen auf die Rückgabe.

Für den Verein ist klar: Die Torpfosten sind ein lokalhistorisch wichtiges Relikt der jüngeren Sprendlinger Vergangenheit. Die 1938 von den Nationalsozialisten zerstörte Synagoge stand bekanntlich schräg hinter der Stadt-Apotheke. Der Zugang zum jüdischen Gotteshaus erfolgte von der Hauptstraße aus durch eine gemeinsame Einfahrt mit dem Anwesen Steckenreiter. Die Pfosten sind auf historischen Postkarten deutlich zu erkennen. In Absprache mit der Stadt planten die Freunde Sprendlingens mit Unterstützung der Firma Burkard, die Säulen abzubauen und einzulagern. Sie sollten zu gegebener Zeit wieder einen Platz im öffentlichen Raum Sprendlingens finden. Nach Beginn der Rodungsarbeiten im Heckenborn war das Anwesen für den Abtransport allerdings nicht zugänglich. Als vergangene Woche eine Zufahrt über die Schulwiese ermöglicht wurde, stellten die Beteiligten mit Erschrecken fest, dass die Kapitelle mit den Sandsteinkugeln verschwunden waren.

Wer auch immer sie entwendet hat, wisse wahrscheinlich nicht um die Bedeutung der Säulen und dass es sich um Eigentum der Freunde Sprendlingens handele, mutmaßt Ott. „Möglicherweise wollten sie die Kapitelle vor dem Abriss des Hauses auch nur sichern“, spekuliert das Vorstandsmitglied. Er steht unter 06103/67238 oder info@freunde-sprendlingens.de als Ansprechpartner für die Rückgabe bereit. Sollten sich die Täter nicht innerhalb der nächsten beiden Wochen melden, will der Verein Anzeige gegen Unbekannt erstatten und eine Belohnung für Hinweise ausloben, die zur Auffindung beider Kapitelle führen. Auch Martin Burlon appelliert an die vermeintlichen Langfinger: „Bitte melden Sie sich, um das Ensemble der beiden Torpfosten so auf Dauer der Öffentlichkeit und somit für alle Bürger zu erhalten. Es wäre sehr schade, wenn die Kapitelle irgendwo auf Privatgelände versteckt würden.“ 

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fm

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Kommentare

cives
(0)(1)

Ich bin mal gespannt wann die Sprenglenger mit de Staa von de Haaner Burg wieder rausrücke!

eskarlche
(0)(0)

gehts noch ?