Freundeskreis der Offenthaler Kirche plant Lapidarium im Turm und Ausstellung im Freien

Historische Schätze

Reinhard Frank inmitten der alten Steine. Die großen Brocken stammen von Ausgrabungen aus dem Kirchgarten. Hier oben, im ersten Geschoss des Kirchturms, sollen die Steine künftig ausgestellt werden. 
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Reinhard Frank inmitten der alten Steine. Die großen Brocken stammen von Ausgrabungen aus dem Kirchgarten. Hier oben, im ersten Geschoss des Kirchturms, sollen die Steine künftig ausgestellt werden. 

Über die Jahre sind rund um die evangelische Kirche Offenthal viele Fundstücke zusammengekommen. Diese möchte der Freundeskreis angemessen präsentieren.

Heute weiß man, dass Offenthal – vermutlich zwischen 1460 und 1510 – ein Wallfahrtsort war. Sehr wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Marienfigur in der Kirche, zu der gepilgert wurde. 1540 wird das Gotteshaus mit der Reformation evangelisch.

„Die Architektur hat sich im Laufe der Jahrhunderte und dem jeweils herrschenden Zeitgeist verändert. Am deutlichsten sehen wir das an den Fenstern. Ursprünglich im spätgotischen Stil erbaut, mit den klassischen Spitzbögen, gab es bei einer Renovierung 1770 – im Barockzeitalter – bauliche Veränderungen zu Rundbögen“, erläutert Reinhard Frank. Heute ist die Kirche eine Mischung aus gotischem Stil mit einem deutlichen Anteil von Barockelementen. Nicht nur die angedeuteten Spitzen in den beiden Fenstern rechts und links vom Altar lassen das erkennen, es gab in der Vergangenheit auch immer Fundstücke, die alte Sandsteinfensterelement mit Spitzbögen zutage förderten. „Diese alten Steine wurden bei Ausgrabungen im Kirchgarten gefunden, aber es gibt natürlich noch viel mehr Dinge, die sich im Laufe der Zeit im Turm oder unterm Dach der Kirche angesammelt haben, die wertvolle Zeugnisse der Zeit darstellen“, berichtet der begeisterte Fan der Kirche.

Der Freundeskreis der Offenthaler Kirche will diese Fundstücke, die derzeit ein reichlich ungesehenes Dasein im Kirchturm fristen, für eine Ausstellung arrangieren. „Wir wollten eigentlich schon viel weiter sein, aber Corona hat die Pläne für dieses Jahr zunichte gemacht“, erzählt Frank. Da der Kirchgarten ebenfalls umgestaltet werden soll, bietet es sich an, die größeren alten Steine draußen zu platzieren und damit der Öffentlichkeit jederzeit zugänglich zu machen. Freundeskreis und Kirchenvorstand sind darüber im Austausch.

In den zwei Stockwerken des Kirchturms soll zudem ein Lapidarium eingerichtet werden. „Auf Stufenregalen könnten wir die Steine angemessen präsentieren und für kleinere Fundstücke würden wir gerne Vitrinen anschaffen“, so Frank weiter. Ausgeschlossen ist dabei die allererste Altarplatte, die vermutlich kurz nach 1400 in der Kirche verbaut wurde. Sie ist zu empfindlich, um sie draußen zu lagern, und zu schwer, um sie nach oben in den Turm zu transportieren. Sie soll ihren dauerhaften Platz – nach einer Aufarbeitung durch einen Fachmann – in der Kirche bekommen.

So manches Fundstück erzählt spannende Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. Ein alter Sandstein stammt noch aus der katholischen Zeit. Das Sandsteinquadrat mit dem eingemeißelten Kreuz mit einem Apfel darunter, sei wahrscheinlich ein katholisches Element, vermutet Reinhard Frank. Wie alt der mit Einschusslöchern durchsiebte Wetterhahn ist, kann keiner genau datieren. Das Gegengewicht der alten Kirchturmuhr, so vermuten die Hobbyforscher, stammt aus der Zeit nach 1770, nach der ersten großen Kirchenrenovierung.

Bei einer Reinigungsaktion im Turm haben die Offenthaler Heimatforscher Joachim Seibert und Timo Seibert mit einem Hochdrucksauggerät sämtlichen Staub aus den Ritzen gezogen. Anschließend wurde der Schmutz durchsiebt und dabei allerhand Altes zutage gefördert. Neben alten Knöpfen und Werkzeugen haben sie dabei Münzen gefunden. Sie stammen vermutlich aus der Zeit der Besetzung der Schweden während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648). Damals diente der Kirchturm als Wehrturm. „Die hat sicher einer dort oben versteckt, sie steckten alle zusammen in einem Säckchen“, mutmaßt Joachim Seibert. Die Münzen sind hauchdünn und empfindlich, sie werden nicht in den Vitrinen ausgestellt, sondern bleiben sicher verwahrt im Safe der Kirche. Die Funde sind übrigens alle über den Schreibtisch der Denkmalschutzbehörde gegangen, betont Joachim Seibert.

Einen Zeitplan zur Einrichtung der Ausstellung in Turm und Kirchgarten hat der Freundeskreis noch nicht. „Wir hoffen, wir können es 2021 angehen. Motiviert sind wir!“, sagt Reinhard Frank.´(Von Nicole Jost)

Infos im Internet

freundeskreis-kirche-offenthal.de

Die Münzen sind zwischen 1619 und 1629 geprägt und waren im Kirchturm versteckt.
Der stolze Hahn vom Kirchturm hat einige Einschusslöcher und stammt aus der jüngeren Vergangenheit.

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