Hoffnung auf weitere schöne Momente

Jazzsängerin gestaltet Eröffnung der 16. Musiktage

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Emilia Zamuner und Georgi Mundrov, künstlerischer Leiter der Dreieicher Musiktage, freuen sich auf die heutige Eröffnung bei den Stadtwerken. Bis zum 27. Mai stehen insgesamt 18 Konzerte an.

Dreieich - „Ich freue mich, wieder hier zu sein. “ Nachdem die Sängerin Emilia Zamuner im vergangenen Jahr bei den Dreieicher Musiktagen einen großen Erfolg gefeiert hat, gestaltet sie am heutigen Freitag mit ihrem Quartett das Eröffnungskonzert der 16. Ausgabe. Von Holger Klemm

Ab 20 Uhr heißt es „Jazz Vocal“ bei den Stadtwerken in der Eisenbahnstraße 140. Zu hören sind Jazz-Standards unter anderem von Duke Ellington, George Gershwin, Cole Porter und Antonio Carlos Jobim. Die junge Italienerin aus Neapel schätzt den intimen Charakter der Musiktage, die sich durch Konzerte im kleinen Rahmen in Privathäusern und Firmen auszeichnen. „Das ist wunderschön, man kann in die Gesichter der Besucher schauen und direkt auf ihre Emotionen reagieren.“ Zamuner erinnert sich an die tollen Momente beim Konzert im vergangenen Jahr im Haus der Familie Schmitt und hofft auf eine Wiederholung am heutigen Freitag bei den Stadtwerken. Ihr Ziel ist es, das Publikum glücklich zu machen und ihre Herzen zu öffnen.

Die Sängerin stammt aus einer durch und durch musikalischen Familie. Doch neben ihrem Cousin Paolo, der heute mit dabei sein wird, ist sie die Einzige, die Jazz spielt. Vater, Mutter und Bruder haben sich dagegen der Klassik verschrieben. Übrigens treten Maria Sbeglia und Umberto Zamuner, Klavier, sowie Riccardo Zamuner, Violine, ebenfalls bei den Musiktagen auf. Unter dem Motto „Virtuose Violine“ präsentieren die drei am Sonntag, 22. April, um 11 Uhr im Haus der Familie Niebel, Karl-Duchmann-Weg 6, Werke von Vivaldi, Paganini und Brahms. Das Eröffnungswochenende der Musiktage steht also ganz im Zeichen der Familie Zamuner.

Doch zurück zu Emilia, die Musik studierte und mit dem klassischen Piano anfing. „Dann entdeckte ich meine Liebe zum wunderschönen Jazz.“ Sie wollte einen Abschluss als Sängerin, das war aber nur im Jazzbereich möglich. Was anfangs eine Notwendigkeit war, entwickelte sich zu einer engen Beziehung. Besonders schätzt sie, dass man als Sängerin den Charakter eines Jazzsongs ändern und eigene Einflüsse mit einbringen kann.

Großes Idol ist Ella Fitzgerald, die für sie die schönste weibliche Stimme des Jazz hatte und das in mehreren 100 Songs unter Beweis gestellt hat. Zamuner betrachtet die Stimme als Instrument. Eine Spezialität von ihr ist deshalb auch der Scat-Gesang, mit dem ohne Worte lautmalerisch instrumentale Phrasen nachgeahmt werden. Ein besonderer Erfolg war für die junge Künstlerin 2016 der Sieg beim Jazz-Wettbewerb Premio Massimo Urbani in Camerino, bei dem neben Sängern Musiker mit den unterschiedlichsten Instrumenten antreten. „Und ich war die erste Frau, die da gewonnen hat.“ Seit vielen Jahren spielt sie mit ihrem Cousin Paolo (Klavier) zusammen. Ihr Trio wird durch Rocco Zachagnino mit einer Accordina, einer Mischung aus Akkordeon und Mundharmonika, vervollständigt. In Dreieich kommt als Gast der Schlagzeuger Eduardo Baboun dazu.

Neben zahlreichen Konzerten in vielen Ländern bleibt Zeit, auch verschiedene Projekte zu verfolgen. So beschäftigt sich Zamuner intensiv mit dem neapolitanischen Komponisten Pino Daniele (1955 bis 2015), der regionale Folklore mit Jazz verband. Diese Vermischung gefällt ihr besonders gut. So singt sie nicht nur in Englisch, sondern auch in Italienisch, genauer im neapolitanischen Dialekt. Überhaupt Neapel: Zamuner schwärmt von der Stadt, in der überall Musik erklingt. „Deshalb ist es kein Wunder, dass ich Musikerin geworden bin.“

So wirkt Musik auf unseren Körper

Ein großer Fan ist sie von Bobby McFerrin. „Der ist zwar durch "Don’t worry, be happy" bekannt geworden, kann aber viel mehr.“ Zamuner wusste, dass der US-Musiker bei seinen Konzerten Besucher auf die Bühne holt. Deshalb kaufte sich die Sängerin für einen Auftritt von McFerrin eine Karte für die erste Reihe. Und es klappte. Sie durfte auf der Bühne mit McFerrin singen. Dieser war so begeistert, dass die Sängerin wenige Tage später bei einem Konzert von ihm erneut auftreten durfte. Dafür wurde eine Fahrt von drei Stunden gerne auf sich genommen.

„Ich mag sie eigentlich alle“, antwortet die Sängerin auf die Frage, welcher der Komponisten, der heute auf dem Programm steht, ihr Favorit ist. Eine besondere Beziehung besteht aber zu George Gershwin. „Als meine Mutter mit mir schwanger war, probte diese intensiv dessen Klavierkonzert in F-Dur.“ Und irgendwann habe ihre Mutter einen kräftigen Tritt aus dem Bauch heraus verspürt. „Mir war es wohl genug. Doch vielleicht bin ich deshalb Jazzsängerin geworden“, schmunzelt Zamuner. Für das heutige Eröffnungskonzert gibt es noch Karten an der Abendkasse.

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