Hoffnung auf zweiten Anlauf

Dreieich - Seit mittlerweile einem halben Jahrhundert wird im Dreieicher Stadtteil Offenthal über die Notwendigkeit einer Ortsumfahrung diskutiert und gestritten.  Von Klaus Hellweg und Bernhard Pelka

Wenn der hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) am kommenden Freitag den Planfeststellungsbeschluss unterschreibt, ist es schon das zweite Mal, dass für eine Entlastungsstraße Baurecht geschaffen wurde.

Diesmal hoffen die Offenthaler, dass es auch tatsächlich zum Bau dieser politisch vollkommen unumstrittenen Umgehung kommt.

Erste Ansätze, das seinerzeit noch selbstständige Offenthal vom exorbitanten Verkehr in den ausgesprochen engen Straßen zu entlasten, gehen auf das Jahr 1957 zurück. Als seinerzeit die Flurbereinigung durchgeführt wurde, war von der Flurbereinigungsbehörde die Trasse einer Nordumgehung abgesteckt worden. Günther Stapp, der seit 1984 zu den Gründern der „Interessengemeinschaft verkehrsgeschädigter Offenthaler“ zählte, erinnert sich: „Der Bauer, dem dieser Acker gehörte, riss die Pfosten aus dem Boden, und damit war das Thema erst einmal vom Tisch. So einfach ging das vor 50 Jahren.“

Immer wieder gab es in den Folgejahren Lösungsvorschläge für, aber auch grundsätzliche Bedenken gegen eine Umfahrung - konkrete Schritte blieben allerdings aus.

Ein neues Stadium war erreicht, als 1975 das Hessische Straßenbauamt Darmstadt die Planungen für eine große Lösung in Angriff nahm - den Bau des so genannten Odenwaldzubringers (B 46 neu). Er wurde ursprünglich als mehrspurige Bundesfernstraße für den weiträumigen Verkehr geplant und war gedacht als verkehrliche Anbindung des Odenwaldes mit dem Ballungsraum Rhein-Main. Vom Bau der B 46 neu hätten auch die Dreieicher Stadtteile Offenthal und Götzenhain profitiert, hätte man sie doch weiträumig umfahren können.

Obwohl - bei Dreieicher Grünen und SPD allemal - aus ökologischen Gründen wegen der starken Eingriffe in die Natur umstritten, kommt es nach einigen Planungsänderungen im April 1984 zum Planfeststellungsbeschluss für den Bau der B  46 neu.

Zehn Monate später, im April 1985, ordnet der hessische Verkehrsminister den so genannten Sofortvollzug an. Dagegen klagen Naturschutzverbände und bekommen Recht: Die aufschiebende Wirkung der Klagen wird vom Verwaltungsgericht Darmstadt wiederhergestellt. Mehr noch: Das Verwaltungsgericht und später der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel heben den Planfeststellungsbeschluss auf. Damit war die verkehrliche Entlastung Offenthals, aber auch Götzenhains, hinfällig.

Als Gegenvorschlag hatten die Naturschutzverbände schon Mitte der 80-er Jahre „kleine“ Lösungen vorgeschlagen - für Offenthal eine gut drei Kilometer lange Südumfahrung.

Im Jahr 2004 begann das alles andere als einfach abzuwickelnde Planfeststellungsverfahren, während der Unmut in Offenthal wegen der unzumutbaren Verkehrsverhältnisse im Ortskern von Monat zu Monat wuchs.

Der Bund hatte die Umfahrung zwar als so genannten vordringlichen Bedarf eingestuft, stellte die Mittel in Höhe von 8.3 Millionen Euro aber erst im Dezember vergangenen Jahres zur Verfügung.

Wenn Dieter Posch den Planfeststellungsbeschluss jetzt unterschreibt, drohen Klagen zweier Landwirte und eines Gartenbaubetriebes, die sich in ihrer Existenz gefährdet sehen. Und auch die Stadt Rödermark erwägt eine Klage, wenn keine Möglichkeit gefunden wird, ihren Stadtteil Urberach vom erwarteten Mehrverkehr zu verschonen.

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