HSV Götzenhain feiert seine Halle

Nach Orkan bei Null angefangen

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Trümmerfeld: Mit Urgewalt fegte der Orkan am 3. Februar 1990 durch Dreieich. Den HSV Götzenhain traf es am schlimmsten, die Halle wurde komplett zerstört. Doch der damalige Vorstand zögerte nicht, packte es umgehend an. Im Oktober 1991 wurde die neue Halle eingeweiht.

Götzenhain - Mit einem Festwochenende feiert der HSV Götzenhain am 24. /25. Juni das 50-jährige Bestehen seiner Halle an der Langener Straße. Dass er das tun kann, ist gleich zwei Kraftakten zu verdanken. Von Frank Mahn 

Nachdem die Halle durch einen Orkan im Februar 1990 zerstört worden war, stand der Verein vor dem Nichts. Doch mit vereinten Kräften wurde der Wiederaufbau angepackt. Seit Oktober 1991 hat der HSV wieder ein Dach über dem Kopf.

Von Januar bis März 1990 fegen mehrere Orkane durch das Land. Sie fordern Todesopfer und richten Schäden in Milliardenhöhe an. Am 3. Februar läuft in der HSV-Halle ein Handballspiel, als gegen 19.45 Uhr ein Sturm die Dachkonstruktion abhebt und durch die Luft wirbelt. Das Licht geht aus, Mauern stürzen ein. Das Vereinsgelände verwandelt sich in eine Trümmerwüste, wie durch ein Wunder bleibt es bei Leichtverletzten. „Es hat alles nur 15 Sekunden gedauert. Ich habe gesehen, wie sich die Vorhänge gehoben haben. Dann sind die Fenster rausgeflogen und es hat einen großen Schlag getan“, schildert der damalige HSV-Vorsitzende Friedrich Klepper am Morgen danach im Gespräch mit unserer Zeitung. Von der Halle steht nur noch ein Gerippe, nahezu unversehrt bleiben nur die Gaststätte und ein kleiner Anbau. Der Schaden wird auf zwei Millionen D-Mark geschätzt.

Doch die Verantwortlichen fackeln nicht lange. Noch in der Nacht werden die ersten Pläne für den Wiederaufbau geschmiedet. Dank der Unterstützung der umliegenden Vereine und der Stadt Dreieich kann der Spielbetrieb aufrechterhalten werden. Eineinhalb Jahre später weiht der Verein seine neue Halle ein, ergänzt um Büro-, Wohn- und Gymnastikräume. Mehr als 1,2 Millionen D-Mark müssen aufgebracht werden. Die Finanzierung erfolgt durch einen Mix aus Zuschüsse, Krediten und Spenden.

An dieses schwierige Kapitel der Vereinsgeschichte wird am Festwochenende ebenso erinnert werden wie an die Anfänge in den fünfziger Jahren. Der HSV wird 1954 gegründet, damals wird Handball auf dem Feld gespielt. Es gibt einen Sportplatz und eine Holzbaracke mit Sanitäranlagen. 1965 entschließt sich der Verein um Friedrich Klepper und Georg Müller, auf dem Gelände eine Halle samt Gaststätte zu bauen. Das Vorhaben ist für den gerade mal 100 Mitglieder zählenden HSV ein großes Wagnis. Die Gemeinde Götzenhain überlässt dem Verein das Grundstück an der verlängerten Langener Straße. Muskelkraft ist gefragt. Mehr als 40 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit investieren die Handballer, um sich ihren Traum zu erfüllen. So wird das Fundament selbst gelegt, die Halle zieht eine Firma hoch. Sie verfügt über ein Handballfeld mit international gültiger Abmessung, auch Volleyball und Tennis sind möglich. Gaststätte, Dusch-, Umkleideräume und eine Kegelbahn im Keller komplettieren den Komplex.

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In den folgenden Jahren bestätigt ein Mitgliederaufschwung die Verantwortlichen in ihrem Vorhaben. 1989 vermeldet der Vorstand in der Jahreshauptversammlung: „Wir sind fast schuldenfrei!“ Die Freude währt nicht allzu lange. Nach dem Orkan muss der Verein praktisch bei Null anfangen. Doch am 18. Oktober 1991 beginnt das Herz des Vereins wieder richtig zu schlagen. Die neue Halle wird an diesem Tag ihrer Bestimmung übergeben.

In der Folge öffnet sich der HSV für weitere Sportarten, aus dem Ein- wird ein Mehr-Sparten-Verein, der in seinen besten Zeiten 700 Mitglieder hat. Aktuell sind es etwa 450. Zum Angebot gehören heute unter anderem Gymnastik, Rugby, Bogenschießen und Boule.

Im neuen Jahrtausend setzen dem Klub finanzielle Probleme zu. Die Stadt kündigt Ende 2010 den Pachtvertrag für den Rasenplatz, der von Fußballvereinen zum Training genutzt wird. Der HSV muss den Platz pflegen, zudem wird das Loch in der klammen Kasse größer. Hinzu kommt, dass die Gaststätte nicht läuft. Das ändert sich 2014 mit einem neuen Pächter. Als der SC Hessen Dreieich 2016 den Platz übernimmt, schippert der HSV um seinen Vorsitzenden Ralf Kudernak wieder in finanziell ruhigeres Fahrwasser.

Beim Festwochenende werden sich alle Abteilungen des Vereins präsentieren und die Besucher zum Mitmachen animieren. Für Sonntag ist ein Frühschoppen im Sommergarten angesetzt, zu dem die Götzenhainer Landrat Oliver Quilling erwarten. Musik machen an diesem Vormittag Leonie Jakobi und Marc Zimmer.

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