Tierischer Tanzspaß

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Spencer ist bis dato der talentierteste Hund bei den Dogdancern in Sprendlingen. Mit unauffälligen Gesten zeigt Frauchen Kerstin Herzmann dem dreijährigen Australian Shepherd, was für ein Trick gerade gefragt ist.

Sprendlingen - Die Situation ist etwas surreal: Auf dem Rasen des Hundesportvereins mischt sich im fahlen Schein der Flutlichtmasten der Lärm der Autobahn mit Klängen von „Schnappi, dem kleinen Krokodil“. Es ist sieben Uhr abends. Von Cora Werwitzke

Trotz feucht-kalter Witterung kreisen ein Dutzend Zwei- und Vierbeiner weitläufig um sechs im Boden steckende Stangen. Mitten drin: Sabine Leenen, die sich die „Performance“ der Hunde und ihrer Frauchen genau ansieht. Schließlich schaltet sie die Musik aus. „Das war schon ganz gut“, ruft sie über den Rasen. „Auch wenn uns die Kleinen zwischendurch ein bisschen verloren gegangen sind. “.

„Dogdance“ (zu deutsch: Hundetanz) nennt sich die noch recht junge Sportart, die unter dem Dach des Sprendlinger Hundesportvereins (HSV) vor knapp einem Jahr Einzug hielt. „Sie stammt aus den USA und England“, sagt Sabine Leenen, die den Kurs initiierte. Das Ziel sei die harmonische Zusammenarbeit von Zwei- und Vierbeinern.

Einzel- oder auch Gruppenchoreografien

Selbst bei den Anfängern geht es auf dem Rasen schon ausgesprochen gesittet zu. Die ersten fröhlichen Töne von „Raindrops are falling on my head“ erklingen, und die Gruppe setzt sich wieder in Bewegung. An jeder Stange, die ein Frauchen-Hund-Duo passiert, steht ein „Tanzelement“ auf dem Programm: Die Hunde umrunden ihre Begleiter oder huschen durch deren Beine. „Das Ganze ist eine Vorübung“, erläutert Sabine Leenen. „Bei den Fortgeschrittenen werden die Elemente, die wir hier üben, dann zu Einzel- und Gruppenchoreografien aneinandergereiht.“

In den nächsten zehn Minuten steht individuelles Training auf dem Programm. Mini-Labradoodle Emily wedelt mit dem Schwanz und schaut erwartungsvoll zu Susi Achilles auf. „Schäm dich“, sagt sie – für Emily ist das das Kommando sich zu ducken. Susi Achilles macht es vor. Emily wedelt wieder mit dem Schwanz, deutet die Verbeugung selbst aber nur an. „Ach Emily, das ist doch kein Schämen.“

Ein paar Meter weiter übt Djeanna-Ly, eine Stange zu umrunden. Chantal Heckel ruft „Außen“, dabei deutet sie der acht Monate alten Schapendoes-Hündin mit einer schnellen Armbewegung den Weg an. Djeanna-Ly wetzt um die Stange, jedes Mal wird sie von Chantal Heckel ausgiebig gelobt.

Lernen mit dem „Klick“

Das Lob allein bringt die Hunde allerdings nicht dazu, Tricks zu lernen: „Wir arbeiten mit einem Clicker, der kommt an sich aus der Arbeit mit Delfinen“, erläutert Sabine Leenen. Das kleine Gerät könne man sich wie einen Knallfrosch vorstellen. Zunächst lernt der Hund, dass der Klick eine Belohnung ist, denn es folgt immer ein Leckerli. „Das ist die besonders schöne Phase für die Hunde“, sagt Sabine Leenen schmunzelnd. „Klick – und es kommt ein Leckerli.“ Im nächsten Schritt werde ihnen gezeigt, dass sie etwas tun müssen, um den Klick zu bekommen. „In dieser Phase spielen Handbewegungen eine große Rolle, die Hunde folgen der Hand – Klick, Leckerli.“ So sei es möglich, sie zu führen und zu Drehungen zu animieren. Sabine Leenen führt das Prinzip mit ihrem Hund Billy vor. Hundedame Emily ist in Hörweite und nähert sich den beiden freudig. „Da klickt sie und du bekommst nichts“, kommentiert Susi Achilles die Szene. Seit knapp einem halben Jahr ist sie mit Emily beim Dogdance. „Es macht ihr Spaß“, sagt sie. „Sie kapiert die Tricks schneller als ich“, schickt sie schmunzelnd hinterher. „Das ist echt gar nicht so einfach – ‘in’- und ‘out’-Drehungen und all das.“ Chantal Heckel stimmt lächelnd zu. „Meine ist allerdings auch ab und an schwer zu motivieren“ – sie schaut auf Djeanna-Ly, die es sich auf dem Boden gemütlich gemacht hat.

Für jeden Hund die richtigen Tricks

„Die Motivation ist das einzige, was Dogdancern einen Strich durch die Rechnung machen kann“, führt Sabine Leenen aus. „Ansonsten passen wir die Tricks den körperlichen Voraussetzungen der Hunde an – es ist also für jedes Alter, für jede körperliche Konstitution etwas dabei.“

In diesem Moment biegen ein paar Fortgeschrittene um die Ecke. „Spencer ist unser talentiertester Hund“, begrüßt Sabine Leenen den dreijährigen Australian Shepherd samt Kerstin Herzmann. Unauffällige Gesten der Halterin genügen, und Spencer umrundet sie im Rückwärtsgang oder läuft auf den Hinterbeinen. „Er lernt einfach gerne“, sagt Kerstin Herzmann. „Seit er ein halbes Jahr alt ist, sind wir am Üben.“ Neben ihr jault Spencer leise vor sich hin. „Jetzt langweilt er sich“, bemerkt sie. „Mit diesem Ort verbinden die Hunde lernen und arbeiten“, ergänzt Sabine Leenen.

Wer sich für Dogdance interessiert, ist dienstags um 18.15 Uhr zum Anfänger- oder um 19 Uhr zum Fortgeschrittenentraining auf dem Gelände des Hundesportvereins, Herrnroth 5, willkommen. Infos bei Sabine Leenen,  0177 7533636  oder im Netz.

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