Notizbuch der Woche

Kommentar: Immer geht es ums Geld

Es geht in Buchschlag ja um viel mehr als „nur“ um die Frage, ob ein Brunnen versetzt wird oder ganz verschwindet. Es geht darum, dass ein Stadtteil sich abgehängt fühlt oder - wie die Initiatoren der Bürgerversammlung es formulierten - ob Buchschlag vor dem Ausverkauf steht. Von Klaus Hellweg

Und das kann man auch ganz gut verstehen: Erst wird der Bürgersaal geschleift, weil die Stadt nicht das Geld hat, einen neuen zu bauen. Und jetzt soll der Schneckenbrunnen als nächstes dran sein - abermals, weil die Stadt das Grundstück versilbern und ihrem extrem defizitären Haushalt etwas Gutes tun möchte. Und die Buchschlager gucken in die Röhre: Was ihnen bleibt als Treffpunkt, das ist die Kirche, sonst gibt es in dem Stadtteil nichts. Also ist es durchaus erklärlich, dass sie den erstens den Brunnen und zweitens das Grundstück, auf dem er steht, behalten möchten.

Das würde, wie in der Bürgerversammlung richtig gesagt wurde, die Stadt nichts kosten, aber ihre Einnahmen durch den Verkauf der Grundstücke um vielleicht eine halbe Million Euro (oder etwas weniger) schmälern. Für Dreieich sehr viel Geld.

Chefstelle im Dreieich-Museum ist unbesetzt

Trotzdem: Man kann den Buchschlagern nicht nur nehmen, nehmen und nochmals nehmen - das hält kein Gemeinwesen aus, das schafft Verbitterung und Verdrossenheit und könnte sich spätestens bei den Kommunalwahlen 2011 niederschlagen, wenn Populisten sich diese Stimmung zunutze machen.

Aber abgesehen davon und trotz aller Krater großen Löcher in der Stadtkasse: Buchschlag hat ein Recht auf etwas Identität stiftendes, auf ein Wahrzeichen, einen Treffpunkt. Daran sollten alle Stadtverordneten denken, wenn sie denn vorhaben, auch noch dieses letzte Grundstück zu verkaufen.

Und ganz abgesehen davon: Bernd Rosenheim, Erschaffer des Brunnens, wird sich mit Händen und Füßen gegen das Schleifen seines in Beton gegossenen und mit Tausenden von Mosaiksteinchen verkleideten Kunstwerks wehren. Er macht Urheberrechte geltend - und egal, wie ein Rechtsstreit ausgeht: Er könnte eine Verwertung des Grundstücks über Jahre hinweg blockieren. Womit dann auch niemandem geholfen wäre.

Immer geht es ums Geld - auch bei der Causa Dreieich-Museum. Die Chefstelle ist unbesetzt, seit Ingeborg Dittler sich in die Rente verabschiedet hat. Der Kreis als Träger des Vereins glänzt bisher durch Nichtstun: Wegen einer Stellenbesetzungssperre gibt es keinen Nachfolger.

Im politischen Dreieich wird das allem Anschein nach als gottgewollt hingenommen, zumindest ist nicht bekannt, dass sich irgendjemand für das Museum stark gemacht hätte.

„ProDreieich“ meldet sich zu Wort

Da ist es schon erstaunlich (und auch ein wenig peinlich), dass es Politiker aus Dreieichs Nachbarstädten sind, die sich um das Dreieich-Museum in Dreieichenhain sorgen und im Kreistag einen Antrag einbringen: die FDP-Kreisräte Gerhard H. Gräber aus Neu-Isenburg und Werner Nickel aus Dietzenbach. Und wo sind die Dreieicher? Geht sie das alles nichts an?

Geld zum Dritten. Wieder einmal hat sich die Gruppe „interessierter Bürger“ namens ProDreieich zu Wort gemeldet, hat die Dreieicher Finanzpolitik und all diejenigen, die für sie verantwortlich sind, der Inkompetenz bezichtigt. Tenor: Statt weniger Geld auszugeben, also zu sparen, wird den Bürgern immer häufiger in die Tasche gegriffen.

Das liest sich ja ganz eingängig, doch in dieser Pauschalität lassen sich die Vorwürfe nicht aufrecht erhalten. Natürlich kann man sparen, doch was würde das bedeuten? Hallenbad schließen, Stadtbüchereien aufgeben, Buslinien ausdünnen, Bürgerhaus-Programm schrumpfen, Sportplätze schließen, Feuerwehrstandorte aufgeben ..... Das alles kann man machen und es würde viel Geld einsparen. Aber wetten, dass die Kritik derselben Menschen dann noch lauter ausfiele als heute? Selbst der ins Auge gefasste Verzicht auf einen Brunnen in Buchschlag setzt ja schon jede Menge an Kritik und Emotionen frei. Was käme da erst bei einem geschlossenen Hallenbad auf uns zu? Und wie laut wäre der Protest gewesen, wenn das Stadtparlament vor Jahren aus Kostengründen das Freibad geschlossen hätte? Damals hatte die Politik wider besseres Wissen nicht den Mut dazu.

Und wenn sie ihn diesmal hat und - wie von ProDreieich gefordert - auf Biegen und Brechen sparen würde: Das Ergebnis wäre wiederum nichts anderes als Protest.

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