Immer mehr Schwachstellen

Kitas: Eltern fordern Konzept zum Abbau von Sanierungsstau – Mehrere Probleme

Improvisieren ist angesagt im Übergangsdomizil für Kinder aus der Kita Am Lachengraben. Die evangelische Gemeinde hilft der Stadt aus der Klemme, stellt ihren Saal zur Verfügung.
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Improvisieren ist angesagt im Übergangsdomizil für Kinder aus der Kita Am Lachengraben. Die evangelische Gemeinde hilft der Stadt aus der Klemme, stellt ihren Saal zur Verfügung.

Angesichts des erneuten Wasserschadens in einer Kita in Dreieich fordert der Stadtelternbeirat endlich Schritte, um den Sanierungsstau in den Einrichtungen abzuarbeiten.

Dreieich – Die Kinder, die wegen des Wasserschadens in der Kita Am Lachengraben in Götzenhain in den Saal der evangelischen Gemeinde umgezogen sind, haben sich gleich am ersten Tag mit der neuen Situation gut arrangiert. Sie spielen vertieft in der provisorisch eingerichteten Bauecke und stören sich nicht an der ungewohnten Umgebung.

Für Tina Vieweber, Vorsitzende des Stadtelternbeirats, ist der neuerliche Wasserschaden in einer der 18 städtischen Kitas ein aussagekräftiges Symbolbild: „Die meisten Kindertagesstätten der Stadt Dreieich sind vor 40 Jahren gebaut worden. Da kommen jetzt vermehrt größere Schäden. Es braucht ein gutes Konzept, um die anstehenden Sanierungen nach und nach abzuarbeiten. Da fehlt uns bislang ein Plan“, schildert Vieweber die Sicht der Eltern.

Dreieich: Schon wieder ein Wasserschaden in einer Kita

Erst vor zwei Jahren hatte die Kita Friedhofstraße in Offenthal einen größeren Wasserschaden, in Sprendlingen waren die Kita Kurt-Schumacher-Ring betroffen und zuletzt 2020 die Kita Gravenbruchstraße, die über viele Monate geschlossen war.

Kleinere anstehende Arbeiten seien ebenfalls ins Stocken geraten. Es gebe einige Einrichtungen, die dringend neue Küchen oder sanitäre Anlagen benötigten. „Da ist wieder die Kita Gravenbruchstraße ein gutes Beispiel. Die Einrichtung ist fast ein Jahr zu und dann wird die alte Küche wieder eingebaut“, erläutert Tina Vieweber. Das könne sie nicht verstehen. Noch ärgerlicher: Für den Hort Eisenbahnstraße ist eine neue Küche geplant, die Eltern hatten einer kompletten Schließung zugestimmt, damit die Küche über die Ferien eingebaut werden kann. Der Hort war geschlossen, aber die Küche steht noch immer nicht. Vieweber regt an, die Kitaleitungen stärker mit ins Boot zu holen. Sie kennen schließlich die Schwachstellen der älteren Gebäude aus dem Alltag. Es müsse Prioritätenlisten geben.

Der Sonnenschutz sei ein weiteres wichtiges Thema. In einigen Einrichtungen heizen sich die Räume in den heißen Sommern zu sehr auf – unangenehm für die Kinder und das Erziehungspersonal. „Wir wissen inzwischen, dass es für Sonnenschutzmaßnahmen sogar hundertprozentige Förderungen gibt“, berichtet Tina Vieweber.

Kita in Dreieich: Defizite beim Anmeldeverfahren und bei Vergabe von Plätzen

Gute Arbeitsbedingungen und intakte Gebäude spielen in den Augen der Stadtelternbeirätin eine wichtige Rolle im Wettbewerb um Personal. Positiv wertet sie die Anzahl von 20 Auszubildenden, die seit August 2020 im Bereich der Kinderbetreuung ihre Ausbildung bei der Stadt begonnen haben. „Andererseits haben wir auch schon wieder einige Erzieher verloren. Da muss es doch das Ziel der Stadt sein, für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen, damit die Mitarbeiter, die sich ihren Arbeitsplatz aussuchen können, langfristig bleiben. Sonnenschutz ist dabei ein Thema, aber auch der Lärmschutz, die Möglichkeiten zur Weiterbildung und das Angebot eines Arbeitszimmers in den Einrichtungen“, nennt Tina Vieweber Ergebnisse einer Umfrage, bei der das Personal gefragt wurde, was ihm wichtig ist. Bei der Umsetzung dieser Wünsche sei zuletzt sehr wenig passiert.

Für die Eltern sei nach wie vor das nicht transparente Anmeldeverfahren ein großes Ärgernis. Eltern bekommen keinen Zwischenbescheid, auf welcher Position sie in der Warteliste sind und Vieweber ist auch der Meinung, dass die Berufstätigkeit bei der Vergabe der Kindergartenplätze eine zu kleine Rolle spielt. Die Probleme der nicht ausreichenden Plätze im U3- und Kitabereich müssten dringend angegangen werden, denn mit der gesetzlichen Verpflichtung zur Schulkindbetreuung ab 2025 warte die nächste Herausforderung. „Uns fehlen dann rund 700 Plätze in der Schulkindbetreuung. Da müssen die Stadt Dreieich und der Kreis Offenbach besser zusammenarbeiten, am besten an einem runden Tisch“, meint Tina Vieweber. (Nicole Jost)

Die Dreieicher Kitas sind auch während des Lockdowns geöffnet geblieben.

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