Internationales Treffen an Heine-Schule

Netzwerk wächst weiter

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Proppenvoll ist es in der Aula der Heine-Schule, als sich alle Beteiligten der Netzwerkkonferenz zum Gruppenfoto aufstellen.

Dreieich - Michael Tätzsch wedelt mit den Armen. Es ist gerade mal 8. 30 Uhr und der Mann mit dem grauen Haar und den kantigen Gesichtszügen muss sich bereits mächtig ins Zeug legen. Ein schickes Gruppenfoto soll her. Gar nicht so einfach bei rund 100 Personen. Von Manuel Schubert 

Tätzsch ist Lehrer an der Heinrich-Heine-Europaschule und zuständig für die Koordination der internationalen Aktivitäten. Die alljährliche Netzwerkkonferenz, die bis gestern wieder in der Schule stattfand, bedeutet für ihn natürlich High Noon. Doch er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Wie ein Dirigent bewegt er die Masse, bis alles stimmt, entlockt ihr noch ein kurzes „Cheese!“, bevor sich der Tross in Bewegung setzt. Draußen wartet der Bus, es geht nach Frankfurt, wo für die bunt gemischte Gruppe aus Schülern und Lehrern, aus Deutschen, Briten, Franzosen, Niederländern, Türken und Japanern verschiedene Museumsbesuche und Stadtführungen anstehen.

„So viele waren wir noch nie“, sagt Tätzsch stolz. 32 Lehrer, dazu rund 50 Schüler sind aus allen Ecken der Welt nach Dreieich gereist, um Kontakte zu pflegen, Bewährtes zu reflektieren und neue Projekte ins Rollen zu bringen. Seine Bilanz der 21. Netzwerkkonferenz? „Schauen Sie sich um“, sagt Tätzsch und lässt den Blick durch die proppenvolle Aula schweifen. „Das ist ein deutliches Zeichen.“ Die internationalen Beziehungen seien nun einmal die große Stärke der Europaschule. „Mein Fazit: großartig“, so der Lehrer.

„Dieses Jahr ist es was Besonderes“

Auch Schulleiterin Sigrid Harnischfeger strahlt über beide Backen: „Dieses Jahr ist es was Besonderes.“ Gleich zwei neue Partnerschulen sind mit von der Partie. Das Netzwerk wächst weiter, aus 14 Partnerschulen wurden 16. Hinzu kommen eine Schule in der israelischen Stadt Kirjat Ono sowie eine im tschechischen Lodenice. Mit Tschechien soll bereits im Frühling ein erster Austausch stattfinden. Um den deutsch-israelischen Austausch zu planen, ist die Schulleiterin aus Kirjat Ono extra angereist.

Axel Städele wird das Projekt, das im kommenden Schuljahr starten soll, für die Heine-Schule planen. Man habe einiges besprechen können, berichtet der junge Lehrer. Nach Ostern wird eine Fraktion der Europaschule gen Israel fliegen, um Details zu klären. Fest steht bereits, dass der Israel-Austausch als Wahlkurs für die neunte und zehnte Klasse angeboten wird. Sprich: Ein Schuljahr lang erarbeiten sich zwei Gruppen – eine in Deutschland, die andere in Israel – dasselbe Thema. „Denkbar wäre zum Beispiel der Nahost-Konflikt“, so Städele. Dazu werden sich beide Gruppen besuchen.

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Das Interesse der israelischen Jugendlichen an einem Austausch nach Deutschland sei „riesengroß“, weiß Katja Walter, die das Projekt ebenfalls mit plant. Ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft habe ihr das bestätigt. „Einige haben noch Familie hier“, erklärt die Lehrerin. Auch ihre Schüler hätten bereits großes Interesse gezeigt, „aber eher die Älteren“. Um die Sicherheit ihrer Kinder müssten sich die Eltern keine Gedanken machen, meint Walter. „Das israelische Raketenabwehrsystem ist das beste der Welt“, sagt sie. „Ich habe da keine Bedenken.“

Als letzten wichtigen Programmpunkt haben sich die Teilnehmer der Konferenz vorgenommen, die gemeinsame Charta zu überarbeiten. Vor 20 Jahre haben die Schulen einen Leitfaden zur Erziehung entworfen. Der soll nun an die Gegenwart angepasst werden. „Wir wollen unsere Schüler als Europäer erziehen“, erklärt Schulleiterin Harnischfeger. „Ganz egal, welcher Glaube oder welche Nation.“ In Zeiten, da fremdenfeindliche Parolen von Pegida oder die brutale Gewalt des Islamischen Staates die Schlagzeilen bestimmen, möchten die Schulen ein Zeichen setzen. „Wir wollen alle voneinander lernen“, so Harnischfeger. „Und ich denke, das gelingt uns ganz gut.“

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