Markus Heller über Defizite und Herausforderungen

Interview mit neuem Ersten Stadtrat aus Dreieich: Reichlich Luft nach oben bei Digitalisierung

Vor gut vier Wochen hat Markus Heller sein Büro im Rathaus bezogen. Er verantwortet die Fachbereiche Planung und Bau sowie Bürger und Ordnung. Zudem ist Heller Verwaltungsratsvorsitzender der DreieichBau AöR.
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Vor gut vier Wochen hat Markus Heller sein Büro im Rathaus bezogen. Er verantwortet die Fachbereiche Planung und Bau sowie Bürger und Ordnung. Zudem ist Heller Verwaltungsratsvorsitzender der DreieichBau AöR.

Ende August wählte das Stadtparlament mit deutlicher Mehrheit Markus Heller (parteilos) zum Ersten Stadtrat. Vorangegangen war eine mehr als eineinhalbjährige Suche.

Dreieich – Der 54-Jährige hat sein Büro im Rathaus in Sprendlingen Anfang November bezogen, die Amtszeit beträgt sechs Jahre. Davor leitete Heller seit 2011 das Tiefbauamt der Stadt Wetzlar, die etwa 54 000 Einwohner hat. Gleichzeitig stand er dem dortigen Abwasserverband vor. Der Diplom-Bauingenieur ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder.

Herr Heller, Sie sind jetzt seit gut vier Wochen im Amt. Wie ist Ihr erster Eindruck von der Stadt?

Dreieich verbindet auf vielfältige Art und Weise die Nähe zur pulsierenden Metropolregion Rhein-Main mit grüner Idylle. Mir gefällt besonders, dass ich nahe dran bin an urbaner Infrastruktur und gleichzeitig an naturnahen Freizeitmöglichkeiten. Die Stadt wirkt auf den ersten Blick mit fünf Stadtteilen heterogen, man spürt jedoch sehr rasch die Einigkeit und Verbundenheit der Dreieicherinnen und Dreieicher, wenn es um ihre Heimat geht.

Haben Sie schon Schwachstellen oder Defizite identifiziert, die nach Ihrer Auffassung möglichst rasch beseitigt werden sollten?

Wie in jeder anderen Stadt auch gibt es in Dreieich Ziel- und Konfliktpunkte, die wir miteinander verknüpfen müssen. So wie beispielsweise im Mobilitätsbereich oder mit Blick auf Konzepte für die Ortskerne. Als Stichworte seien hier nur Leerstände und Nahversorgung genannt. Mir ist wichtig, dass wir diese Themen immer strategisch angehen und mittelfristig Lösungen entwickeln, die die Gesamtschau auf die Stadt berücksichtigen. Wir tun beispielsweise gut daran, im Themenkomplex Mobilität den öffentlichen Personennahverkehr, die Radverbindungen, die Auf- und Verteilung von vorhandenen innerstädtischen Verkehrsraumflächen immer mitzubedenken, wenn wir uns punktuell mit Infrastrukturprojekten beschäftigen.

Was hat Ihnen bislang am besten gefallen? Hat Sie etwas besonders überrascht – ob positiv oder negativ?

Trotz der sehr schwierigen Rahmenbedingen aufgrund der Pandemie bin ich durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung sehr offen und herzlich empfangen worden. Das gilt auch für die Fraktionen, mit denen wir gemeinschaftlich eine Haushaltsaufstellung und -beratung umsetzen konnten, gleichwohl weder die äußeren noch die finanziellen Voraussetzungen ideal sind. Bei der Digitalisierung in der Stadtverwaltung sehe ich sowohl für die Services in Richtung Bürgerinnen und Bürger als auch für interne Prozesse sicherlich noch Luft nach oben.

Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen? Dreieich tut sich ja beispielsweise schwer mit der Entwicklung von Bauland. Auch der Verkehr in der Sprendlinger Innenstadt ist ein Riesenproblem, das durch die Neue Mitte nicht kleiner wird.

Baulandentwicklung für Gewerbe-, aber auch Wohngebiete ist in Dreieich eine besondere Herausforderung, die wir gemeinsam in der Verwaltung angehen wollen. Mobilität, Verkehrswende und Verkehrsströme stehen ebenfalls oben auf der Agenda, wobei die richtige Mischung insbesondere mit Fokus auf die Belebung und Erhaltung der Innenstädte und Ortskerne den Erfolg ausmachen wird. Ebenfalls am Herzen liegt mir die Feuerwehr, die zur Sicherstellung von geforderten Einsatzzeiten für die Bürgerinnen und Bürger durch die umzusetzenden Ausbaupläne unterstützt werden muss. Bei der Stadtbücherei wird die Herausforderung sein, den Standard hochzuhalten, um die gute Akzeptanz in der Bevölkerung zu bestätigen. Die Kläranlage Hengstbachtal arbeitet auf einem hohen Niveau und überzeugt mich mit einem guten Ausbau in sehr beengten Verhältnissen. Aber auch hier haben wir komplexe Bauaufgaben vor der Brust, da der Gesetzgeber Grenzwerte kontinuierlich verschärft. Die unterirdische Infrastruktur, die Kanäle, der Stadt ist in einem guten Zustand, die oberirdische ist jedoch wie in fast allen Kommunen in die Jahre gekommen und benötigt in vielen Straßen eine Sanierung oder grundhafte Erneuerung, da ansonsten der sukzessive Verfall droht.

Das Interview führte Frank Mahn

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