Labor misst Phosphat-Werte

Investition in Klärwerk: Neue Anlage zur Entwässerung des Klärschlamms

Hightech im Hengstbachtal: Eine neue Anlage mit zwei Zentrifugen übernimmt seit Kurzem die Entwässerung des Klärschlamms.
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Hightech im Hengstbachtal: Eine neue Anlage mit zwei Zentrifugen übernimmt seit Kurzem die Entwässerung des Klärschlamms.

Im Dreieicher Klärwerk in Buchschlag muss die Schlammentwässerung erneuert werden. Dazu investiert die Stadt 2,2 Millionen Euro.

Dreieich – Eine Kläranlage muss rund um die Uhr laufen. Das stellt die Betreiber im Fall von Reparaturen vor besondere Herausforderungen. Die sind umso größer, wenn ein komplettes System ausgetauscht werden muss. Im Klärwerk in Buchschlag wurde die Erneuerung der Schlammentwässerung abgeschlossen – und das in Zeiten von Corona. Weitere Ausgaben sind absehbar. Unter anderem weil die Grenzwerte für Phosphat nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie deutlich überschritten werden. Abhilfe könnte eine sogenannte Flockungsfiltrationsanlage schaffen.

Dreieich: Aufbereitung von Abwasser in Kläranlage ist komplex

Die Aufbereitung von Abwasser in einem Klärwerk ist komplex, denn mit der Reinigung des Wassers alleine ist es nicht getan. Auch die Abfallprodukte müssen behandelt werden, zum Beispiel der Klärschlamm. Erst nach seiner Entwässerung kann er fachgerecht entsorgt werden. In den vergangenen Jahren fielen pro Tag etwa zehn Tonnen Schlamm an. Das erledigte im Hengstbachtal mehr als 30 Jahre eine Kammerfilterpresse. Nachdem deren Leistung nachgelassen hatte und kaum noch Ersatzteile aufzutreiben waren, beschlossen die Verantwortlichen, die Anlagentechnik zur Schlammentwässerung zu ersetzen.

Die Abwasserexperten entschieden sich für eine Anlage, die aus einer zweistraßigen Zentrifugenanlage und den zugehörigen Nebensystemen besteht. „Dadurch wird eine volle Redundanz der Anlagentechnik erreicht, sodass die mechanische Schlammentwässerung durchgehend zur Verfügung steht. Auch bei Wartung oder Ausfall einer der beiden Zentrifugen ist die Schlammentwässerung weiterhin gesichert“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Da die alte Anlage für die Zeit des Aufbaus und der Inbetriebnahme der neuen Anlage weiterlaufen musste, wurden die Zentrifugen an einem neuen Standort installiert. Dafür wurde das Werkstattgebäude um ein Stockwerk erhöht.

Kläranlage in Dreieich: Arbeiten liefen ohne größere Probleme

Im Großen und Ganzen liefen die monatelangen Arbeiten ohne größere Probleme. Mit einer Ausnahme: Sechs Wochen vor dem geplanten Start der neuen Zentrifugen kam es zu einem Störfall an der alten Presse, der kurzfristig nicht mehr repariert werden konnte. Glück im Unglück: Die restliche Zeit bis zum Anfahren der neuen Anlage konnte mit einer mobilen Maschine überbrückt werden, die kurzfristig verfügbar war.

Erster Stadtrat Markus Heller lobt die Mitarbeiter, die im Frühjahr einen Kraftakt bewältigt hätten. Über mehrere Monate wurde im Klärwerk in halber Besetzung und im 14-tägigen Wechselschichtbetrieb gearbeitet, um im Fall einer Coronainfektion in einem der Teams weiterhin einsatzfähig zu bleiben. Gleichzeitig stiegen die zu entsorgenden Mengen, weil viele Dreieicher im ersten Lockdown etliche Stunden mehr zu Hause verbrachten.

Dreieich: Umsetzung zeugt laut Magistrat von Engagement

„Ein Projekt dieser Größenordnung in einem Bereich der kritischen Infrastruktur während der Pandemie unter Einhaltung des Budgets erfolgreich umzusetzen, zeugt vom Engagement und der fachlichen Kompetenz des Teams. Vor allem das Frühjahr mit halben, rollierenden Mannschaften war eine Herkulesaufgabe, die mit dem Einsatz der mobilen Anlage vor Inbetriebnahme der neuen Zentrifugen ihren Höhepunkt erlebte. Mit der neuen Schlammentwässerungsanlage mit redundanten Zentrifugen sind wir nun bestens gerüstet“, so Heller.

Die nächste Herausforderung wartet bereits. Es geht um die Überschreitung der gesetzlich festgelegten Werte für Phosphate. Das Thema hat auf Betreiben der FDP schon mehrfach für Debatten in der Politik gesorgt. Die Liberalen monieren, dass die Kosten für die Elimination zu Lasten aller Gebührenzahler gehen, obwohl dafür „Stöße“ einzelner Verursacher verantwortlichen seien. Und die sollten dafür zur Kasse gebeten werden. Nicht nur die FDP warf dem Magistrat in dieser Sache Untätigkeit vor. Grünen-Fraktionsvorsitzender Roland Kreyscher sprach gar von einem „Kriminalfall“, in dem die Polizei ermitteln müsse.

Dreieicher Kläranlage: Erster Stadtrat Markus Heller nimmt Stellung

Erster Stadtrat Markus Heller – er ist erst seit November im Amt – sagt auf Anfrage, die Verwaltung habe im Auftrag des Magistrats ein Labor mit einer Untersuchung betraut. Die Messungen sollen im Februar beginnen. Auf Basis des Berichts werde man das weitere Vorgehen besprechen. Für den Einbau einer Flockenfiltration wäre auf jedem Fall eine aufwendige Planung notwendig.  (Von Frank Mahn)

In Dreieich vergibt der Magistrat den Auftrag für Umbau der alten Offenthaler Ortsmitte – Den Zuschlag erhielt ein Unternehmen aus Mainz..

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