Aushänge zur Maskenpflicht

Irritationen um Naturwarenzentrum in Dreieich

Die Maskenpflicht gilt auch für Supermärkte
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Die Maskenpflicht gilt auch für Supermärkte.

Für Irritationen sorgt eine bunte Ansammlung von DIN-A4-Blättern neben der Eingangstür des Naturwarenzentrums in der Sprendlinger Fichtestraße. Während vor anderen Geschäften auf die Pflicht hingewiesen wird, eine medizinische Maske zu tragen, klingt das bei dem Bioladen etwas anders.

Dreieich - Dort steht: „Wenn Sie dieses Geschäft ohne Mund-Nasen-Schutz betreten, gehen wir davon aus, dass Sie eine Befreiung haben. Wir dürfen und werden das nicht überprüfen oder hinterfragen.“ In kleinerer Schrift steht darunter, dass die geltenden Mund-Nasen-Schutz- und Abstandsregeln im Geschäft einzuhalten sind. Auf einem zweiten Plakat heißt es, dass aus gesundheitlichen Gründen nicht jede Person für längere Zeit eine Maske tragen könne. Abgerundet wird das Ganze durch Zettel zur erhöhten Sterblichkeit von Covid-19-Patienten 70plus und dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, von einem Asteroiden getroffen zu werden, höher sei, als an Corona zu sterben.

Kritik kommt von der Stadtverordneten Natascha Bingenheimer (Bürger für Dreieich): „Ist hier eine Kohorte von Corona-Leugnern unterwegs?“, fragt sie sich öffentlich in den sozialen Netzwerken. Die Regelung zum Maskentragen gelte für alle und mit den Plakaten werde dezidiert auf Ausnahmen hingewiesen. Besonders der Asteroiden-Vergleich sei geradezu bizarr im Hinblick auf die Menschen, die derzeit in den Kliniken liegen und ums Überleben kämpfen. „Diese Plakatierung ist moralisch nicht hinnehmbar und ich finde es sehr bedenklich, gerade vor dem Hintergrund, dass die Lebensmittelbranche bisher keinerlei Einschnitte hatte in dieser Krise“, hat sie kein Verständnis für den Einzelhändler. Sie wünsche sich von einem Dreieicher Geschäftsmann, dass er verantwortungsvoller mit der Pandemie umgehe und erhoffe sich auch eine Reaktion vom städtischen Ordnungsamt.

Peter Kossytorz, Inhaber des Naturwarenzentrums, kann die Aufregung um die Schilder an seiner Tür nicht verstehen. „Ich bin nach den Hygienevorschriften dazu verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass die Maskenpflicht besteht. Das mache ich damit. Gleichzeitig bitten wir um Toleranz für die Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können“, erläutert Kossytorz. Das seien bei ihm immerhin rund 15 Kunden in der Woche: „Das sind keine Maskenverweigerer. Diese Menschen haben ein Attest und dürfen nicht diskriminiert werden“, so der Einzelhändler. Es gehe ihm „auf den Senkel“, dass er in die Ecke der Corona-Leugner geschoben werde. „Das bin ich nicht, mir ist sehr bewusst, dass es dieses Virus gibt. Und jeder, der etwas zwischen den Ohren hat, das man Hirn nennt, hat diese Zettel vor der Tür auch so verstanden.“ Der Asteroiden-Vergleich sei Satire: „Das muss in diesen schweren Zeiten ja wohl erlaubt sein“, sagt Kossytorz. Von Natascha Bingenheimer erwartet er eine Entschuldigung. Der öffentliche Post grenze an Verleumdung und er behalte sich rechtliche Schritte vor.

Aus dem Rathaus ist zu hören, dass der Fall schon Thema im städtischen Pandemiestab gewesen ist. „Wir sind in Kontakt mit dem Ladeninhaber“, erklärt Karin Eisenhauer, städtische Fachbereichsleiterin Bürger und Ordnung, dass sie auch von der Plakatierung wisse. Gegen die Zettel an der Eingangstüre könne die Stadt jedoch nichts tun, betont Eisenhauer. Die Plakate riefen nicht dazu auf, die Maske nicht zu tragen. Durch die Art der Formulierung sei es eine freie Meinungsäußerung – ein hohes Gut im demokratischen System. Es liege kein Straftatbestand vor. „Aber“, so die Chefin des Ordnungsamts weiter, „wir haben den Laden in der Vergangenheit bei den regelmäßigen Corona-Streifen kontrolliert und werden es auch in Zukunft tun. Falls wir Kunden ohne Maske sehen, lassen wir uns die Atteste zeigen und werden gegebenenfalls auch diese kontrollieren“, kündigt Karin Eisenhauer an.(Von Nicole Jost)

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