Giegerich & Partner aus Dreieich

„IT-Schlüssel“ für mehr Sicherheit

Hans-Joachim Giegerich erläutert die Sicherheits-Software aus seinem Haus mit einer Postkarte und einem Schlüssel.
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Hans-Joachim Giegerich erläutert die Sicherheits-Software aus seinem Haus mit einer Postkarte und einem Schlüssel.

Dreieich - Dreieicher haben der NSA ein Schnippchen geschlagen. Software macht Dokumente sicherer. Groß geworden ist die Firma Giegerich & Partner aber in der Zahnmedizin. Von Marc Kuhn

Wenn Hans-Joachim Giegerich seine komplizierte Software erklärt, greift er zu einem einfachen Bild. Er hält eine große Postkarte hoch, deren Text nur ein Zeichensalat ist. Dann steckt der Geschäftsführer von Giegerich & Partner einen großen Schlüssel in die Karte und dreht sie um - die Zeilen sind lesbar. „Wir haben eine Software in hoher Qualität entwickelt“, sagt Giegerich. Sie dient zur Verschlüsselung von Mails. Kernelement ist die sogenannte Passphrase - eine recht lange Zeichenfolge, die nur dem Empfänger der Mail bekannt ist. „Wenn die Passphrase nicht lang ist, kann man sie errechnen“, erklärt Giegerich. „Wenn man unsere Technik richtig anwendet, kann die NSA nicht mitlesen.“ Wichtig sei die Komplexität. Die Zeichenfolge soll Wörter, Zahlen und Zeichen enthalten. Seit die Welt vom abtrünnigen NSA-Mitarbeiter Snowden immer mehr Details über das Abhören des internationalen Datenverkehrs erfahren hat, ist nach den Worten von Giegerich auch die Zahl der privaten Nutzer seiner Software mit dem Namen gpg4o deutlich gestiegen. Bis dahin sei sie vor allem beispielsweise von Patentanwälten, Unternehmen und Strafverfolgungsbehörden eingesetzt worden.

Natürlich gab es für Microsofts Outlook bereits Verschlüsselungs-Software, wie Giegerich berichtet. Sie sei aber nicht sehr benutzerfreundlich. Mit den IT-„Schlüsseln“ aus Dreieich könne der Empfänger auf den ersten Blick sehen, ob die Mail gesichert sei, erläutert Giegerich. Zudem lasse sich die elektronische Post einfach entschlüsseln. „Das Produkt ist der Exportschlager“, sagt Giegerich, der seine Firma vor 20 Jahren gegründet hat. Es sei mittlerweile weltweit in etwa 50 Ländern im Einsatz.

Deutsche IT-Spezialisten

Deutsche IT-Spezialisten hätten den Vorteil, dass sie nicht solchen Offenlegungspflichten wie denen im amerikanischen Patriot Act unterliegen, mit den die USA auf die Anschläge vom 11. September reagierten, erklärt Giegerich. „Es ist eine vollständig von uns kontrollierte Verschlüsselungs-Software ohne Hintertüren“, berichtet der Geschäftsführer. Das habe auch der Bundesverband IT-Sicherheit, Teletrust, bestätigt, der Giegerich & Partner kürzlich das Qualitätszeichen „IT Security made in Germany“ verliehen habe. Das Programm gpg4o soll kleine und mittelständische Unternehmen sowie Privatleute vor Spionage schützen.

Auf die Idee zur Entwicklung der Verschlüsselungs-Software sind die Spezialisten von Giegerich & Partner bei der Arbeit mit einem anderen Kunden, der Dental-Firma Sirona, gekommen. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das an der amerikanischen Börse Nasdaq notiert ist. Es hat rund 3 000 Mitarbeiter an 25 Standorten weltweit, unter anderem in Bensheim. Dort hat Giegerich & Partner einen Teil seiner 45 Mitarbeiter sitzen. Sie haben im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von 2,7 Millionen Euro erwirtschaftet. 2013 sollen die Erlöse auf drei Millionen Euro steigen.

Für die Kommunikation mit Sirona sei die Software entwickelt worden, sagt Giegerich. „Wenn wir sie brauchen, wird es auch andere geben, die sie brauchen“, hätten sich die Spezialisten 2011 gedacht. Dann sei das Marketing im Internet gestartet worden, erklärt Giegerich. Heute würden mehr als 1 000 Kunden die Software einsetzen.

„Wir sind groß geworden mit Software-Entwicklungen“

„Wir sind groß geworden mit Software-Entwicklungen“, berichtet Giegerich. Große Projekte für die Industrie seien umgesetzt worden. Ein Dauerbrenner sei die Zahnmedizin. Seit 1997 arbeite Giegerich & Partner mit Sirona zusammen. Mit der Software aus Dreieich funktionieren Geräte, die Zahnärzte einsetzen, um mit Kameras die Form von Zähnen abzulichten. Die verarbeiteten Daten gehen an Maschinen, die Inlays, Kronen oder Brücken herstellen. Sirona verkauft die Geräte und Software an Zahnärzte und Labors.

Zudem sei Software für die Firma Winkhaus entwickelt worden, die Schließsysteme produziert. Der Zylinder von Schlüsseln wird so programmiert, das er nur bestimmte Türen öffnen kann. 1999 sei das ein absolutes Novum gewesen, erinnert sich Giegerich. Noch heute sei die ganze Technik im Zylinder integriert, „das ist nicht ohne“, sagt der Geschäftsführer. Das System werde unter anderem im Squaire am Frankfurter Flughafen eingesetzt.

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