Pandemie legt fast alle Aktivitäten auf Eis

Jahr der Entbehrungen für Dreieicher Behindertenbetreuung

Ein Bild aus früheren Jahren. An ein Sommerfest des Fördervereins der Dreieicher Behindertenbetreuung ist wegen der Pandemie nicht zu denken.
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Ein Bild aus früheren Jahren. An ein Sommerfest des Fördervereins der Dreieicher Behindertenbetreuung ist wegen der Pandemie nicht zu denken.

2020 war ein Jahr voller Einschränkungen, die vor allem ältere Leute, Kinder und Jugendliche hart trafen. Menschen mit Behinderung setzte die phasenweise Isolation vermutlich noch mehr zu. Die städtische Behindertenberatung und -betreuung konnte fast keine Freizeitaktivitäten für die rund 80 Mitglieder der Clubs organisieren. Mit dem Start des ersten Lockdowns mussten alle Veranstaltungen, die in den vergangenen Jahren ihren festen Platz im Terminkalender der Teilnehmer hatten, abgesagt werden.

Dreieich - Auch die extrem beliebten Sommerfreizeiten fielen der Pandemie zum Opfer. „Ein Urlaub mit großen Gruppen war leider nicht möglich. Wir wissen, dass dies viele der Clubteilnehmenden sehr traurig gemacht hat, aber ein solches Risiko wäre nicht zu verantworten gewesen“, so Bürgermeister Martin Burlon.

Briefe, Mails, Anrufe, Videochats, Kurzbesuche – die Betreuungskräfte um Ursula Zimmermann und Michael Krüger versuchten im Rahmen der Corona-Vorgaben den Kontakt zu den Club-Mitgliedern zu halten, heißt es im Jahresbericht der Behindertenbetreuung. Immerhin: Mit einer kleinen Gruppe konnte in den Sommerferien ein fünftägiges Fotoprojekt in Kooperation mit dem Jugendbildungswerk des Kreises Offenbach verwirklicht werden. Unter dem Motto „Mein Blick auf Dreieich / Wo ich lebe – was ich liebe“ wurde eifrig fotografiert. Aus einer Auswahl der Bilder entstand ein Wandkalender.

Es ist ein Angebot, das in der Region seinesgleichen sucht. Die freizeitpädagogische Clubarbeit, die sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer geistigen Behinderung richtet, zählt zu den Hauptaufgaben der städtischen Behindertenbetreuung. Die 80 Mitglieder der fünf Clubs sind derzeit zwischen sieben und 70 Jahre alt. Sie kommen aus Dreieich, aber auch aus anderen Städten und Gemeinden im Westkreis Offenbach. „Die Platzkapazität der einzelnen Clubs ist abhängig vom individuellen Betreuungsbedarf der jeweiligen Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Wir haben in einzelnen Clubs immer mal wieder Plätze frei“, berichtet Ursula Zimmermann. Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es jedoch für einige Clubs eine Warteliste, in die sich Interessierte eintragen lassen können.

Die Clubs laufen unter der Regie von ausgebildeten Honorarkräften, die von Ursula Zimmermann fachlich begleitet werden. „Sie bringen ein hohes Maß an Engagement, Verantwortungsbewusstsein, Methodik und vor allem sehr viel Herzblut in ihre Arbeit ein“, sagt die hauptamtliche pädagogische Mitarbeiterin der Stadt. „Großen Wert legen wir darauf, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inhaltlich bei der Arbeit zu unterstützen und weiterzubilden, um das hohe Niveau unseres Angebotes sicherstellen und ausbauen zu können.“

Eine ganz wichtige Rolle spielt auch der „Clubsalat“. Das ist ein Informations- und Programmheft, das alle zwei Monate erscheint und die Arbeit in den Clubs dokumentiert, über Aktivitäten informiert und den Geburtstagskindern gratuliert. Bei Interesse kann das Heft bei Ursula Zimmermann, z 06103 601-243, angefordert werden. Bei ihr können sich auch Interessierte melden, die sich als Betreuungskräfte engagieren und die Teams unterstützen möchten.

Froh sind die Verantwortlichen im Rathaus über das unermüdliche Engagement des Fördervereins um Heidi Schäfer und Elke Blum. Er finanzierte zum Beispiel kleine Weihnachtsgeschenke, die in dieser schwierigen Zeit für freudige Gesichter sorgten und manche Träne kullern ließen. Aus einer Elterninitiative hervorgegangen ist der Förderverein ein wichtiger Pfeiler für die Arbeit der Behindertenbetreuung.

Für die Clubarbeit sind im vergangenen Jahr Personalkosten für Betreuungskräfte in Höhe von rund 163 500 Euro entstanden, knapp 12 000 weniger als 2019. Für die gesamte Behindertenarbeit wurden 316 000 Euro aufgewendet. Den Großteil trägt die Stadt Dreieich, aber auch andere Kommunen steuern etwas bei. Einen Teil der Kosten für Freizeiten müssen die Teilnehmer selbst bestreiten. Seit 2014 müssen sich die Club-Besucher zusätzlich mit einer monatlichen Teilnahmegebühr von zehn Euro beteiligen.  fm

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