Vor 700 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

Bauer sucht Frau im Dorf der Götzen

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Nur äußerst langsam entwickelte sich Götzenhain über den historischen Ortskern hinaus. Diese Postkarte zeigt eine Luftaufnahme, die sich in einem Nachlass fand und zwischen 1960 und ‘63 entstanden sein soll.

Götzenhain - In einer Urkunde aus dem Jahr 1318 findet sich die erstmalige Erwähnung von Götzenhain. Mit einigen Aktionen soll dieses Ereignis gefeiert werden. Auch das Dorfbrunnenfest wird im Zeichen des Jubiläums stehen. Von Holger Klemm 

„Wir hatten das eigentlich gar nicht auf der Agenda“, gibt Klaus Klepper, Vorsitzender der AG Götzenhainer Vereine, unumwunden zu. Das ganze Thema kam eher zufällig bei einer AG-Sitzung auf. Denn der heutige Stadtteil von Dreieich kann auf eine viel längere Geschichte zurückschauen, sind sich die Heimatforscher sicher. Trotzdem soll der historischen Ersterwähnung mit einigen Veranstaltungen Rechnung getragen werden. Auftakt ist am Samstag, 28. April, um 14 Uhr mit einer Führung von Helmut Keim ab dem Bürgertreff, Bleiswijker Straße 2. Es gibt wohl keinen, der sich so gut mit der Geschichte Götzenhains auskennt. Er wird entlang der Strecke von der Rheinstraße zur Wallstraße und dem Hotel Krone einiges zu berichten wissen.

Gefeiert wird beim Dorfbrunnenfest am Wochenende 26. und 27. Mai. Da soll auch eine Kopie der Urkunde von 1318 zu sehen sein. Für den Herbst sind ein Theaterstück mit Episoden aus der Geschichte des Ortes sowie eine Grenzbegehung mit Wilhelm Ott, Vorsitzender der Freunde Sprendlingens, geplant. Vorgesehen ist auch eine Baumpflanzung (siehe Kasten).

Diese Aufnahme von Philipp Erdmann zeigt die geschmückte Wallstraße 1964 vor dem Umzug zum Feuerwehrfest. Über die Straße weiß Helmut Keim bei seiner Führung einiges zu berichten.

Eine Gründungsurkunde gibt es nicht. Das Schriftstück von 1318 informiert darüber, dass das Dorf Gotzenhain, übrigens zusammen mit Dreieichenhain (damals Hayn genannt), von Philipp IV. von Falkenstein an den Abt von Fulda übergeben wurde. Doch schon in grauer Vorzeit müssen dort Menschen gelebt haben, wie archäologische Funde unter anderem aus der Römerzeit belegten. Keim vermutet die Ursprünge von Götzenhain, das im Laufe der Zeit auch Gotzenhain, Gotzendorff, Guzenhain, Gotzenhaan oder Götzen-Hayn genannt wurde, vor dem Jahr 1000 in der Epoche der Ottonen nach Karl dem Großen. Ungelöst bleibt die Frage, ob sich der Ort aus einzelnen Höfen heraus entwickelte oder ob schon von Anfang an ein richtiges Dorf geplant war. Keim geht davon aus, dass die erste Annahme richtig ist. Es gibt aber auch die Geschichte, dass ein aus dem Wendland stammender Bauer namens Gotzo das Dorf gegründet haben soll. Mehr als unsicher ist ebenfalls, ob sich der Name auf eine vorchristliche Götzenanbetung durch die Bevölkerung zurückführen lässt. Kirchliches Leben soll es jedenfalls um 1400 gegeben haben.

Sicher ist dagegen, dass Götzenhain schon früh ein Küchendorf für die Herrscher der Hayner Burg gewesen ist. Kurz nach der Ersterwähnung 1364 wurde das Dorf im Laufe eines Krieges zwischen den Falkensteinern und einem Hanauer Landvogt fast zur Hälfte niedergebrannt. Daraufhin erfolgte die Befestigung mit Wall und Graben. Darauf deutet der Name Wallstraße hin. Und noch heute lässt sich der Verlauf um Alt-Götzenhain nachvollziehen. Auch darauf will Keim bei seiner Führung eingehen – ebenso wie auf die Geschichte der Kirche, der Schulen sowie Handwerksfamilien und ihrer Häuser beispielsweise in der Rheinstraße.

Fotos zur Gründung der Kinderfeuerwehr in Götzenhain

Episoden aus allen Phasen der Geschichte sollen in dem Theaterstück „Ein Dorf sieht Gold – Von Götzen, Hainern und nichts ahnenden Ahnen“ humorvoll berücksichtigt werden, das am 14. und 20. Oktober in der SG-Halle zu sehen sein wird. Regie wird die Egelsbacherin Sonnhild Grevel führen, an dem Text schreibt Ida Klepper. Aktuell werden Schauspieler gesucht. Ausgangspunkt der Handlung soll ein Fernsehabend sein. Ein Zuschauer verfolgt zunehmend gelangweilt den Dialog von zwei Heimatforschern. Er zappt durch das Programm und stößt auf verschiedene Episoden aus Götzenhain, die im Stil von TV-Formaten wie Bauer sucht Frau, X Faktor, Die Auswanderer, Terra X oder Lindenstraße erzählt werden. Themen sind die Namensgebung von Götzenhain, Hochzeiten sowie die Sage vom Schatz. Auf eine Brautsuche begibt sich ein Götzenhainer im Nachbarort Dietzenbach. Denn das Thema „Bauer sucht Frau“ war schon damals aktuell. Im Juli soll mit den Proben begonnen werden. Weitere Infos gibt es bei Klaus Klepper, 0151/17146551.

Ein Baum für jedes Jahrzehnt

70 neue Apfelbäume zur 700-Jahr-Feier – unter diesem Motto hat Sven Engel eine Aktion zum Jubiläum des Stadtteils gestartet. Obwohl der Götzenhainer die Idee noch nicht groß in die Öffentlichkeit transportiert hat, „habe ich schon positive Rückmeldungen von Streuobstwiesenbesitzern bekommen“, erzählt Engel. Gemeinsam mit Gleichgesinnten möchte er im Herbst 70 hochstämmige Apfelbäume alter Sorten in und um Götzenhain pflanzen. Dafür sucht der Initiator noch Mitstreiter, die sich von seiner Begeisterung anstecken lassen und über entsprechende Grundstücke verfügen. „Wer Apfelwein liebt, muss Bäume pflanzen!“, schreibt Engel auf seiner Homepage www.700-jahre-goetzenhain.de. Es geht natürlich um mehr, zuvorderst um den Erhalt der Streuobstwiesen als typischer Bestandteil der hessischen Kulturlandschaft. Am Sonntag des Dorfbrunnenfestes will Engel sein Projekt bei einem Frühschoppen vorstellen. Auskünfte erteilt er unter 0178/4983611. (fm)

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