Bildungspartnerschaft mit dem Fritz Bauer Institut

Neuer Zugang zu jüdischer Geschichte

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Dreieich - „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann der daraus resultierenden Verantwortung gerecht werden.“ Dr. Knud Dittmann, Leiter der Sprendlinger Ricarda-Huch-Schule, weiß um die Bedeutung der Juden in deutscher Geschichte. Von Sina Gebhardt 

Damit dieses prägnante Thema nicht bei den Schülern in Vergessenheit geraten kann, haben der Oberstudiendirektor und Gottfried Kößler, stellvertretender Direktor des Pädagogischen Zentrums des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums, am Dienstag einen Kooperationsvertrag für eine Bildungspartnerschaft unterzeichnet.

Bereits seit dem vergangenen Jahr besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen der RHS und dem Pädagogischen Zentrum, als das Gymnasium ein Begleitprojekt im Rahmen der im Dreieich-Museum präsentierten Ausstellung „Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausraubung der Juden in Hessen 1933-1945“ gestartet hatte. „Es war eine produktive und angenehme Zusammenarbeit mit ernsten und kreativen Schülern“, reflektiert Kößler. Daran soll die Bildungspartnerschaft anknüpfen, die inzwischen fünfte Kooperation für das Museum. Jedoch sei es die erste mit einem Gymnasium und, wie der stellvertretende Direktor betont, die erste, bei der die Schule die Initiative ergriffen habe.

Austausch zwischen außerschulischen Institutionen und Lehranstalten

Es gilt, den Austausch zwischen außerschulischen Institutionen und Lehranstalten zu fördern und eine inhaltliche Integration in den Lehrplan zu erzielen. Dabei wolle man sich nicht auf die Verbrechen im nationalsozialistischen Deutschland beschränken, erklärt Dittmann, sondern der gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung des Judentums in Europa gerecht werden. Dass jüdische Geschichte der RHS ein besonderes Anliegen ist, zeigt sich in der seit knapp vier Jahren bestehenden Patenschaft für den jüdischen Friedhof in Sprendlingen. „Der Friedhofserhalt ist ein Teilaspekt, aber wir befassen uns auch mit Heimatkunde, also den jüdischen Gemeinden in der Region“, berichtet Myriam Andres. Von der Kooperation mit dem Pädagogischen Zentrum verspricht sich die Verbindungslehrerin und Fachsprecherin Geschichte einen neuen Zugang zu dem Thema, um auch fächerverbindend zu arbeiten.

Somit ist es zunächst die Aufgabe von Lehrern und Mitarbeitern des Pädagogischen Zentrums, Unterrichtsreihen – vorerst schwerpunktmäßig für das Fach Geschichte – zu erarbeiten: „Wir sehen uns in der Rolle als Unterstützer der Schulen, um gemeinsam Zugangsmöglichkeiten zu entwickeln und diese später auch in die Mittelstufe zu integrieren“, sagt Dr. Martin Liepach, Ansprechpartner und Vermittler des Zentrums. Derzeit wird jüdische Geschichte vorwiegend in den Oberstufen behandelt, da die Schüler über die nötige Reife und auch Vorkenntnisse verfügen.

So begann der Zweite Weltkrieg

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Das sieht man an den Schülerinnen Valerie und Laura aus der Q3, die im Schuljahr 2012/2013 Teil einer Projektgruppe waren, die sich mit Texten der Jüdin Hilda Stern auseinander gesetzt hat. „Das Projekt hat uns sehr bewegt und durch das Zeitzeugengespräch mit Hilda Sterns Mann haben wir einen intimen Einblick erhalten“, sagt Laura und fügt hinzu: „Das hat mich am meisten vom Geschichtsunterricht geprägt.“ Die Gymnasiastin steht kurz vor dem Abschluss und möchte weitere Zeitzeugengespräche führen und in ihr Abitur einbringen. Auch ein Folgeprojekt ist geplant und Valerie, die besonders den Zugang weg von der sachlichen hin zur emotionalen Ebene gelungen fand, meint: „Es ist schön, dass auch die nachfolgenden Schüler diese Möglichkeit erhalten.“

Man kann gespannt sein, welche Früchte die Kooperation zwischen der Ricarda-Huch-Schule und dem Pädagogischen Zentrum tragen wird. Das Interesse an jüdischer Geschichte ist bei der jungen Generation vorhanden – die besten Voraussetzungen für eine dauerhaft angelegte Bildungspartnerschaft.

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