Kreis Offenbach

Nach 13 Jahren: Karina Westphal-Ritz gibt ihr Catering-Unternehmen in Dreieich auf

Ein paar Suppen wird Karina Westphal-Ritz in den nächsten Tagen noch kochen – aber vor Weihnachten wird sie ihren Catering-Betrieb an der Mainzer Straße in Offenthal schließen.
+
Ein paar Suppen wird Karina Westphal-Ritz in den nächsten Tagen noch kochen – aber vor Weihnachten wird sie ihren Catering-Betrieb an der Mainzer Straße in Offenthal schließen.

Nach 13 Jahren gibt Karina Westphal-Ritz ihren Catering-Betrieb auf. Es rechnet sich nicht mehr. Besonders für ihren Automaten tut es ihr Leid.

Dreieich – Ein kleiner Schritt in die Räume in der Mainzer Straße 8 in Dreieich (Kreis Offenbach) genügt, schon meldet sich der Appetit. Es duftet nach Essen. „Das ist die gelbe Linsensuppe, die so gut riecht. Sie ist ein bisschen orientalisch gewürzt“, erklärt Karina Westphal-Ritz, während sie in dem riesigen Topf rührt.

„Die Suppen sind ein besonderer Renner in meinem Automaten“, erzählt die ausgebildete Groß- und Außenhandelskauffrau, studierte Handelsfachwirtin und Köchin. In dem großen Kühlschrank an der Mainzer Straße in Offenthal warten neben den Suppen unter anderem fertig gekochte Rouladen mit Gemüse und Klößen, Schnitzel und immer eine Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten, die man mit Bargeld oder Bankkarte als Fertiggericht jeden Tag frisch ziehen kann. Noch vor dem Weihnachtsfest ist mit diesem beliebten Angebot Schluss. Karina Westphal-Ritz gibt ihr Geschäft auf – nach 13 Jahren ist Westphal-Catering am Jahresende Geschichte.

Catering-Betrieb in Dreieich (Kreis Offenbach) schließt: Gestiegene Preise sind das Problem

Der Menü-Automat war die rettende Idee in der Corona-Pandemie, als von heute auf morgen das komplette Geschäft einbrach. Denn eigentlich lebt die Unternehmerin von ihrem Catering-Umsatz. Jede Form von Festen und Meetings hat sie bekocht, vor der Krise mit sechs Angestellten, danach nur noch mit einer Angestellten aus der Ukraine. Von den Auswirkungen der Energiekrise ist die gastronomische Branche wieder besonders betroffen. „Dieser Sommer war noch mal richtig gut, die Auftragsbücher sind aktuell voll. Das wäre wahrscheinlich auch über Weihnachten hinaus so. Der Bedarf an Catering ist durchaus da“, erzählt die leidenschaftliche Köchin. Das Problem ist die Wirtschaftlichkeit des Betriebs. „Wenn ein Entenschlegel im vergangenen Jahr noch vier Euro im Einkauf gekostet hat und ich jetzt zehn Euro bezahlen muss, wie soll ich den noch verkaufen? Ganz extrem ist es mit den Verpackungsmaterialien – sie sind um rund 60 Prozent im Preis gestiegen. Das kann und will ich nicht an die Kunden weitergeben“, sagt Westphal-Ritz.

Catering ist ein harter Job. Es wird schwer gehoben, schon morgens um sechs geht es auf den Großmarkt, abends, am Wochenende, rund 70 bis 80 Stunden die Woche. Das ist für Westphal-Ritz alles in Ordnung, solange es sich lohnt. Das sei im Augenblick nicht mehr der Fall, es rechnet sich nicht mehr. „Ich würde das alles noch mitgehen, denn es geht irgendwann schon wieder bergauf. Aber ich bin inzwischen zu alt – nicht zum Arbeiten, aber um den Elan aufzubringen, dieses Tal jetzt noch mal zu durchlaufen“, sagt die 61-Jährige.

Catering-Unternehmen in Dreieich (Kreis Offenbach) gibt auf: Es rechnet sich nicht mehr

Die Entscheidung ist ihr alles andere als leichtgefallen. Besonders ihr „Baby“ – der Automat – liegt ihr am Herzen: „Wir sind wie eine kleine Gemeinde: die Kunden, der Automat und ich“, sagt Westphal-Ritz und lacht. Das Essen am Automaten zu ziehen ist nämlich gar nicht so anonym, wie es auf den ersten Blick aussieht. Die Unternehmerin kennt ihre Kunden, weiß, dass einige Menschen es sehr schätzen, sich regelmäßig, gesund und regional aus dem Automaten bedienen zu können. Auf Anfrage hat sie für eine kranke Seniorin auch schon mal Essen püriert, eine Angestellte eines Anwalts im Taunus kommt regelmäßig, um Essen fürs ganze Büro mitzunehmen. Das Angebot wird also mit Sicherheit schmerzlich vermisst.

Ich freue mich, jetzt noch bis zur letzten Woche vor Weihnachten für meine Kunden da zu sein.

Karina Westphal-Ritz

„Meine Entscheidung überrollt mich gerade selbst ein bisschen. Ich habe Kollegen angeschrieben und nach zwei, drei Tagen war viel von meinem Equipment verkauft. Ich freue mich, jetzt noch bis zur letzten Woche vor Weihnachten für meine Kunden da zu sein, dann nutze ich den Januar, um alles auszuräumen“, kündigt Karina Westphal-Ritz an. Anschließend nimmt sie sich ein paar Wochen Auszeit. „Dann suche ich mir was Neues. Ich bin selbst neugierig, was es sein wird. Gerne angestellt, möglichst nicht am Wochenende, keine 80 Stunden und nichts, wo ich morgens um fünf aufstehen muss.“ (Nicole Jost)

Mehr zum Thema

Kommentare