Ernste Mienen bei Sprendlinger Narren

Angelina Laudert

Sprendlingen - Es ist eine Meldung, die aufhorchen lässt: Der 1. Sprendlinger Karnevalverein macht sich Sorgen um seinen traditionellen Umzug am Faschingsdienstag. Dem Marsch der Narren durch die Stadt schließen sich immer weniger Aktive an.

Im größeren Zusammenhang betrachtet haben die Karnevalisten das gleiche Problem wie viele Vereine: Die Mitgliederzahlen bröckeln. Über die Herausforderung, die fünfte Jahreszeit zu bewältigen, und Vorkehrungen, mit denen die Narren dem Negativtrend entgegenwirken wollen, hat Cora Werwitzke mit Pressesprecherin Angelina Laudert gesprochen.

Frau Laudert, sind die Sprendlinger humorloser als noch vor zehn, zwanzig Jahren?

Das glaube ich nicht. Es gibt sicher viele Faktoren, warum inzwischen weniger Leute mitmachen. Es fängt ja schon damit an, dass Firmen ihren Mitarbeitern zu Fasching nicht mehr freigeben.

Rein vom optischen Eindruck war beim Umzug letztes Jahr doch einiges los...

Naja, Zuschauer gibt es ohne Ende, der Umzug ist super besucht. Aber der Zug an sich wird immer kleiner und unattraktiver. Die Vereine und Privatpersonen fehlen: Früher haben der Hunde- und Pferdeverein, Oldtimer- und Traktor-Freunde oder Kitas mitgemacht. Mit einem kleineren Zug wird es nun auch schwieriger, Spielmannszüge und andere Karnevalvereine zu locken. Das ist wie eine Abwärtsspirale.

Wie steuert der Karnevalverein dagegen?

Wir haben die Uhrzeit des Umzugs dieses Jahr zum ersten Mal auf 15.11 Uhr gelegt – eine Stunde später als sonst. Damit kommen wir Berufstätige hoffentlich entgegen. Und wir haben einen Aufruf an Einrichtungen und Vereine gestartet. Jeder hat die Möglichkeit, mit einem pfiffigen Motto und ein paar Kostümen mitzulaufen – es müssen auch nicht unbedingt Bonbons verteilt werden, man kann auch mit Flyern Werbung in eigener Sache machen. Es geht doch vor allem darum, dass die Leute am Straßenrand etwas zu gucken haben.

Der Umzug wird von Ihrem Verein allein gestemmt – eine Belastung?

Ja, natürlich, vor allem eine finanzielle. Absperrungen, Wurfmaterial, Spielmannszüge, Wagenbau – das alles kostet. Klar ist, wir machen uns die Arbeit freiwillig, weil uns das Spaß macht, aber wir stoßen an unsere Grenzen. Von unseren 120 Mitgliedern sind 80 aktiv.

Der Karnevalverein scheint schon bessere Zeiten gehabt zu haben...

Das ist richtig, es sind nicht die Gardemädchen, die uns fehlen. Deren Anzahl ist relativ konstant, aber die Leute, die mit anpacken, werden weniger. Früher kamen oft Eltern dazu. Heute stellen wir fest, dass viele ihre Kinder hinbringen, abholen, aber sich ansonsten raushalten.

Wie macht sich der Verlust von engagierten Mitgliedern bemerkbar?

Ein Beispiel ist unser Elferrat: Es gibt Mitglieder, die gerne kürzertreten würden, aber es gibt keinen Ersatz für sie. Das Gleiche gilt fürs Männerballett. Der Nachwuchs für diese Gruppen fehlt. Und damit sind nicht nur die Auftritte bei Sitzungen gefährdet, diese Gruppen packen ja auch abseits davon kräftig mit an. Wenn sie verschwinden, hat das auch für alles andere Konsequenzen.

Klingt nach einer sehr ungünstigen Entwicklung...

Es ist ein Los, das wir mit vielen anderen Karnevalvereinen teilen. Das beste Beispiel ist ja, dass wir dieses Jahr in Dietzenbach mit unserem Prinzenpaar aushelfen – dort hat sich keins gefunden.

Ist Kooperation zwischen Karnevalvereinen dann die künftige Marschroute?

Zu einem gewissen Grad kooperieren wir ja schon lange. Mit den Bimmbären, den Bremsern und der SG Götzenhain stürmen wir zusammen das Rathaus. Wir wechseln uns damit ab, das Prinzenpaar zu stellen. Seit 2012 stemmen wir gemeinsam den Kehraus-Ball dienstagabends im Bürgerhaus. In Zukunft könnte es schon sein, dass man noch enger zusammenrückt.

Frau Laudert, wir hoffen, dass Ihnen und Ihren Mitnarren, das „Helau“ trotzdem gut über die Lippen geht.

Danke, das wird es, keine Sorge. Solange Bürgermeister Dieter Zimmer jetzt nicht auf die Idee kommt, wieder eine Vergnügungssteuer einzuführen, lassen wir uns die Laune nicht verderben.

Bilder vom Umzug 2011

Zahlreiche Besucher bei Umzug durch die Innenstadt

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