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Radschnellweg in Dreieich: Kein Ende der Odyssee in Sicht

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Von: Frank Mahn

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Auf einer Länge von 1 300 Metern ist der Weg westlich der Bahnlinie im Herbst hergerichtet worden. Als Teil einer Radschnellverbindung kommt die Strecke laut hessischem Verkehrsministerium nicht infrage.
Auf einer Länge von 1 300 Metern ist der Weg westlich der Bahnlinie im Herbst hergerichtet worden. Als Teil einer Radschnellverbindung kommt die Strecke laut hessischem Verkehrsministerium nicht infrage. © -strohfeldt

Seit gefühlt einer halben Ewigkeit wird die Streckenführung für den Dreieicher Abschnitt des Radschnellwegs hoch und runter diskutiert. Eine Lösung ist weiterhin nicht in Sicht.

Dreieich - Dabei hatten die Kommunalpolitiker große Hoffnungen in eine Videoschalte mit Manfred Ockel, dem Geschäftsführer der für das Projekt federführenden Regionalpark RheinMain Südwest GmbH, gesetzt. Die einzig klare Botschaft der nicht-öffentlichen Präsentation: Für die sogenannte Sommerroute entlang der Bahn als offiziellen Teil des Schnellwegs sieht Ockel keine Chance. Diese Variante sei deshalb gar nicht näher betrachtet worden. Aber: Durch eine Ertüchtigung der vorhandenen Wege soll eine durchgängig befahrbare Sommerroute etabliert werden, nur eben ohne die Qualitätsstandards eines Schnellwegs. Auf einer Länge von 1300 Metern ist der Belag dort schon im Herbst 2021 saniert worden.

Westlich der Bahn wäre ein Schnellweg nur möglich, wenn der Bannwaldstatus aufgehoben würde, zitierte Ockel aus einem Schreiben des hessischen Verkehrsministeriums. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn der von CDU und Grünen im Landtag eingebrachte Gesetzentwurf zur Änderung des Waldgesetzes verabschiedet werden sollte. Demnach wäre mit Blick auf die Radschnellverbindung eine vollständige oder teilweise Aufhebung nur zulässig, „wenn sich der Zweck der Maßnahme auf keinem anderen Weg erreichen lässt“, heißt es in dem Schreiben. Im Fall von Dreieich sei dies nicht der Fall, da es östlich der Bahnlinie verschiedene Varianten gebe, die keinen Eingriff in den Bannwald erforderlich machten.

Dreieich: Diskussionen über Radschnellweg – Frust bei CDU, SPD, FWG und FDP

Bei der Koalition aus CDU, SPD und FWG sowie der FDP herrscht Frust. Deren Fraktionsvorsitzende sind „negativ beeindruckt und überrascht“, wie es in einer gemeinsamen Pressemitteilung heißt, „Wir hätten uns von Herrn Ockel und den Planern wesentlich mehr erwartet. Vor allem wäre es an der Zeit, dass wir auch ein Eingehen auf die Bedenken erleben, die unsere Stadt nun schon eine Weile vorträgt. Aber stattdessen wird uns immer wieder dieselbe Botschaft vorgetragen: Es geht nur eine Route durch Wohngebiete – alles andere ist unmöglich.“

Damit will sich das Quartett nicht abfinden. Mit jeder Präsentation werde immer deutlicher, dass eine Routenführung – egal ob quer durch Sprendlingen oder Buchschlag – für alle Zeit eine verkehrliche Dauerbaustelle bleiben würde, heißt es. Dabei stellten auch die Planer immer wieder fest, dass die meisten der infrage kommenden Straßen in Dreieich für eine Routenführung nicht wirklich geeignet seien. „Umso mehr überrascht uns die immer weiter vorangestellte Haltung des Verkehrsministeriums, dass trotz der geplanten Aufnahme von überregionalen Radwegen wie die Raddirektverbindung als im Bannwald im Einzelfall genehmigungsfähig, eine Routenführung direkt westlich am Bahndamm entlang nicht möglich sein soll.“ Das Argument, eine Strecke durch den Bannwald sei nur zulässig, wenn es keine Optionen gebe, „überzeugt uns nicht, da die Alternativen alle nicht geeignet sind für eine zukunftsfähige überregionale Raddirektverbindung“, schreiben die Fraktionen.

Radschnellweg in Dreieich: Verwunderung über neue Variante

Verwundert nahmen sie in der Videokonferenz eine von Ockel neu ins Spiel gebrachte Variante zur Kenntnis, die aus der Bürgerbeteiligung resultiert. Sie sieht August-Bebel- und Hegelstraße als Abschnitt des Schnellwegs vor, ausgewiesen als Fahrradstraße. Für die Koalition und die FDP ist dieser Vorschlag nicht zielführend. Vor allem für die August-Bebel-Straße verkennen die externen Planer nach Ansicht der Fraktionen die Bedeutung der Straße für den Verkehr in Sprendlingen. Die Nord-Süd-Achse habe eine wesentliche Erschließungsfunktion auch für Buchschlag, zudem seien dort Busse unterwegs.

Das Quartett ist verärgert, weil alle vorgestellten Routen in der Praxis nicht oder nur mit erheblichen Nachteilen für die Menschen in Dreieich umsetzbar seien. „Wir erwarten im von der Planungsgesellschaft vorzulegenden Abschlussbericht an die Stadt auch dedizierte Prüfungsergebnisse einer Route entlang der S-Bahn. Eine überörtliche Radschnellverbindung werden wir in Dreieich auch genauso behandeln und nicht als innerörtliche Erschließungsstraße.“ (Frank Mahn)

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