Lärm, Verspätungen und Ausfälle

Kein Ende der Pannenserie bei der Dreieichbahn

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Sehen schick aus, haben aber offenbar jede Menge Macken. Die neuen Züge aus Polen halten nicht das, was sich viele Passagiere erhofft hatten.

Dreieich – Verärgerung, Unverständnis, Fassungslosigkeit: Die neuen Züge aus Polen, die zwischen Frankfurt und Dieburg pendeln, sind nicht nur bei Bahnhofs-Anwohnern in der Kritik, weil sie massiven Lärm erzeugen. Bei den Modellen lässt auch die Zuverlässigkeit zu wünschen übrig, wie zahlreiche Nutzer der Dreieichbahn schildern. Von Frank Mahn

Unsere Berichterstattung über genervte Anwohner des Dreieichenhainer Bahnhofs und die Aufforderung an die Leser, ihre Erfahrungen mit der neuen Dreieichbahn zu beschreiben, haben eine kleine Lawine ins Rollen gebracht. Aus vielen Beiträgen spricht der pure Frust. Die Lärmbelästigung bestätigen Anrainer aus anderen Kommunen entlang der Strecke. Hinzu kommen gravierende technische Mängel, Passagiere klagen reihenweise über Verspätungen und Ausfälle. Lob gibt’s von ein paar Lesern für den verbesserten Komfort, das Beschleunigen und das größere Platzangebot im Modell Pesa Link. Unter dem Strich aber fällt das Urteil vernichtend aus. Eine Auswahl:

„Wir wohnen direkt am Bahnübergang Trinkbrunnenstraße in Ober-Roden und sind über die neue Dreieichbahn und deren Lärmpegel geschockt“, schreibt Familie Marquard. „Hier muss etwas geschehen!“ In die gleiche Kerbe schlägt Dierk Kallendorf. „Was ich aktuell erlebe, ist unglaublich. Neue Züge, die wesentlich lauter sind als alles, was bisher gefahren ist, heulen und quietschen mit schlagenden Rädern, sodass die Gläser im Schank vibrieren“, kritisiert der Anwohner aus Münster.

Dreieichbahn: Extrem lautes Bremsgeräusch

Alles andere als ein seltener Anblick für Nutzer der Dreieichbahn. Dieses Bild entstand am vergangenen Freitagabend. Dass die Dreieichbahn um 18.15 Uhr ausfällt, ist kein Einzelfall.

Die neuen Triebwagen erzeugten beim Einfahren in den Bahnhof ein extrem lautes Bremsgeräusch, berichtet Peter Gabler aus Dreieichenhain. Er hat sich bereits an die Bahn AG gewandt, wartet aber noch auf Antwort. Gablers Forderung: „Bitte stellen Sie sicher, dass diese nicht zumutbare Ruhestörung durch Änderung der Fahrweise zeitnah abgestellt wird. Auch Lärm ist eine Umweltbelastung!“ Auch aus Eppertshausen kommt Protest. „Wir haben vorher ohne Probleme im Garten sitzen können. Die Bahn wurde kaum wahrgenommen. Jetzt saßen wir im Garten und genossen die Sonne – die Bahn kam und wir haben unsere Unterhaltung unterbrechen müssen, weil wir nichts mehr verstanden haben“, führt Marcus Schönbach aus.

Harald Meixner hat ebenfalls einen dicken Hals. „Wir haben vor zirka acht Jahren dreifach verglaste Fenster eingebaut. Diese sind jetzt im Winter meist komplett geschlossen und haben eine enorm positive Schalldämmwirkung erzielt. Aber gegen die Bremsakustik der neuen Dreieichbahnen sind sie machtlos“, ärgert sich der Offenthaler.

Verspätungen und Ausfälle bei der Dreieichbahn

Der Lärm ist aber nur ein Problem. Etliche Nutzer berichten von Verspätungen und Ausfällen. Wer um 18.15 Uhr von Frankfurt aus nach Hause fahren will, muss sich oft eine Alternative suchen. In schöner Regelmäßigkeit fallen Züge aus, ähnlich wie bei den alten Triebwagen. „Ich würde Ihnen sehr gerne meine Erfahrung mit den neuen Zügen mitteilen. Leider ist dies aufgrund des fortwährenden Ausfalls wegen technischer Probleme nur sehr eingeschränkt möglich“, so Ralf Hellfritsch aus Sprendlingen. Von fünf Abenden sei er nur am Mittwoch in den Genuss der Rückfahrt mit einem polnischen Zug gekommen. Der Sprendlinger fragt: „Was bringt mir eine im Vergleich zu den alten Zügen bessere Ausstattung, wenn die Modelle aus unserem Nachbarland nicht fahren?“

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Ähnliche Erfahrungen hat Robin Janak gemacht. „Leider hat sich seit der Einführung der neuen Züge nichts verändert. Zweimal mussten wir am Hauptbahnhof wieder aussteigen, nachdem man zwei Triebwagen gekoppelt hatte. Daraufhin ging dann gar nichts mehr. Also hieß es eine Stunde warten auf die nächste Bahn, die logischerweise vollkommen überfüllt war.“ Man sitze zwar sehr gemütlich und die Wagen sähen schick aus. „Ich sitze aber lieber in einer Bahn, die pünktlich fährt.“

Daniel Steinbrecher ist ebenfalls ernüchtert. „Die 15 Jahre alten Triebfahrzeuge der Bahn sind immer noch mit Abstand besser als die neuen Züge“, meint der Götzenhainer. Die ganzen Pannen und Unzulänglichkeiten seien eigentlich ein Grund, wieder mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. „Dann ist mir klar, dass es Stau gibt, aber es geht wenigstens voran.“ Ein Schüler, der namentlich nicht genannt werden will, hatte jüngst Glück, dass ihn eine Klassenkameradin mit dem Auto abholte, nachdem der Zug 15 Minuten im Bahnhof gestanden hatte. Der junge Mann hätte sonst eine wichtige Klausur verpasst.

Bahn AG kommt noch zu Wort

Die Resonanz auf den Aufruf hat die Erwartung der Redaktion deutlich übertroffen. Fast 25 Leser haben sich zu Wort gemeldet und uns mit Zuschriften zu den neuen Zügen auf der Strecke zwischen Frankfurt und Dieburg eingedeckt. Um diesen „Fleiß“ ausreichend würdigen zu können, haben wir in dem Bericht bewusst auf eine Stellungnahme der Deutschen Bahn AG verzichtet. Aber natürlich bekommt das Unternehmen als Betreiber der Dreieichbahn die Möglichkeit, sich zu äußern. Die Redaktion wird die DB-Pressestelle mit der Kritik konfrontieren und dazu auffordern, die Situation aus ihrer Sicht zu bewerten.

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