Kein Geld und kaum Notwendigkeit

Dreieich (hov) - Kein Personal für die Kontrollen, kein Geld für die Folgen, vor allem aber keine Notwendigkeit: Dreieich wird die rund 1400 Hunde, die innerhalb seiner Grenzen leben, vorerst weder an eine kurze Paragrafen- noch überhaupt an eine Leine legen.

Ein Bericht, in dem die Verwaltung Chancen und Risiken eines flächendeckenden Leinenzwangs für die Vierbeiner abwägt, empfiehlt eine Regelverschärfung – „wenn überhaupt“ – nur außerorts. Und selbst das wäre nach nun amtlicher Einschätzung in etwa so „unverhältnismäßig“, wie es auch eine Stellungnahme des Landestierschutzverbands prophezeit.

Denn zum einen hat das Ordnungsamt in Dreieich keinen Anstieg von Beschwerden oder Beißvorfällen registriert, mit dem sich der Freiheitsentzug vielleicht noch begründen ließe. Zum anderen ergebe es keinen Sinn, eine Pflicht zu erlassen, deren Durchsetzung die Stadt kaum stemmen könnte – von den Kosten für die Ausweisung dann tierschutzrechtlich fälliger alternativer und keinesfalls kleiner Auslaufflächen ganz zu schweigen. Der Magistrat sieht also „keine Veranlassung“, die derzeitigen Regeln überhaupt zu verändern. Das Thema soll aber beim Treffen der Kreis-Bürgermeister nochmal auf den Tisch.

Dreieich ist kein rechtsfreier Raum für Hunde und Halter

Ein rechtsfreier Raum ist Dreieich für Hunde und Halter auch bisher nicht. Es gelten die allgemeinen Regeln der Hessischen Hundeverordnung. Die verpflichten Frauchen und Herrchen, mit ihrem Tier bei sämtlichen öffentlichen Veranstaltungen wie Festen und Märkten, bei denen „Menschenansammlungen“ zu erwarten sind, mit ihren Tieren in fester Verbindung zu bleiben. Außerdem in Gaststätten und öffentlichen Verkehrsmitteln und, so will´s eine städtische Satzung, in Grünanlagen und Parks. Grundsätzlich tabu für jeden, der bellen und beißen kann, sind Spiel- und Bolzplätze, ebenso Liegewiesen. Und Hunde, die das Pech haben, anders als ihre Menschen ohne positive Wesensprüfung schon kraft Rasse als „gefährlich“ zu gelten, dürfen sich ebenso wie die nach einem „Vorfall“ tatsächlich als nachweislich angriffslustig mit einem Zwang belegten Exemplare sowieso nirgends ohne Leine erwischen lassen.

Mehr Verbote müssen nicht sein, meint der Magistrat

Mehr muss nicht sein, meint der Magistrat. Dass er sich Gedanken über die „rechtlichen Grundlagen“ gemacht hat, ist einem Prüfungsauftrag geschuldet, den das Stadtparlament im September vergangenen Jahres auf Initiative der SPD-Fraktion beschloss. Auslöser für die Genossen waren damals Beschwerden von Bürgern gewesen, die schlechte Erfahrungen mit freilaufenden Hunden beklagen. Und welche von Jägern, die den unkontrollierten Ausbruch des Jagdtriebs domestizierter Vierbeiner während der Brut- und Setzzeit der Tiere in Wald und Flur fürchten.

Letzteres hat beispielsweise die Städte Heusenstamm, Hainburg und Rödermark dazu bewogen, von ihrem Recht auf die Ausdehnung des Leinenzwangs auf bestimmte Außenbereiche von Anfang März bis Mitte Juni Gebrauch zu machen. Weitere Städte haben aus eigenen Betroffenheiten heraus per Gefahrenabwehrverordnung andere zusätzliche Leinenterritorien markiert - Rodgau etwa alle verkehrsberuhigten Bereiche und jene rechts und links der S-Bahn-Trasse, Langen gemeinsam genutzte Rad- und Fußwege und Neu-Isenburg unter anderem die Zugstrecke am Tag des Lumpenmontagszugs.

Kontrollen nur durch Zeugen möglich

Allen gemein sei dabei der Erfahrungswert, „dass sich Hundehalter an die Vorgaben nur halten, wenn polizeiliche Präsenz vor Ort ist“, heißt es im Bericht. In Dreieich aber seien „nach dem neuen Personalansatz Kontrollen nur noch anlassbezogen“ möglich, also zum Beispiel nach einem Anruf von einem Zeugen. „Personal für Präventivkontrollen wird nicht vorgehalten“, eine Stelle bei der Ordnungspolizei sei bereits abgebaut worden, ebenso eine halbe Stelle bei der Sachbearbeiterin, die für die Bearbeitung von „Hundevorfällen“ zuständig ist. Diese Lücke wieder aufzufüllen, würde schon beim Einsatz einer Doppelstreife, die täglich zwei Stunden in einem der fünf Stadtteile unterwegs ist, 3.256 Euro Personalkosten monatlich bedeuten.

Rubriklistenbild: © Georg

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