Kettenverträge nicht verlängert

Drei Lehrer vor die Tür gesetzt

+

Sprendlingen - Empörung an der Max-Eyth-Schule: Nach vier Jahren vertrauensvoller Zusammenarbeit werden die ohnehin unsäglichen Kettenverträge eines Kollegen-Trios nicht verlängert. Von Cora Werwitzke 

Drei etablierte Lehrer der Max-Eyth-Schule bekommen noch diese Woche ihr Gehalt, mit dem ersten Schultag dreht ihnen das Staatliche Schulamt dann den Geldhahn zu. Das Kollegen-Trio war seit 2010 mit Kettenverträgen, sogenannten TVH-Verträgen, angestellt. Ausgerechnet ein Präzedenzurteil, das im März 2013 die Entfristung solcher Kettenverträge anmahnte, sorgt nun dafür, dass den Lehrern akut die Arbeitslosigkeit droht. Denn die aus Sicht des Schulamts offenbar attraktivere Alternative zur Festanstellung ist die Kündigung. An der Max-Eyth-Schule ist die Empörung über den Umgang mit dem Lehrer-Trio groß. Im Juni verfasste das Kollegium erstmals einen Brief ans Schulamt in Offenbach. Darin bekunden 80 der 120 Kollegen mit ihren Unterschriften Solidarität. Sie fordern eine Perspektive für die „überaus beliebten und als kompetente Ansprechpartner geschätzten Kollegen“. Ferner sei es mit einer Verlängerung des Beschäftigungsverhältnisses nicht getan: „Die Kollegen müssen vielmehr entfristet werden, um den unerträglichen Belastungen durch diese Zeitverträge ein Ende zu setzen.“ Unterschrieben ist der Brief von Personalratsvorsitzender Ute Senßfelder.

Hintergrund der prekären Lage ist, dass es an Schulen Lehrer im Beamten- und Angestelltenstatus gibt. An der Max-Eyth-Schule, die Berufsschule, Berufsfachschule, Berufliches Gymnasium und Fachoberschule unter ihrem Dach vereinigt, beträgt dieses Verhältnis 9:1. Angestellt sind in der Regel Vertretungslehrer, die bisweilen aber den vollen Stundensatz arbeiten und Verantwortung, etwa als Klassenlehrer, übernehmen. Oft handelt es sich um angehende Lehrer, Quereinsteiger oder solche, die aus verschiedensten Gründen keine Chance auf Verbeamtung haben. „So ist es auch im Fall unseres Trios“, berichtet Ute Senßfelder. Nach dem Präzedenzurteil im Fall einer Grundschullehrerin, die zehn Jahre (13 Verträge) lang immerzu hingehalten wurde und in Gießen erfolgreich klagte, gilt in den Schulämtern quasi die Fünf-Jahres-Schwelle. Wer darüber liegt, wird unbefristet eingestellt, wer knapp darunter liegt, muss damit rechnen, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Ein vierter betroffener Lehrer an der Max-Eyth-Schule hat nach Angaben des Personalrats noch die Chance auf Verbeamtung – und deshalb die Kündigung hingenommen, um an die Uni zu wechseln und dort das zweite Staatsexamen zu machen.

Befristete Verträge für Ersatzkräfte

Für die Sprendlinger Schule bedeutet der Verlust des gut eingearbeiteten Quartetts einen herben Einschnitt. Zwar wird ab kommender Woche Ersatz bereitstehen. „Aber auch diese neuen Lehrer werden teils nur befristet eingestellt“, so Ute Senßfelder. Indes wollen sich die drei Jahresvertragler nicht kampflos geschlagen geben. Sie klagen vor dem Arbeitsgericht gegen ihre auslaufenden Verträge. Sollten sie recht bekommen, steht ihnen eine unbefristete Lehrstelle zu. Allerdings nicht unbedingt an der Eyth-Schule. Nachdem das Kollegium auf den ersten Brief ans Schulamt keine Antwort erhalten hatte, richtete Personalratsvorsitzende Ute Senßfelder nun in den Ferien noch einen zweiten Appell ans Schulamt. „Wir beobachten mit Sorge, dass die gerichtlichen Verhandlungen sich über längere Zeit hinziehen und damit die Kollegen in die schwierige Situation der Beschäftigungslosigkeit stürzen“, heißt es darin. Die drei betroffenen Lehrer seien qualifiziert und integriert – „wir wollen sie nicht aufgrund juristischer Finessen verlieren“. Aus Solidarität habe es im Kollegium ferner eine Spendenaktion für die betroffenen Kollegen gegeben: „Das Ziel ist es, die finanziellen Einbußen der Drei bis zum Zeitpunkt der Gerichtsentscheidung abzufedern.“

Die besten Spick-Methoden

Klassisch und modern: Die besten Spick-Methoden

Wenn das neue Schuljahr am Montag losgeht, werden viele Schüler vergeblich auf ihre gewohnten Lehrer warten. Die müssen wohl oder übel zu Hause bleiben – mit der Bürde einer ungewissen Zukunft.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare