Fraktion wünscht sich sachliche Debatte

SPD: Expertenrunde soll Kita-Probleme lösen

Dreieich - Die SPD-Fraktion schlägt die Einrichtung eines Facharbeitskreises zum Thema Kinderbetreuung vor. Und trotz aller Not in diesem Bereich sprechen sich die Sozialdemokraten für die Beibehaltung des sogenannten Dreieicher Standards in den Kitas aus.

Der Engpass in der Betreuung setzt bei verzweifelten Eltern Emotionen frei. Zu viele, meint die SPD. Sie bedauert den rauen Ton, der seit einigen Monaten in der Bürgerfragestunde der Sozialausschusssitzungen vorherrsche. Gerade in dieser schwierigen Zeit sei eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Elternvertretern, Verwaltung und Stadtverordneten notwendig. In einem Antrag fordert die SPD deshalb die Einsetzung einer Expertenrunde. Nur die Rückkehr zur Sachlichkeit könne Lösungen bringen.

Nach Angaben der Genossen fehlen hessenweit etwa 7300 Erzieherinnen. „Es ist also weder angemessen noch zielführend, so zu tun, als ob die aktuelle Problematik nur in Dreieich auftreten würde. Viele – wenn nicht sogar alle – Städte und Gemeinden im Kreis Offenbach und darüber hinaus haben ähnliche Probleme“, so Pressesprecher Michael Möck. Die SPD sei überzeugt davon, dass der zuständige Fachdienst im Rathaus „alles Erdenkliche unternimmt, um Erzieherinnen und Erzieher für Dreieich zu finden“. Anregungen anderer Fraktionen wie frisches Obst in allen Kitas und freier Eintritt ins Parkschwimmbad sind nach Auffassung der SPD wenig erfolgversprechend und populistisch.

Das beste Argument für das Erziehungspersonal seien die unmittelbaren Arbeitsbedingungen. Als Beispiel nennt die Fraktion die übertarifliche Bezahlung in Dreieich. Die SPD verweist zudem auf den Dreieicher Standard. Er sieht im Ü3-Bereich vor, nicht die maximal mögliche Gruppenstärke von 25 Kindern auszuschöpfen, sondern auf 22 zu deckeln. Das sei sowohl für die Kinder als auch für die Betreuer das Beste. „Die Versuchung ist groß, in der aktuellen Notlage die Gruppengröße zu erhöhen. In den Gruppen, in denen das möglich ist, wird dies bereits durch die Verwaltung umgesetzt. Wir wollen den Dreieicher Standard generell jedoch nicht aufgeben, da das zum einen vorübergehend nur wenige Plätze schaffen und den aktuellen Bedarf bei weitem nicht decken würde“, erklären die Sozialdemokraten und untermauern ihren Vorsatz. Der Standard sei für Erziehungspersonal ein gewichtiges Argument, sich für eine Kita der Stadt Dreieich als Arbeitgeber zu entscheiden.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Die SPD bekräftigt ihr Ja zum Antrag der FWG, für die Betreuung zusätzlich Container aufzustellen. Man beteilige sich auch aktiv an der Suche nach geeigneten Standorten. Stadtverordneter Michael Löhr warnt jedoch vor zu großen Erwartungen. „Es gibt keine schnellen Lösungen, da der generelle Personalmangel nur durch mehr Ausbildung behoben werden kann.“ Auch für das Aufstellen von Containern brauche es eine Baugenehmigung, müssten gewisse Vorkehrungen getroffen werden. „Die Erschließung mit Strom, Wasser und Abwasser muss hergestellt werden und auch für das Raumprogramm sind gesetzlich vorgegebene Standards einzuhalten“, sagt Löhr.

Die SPD weist außerdem darauf hin, dass vieles zur Verbesserung der angespannten Lage bereits auf den Weg gebracht ist. Dazu zählten die beschlossenen Erweiterungen der Kita Wilhelmshof in Sprendlingen und der Kita Winkelsmühle in Dreieichenhain. Die neue Kita im Heckenborn soll im Juni eröffnet werden. Darüber hinaus sei der Bau weiterer Kitas – eventuell im Zuge der Bebauung des ehemaligen Opel-Geländes an der Hainer Chaussee – geplant, so die Sozis, die sich über so manchen Vorschlag wundern, wie und wo zusätzlich Kinder betreut werden könnten. „Über die Kinder redet dabei niemand“, meint Stadtverordnete Diana Forster. Bei aller Not sei der SPD die Qualität der Kinderbetreuung wichtig. (fm)

Rubriklistenbild: © dpa

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