Eine Mutter schildert schwierige Suche nach Kitaplatz

Kita-Engpass bereitet Eltern große Sorgen

Dreieich - In Dreieich manifestiert sich ein Kita-Engpass – im Rathaus geht man in den nächsten Monaten von 160 fehlenden Ü3-Plätzen aus. Auch die Warteliste im U3-Bereich ist ellenlang. Von Cora Werwitzke 

Was das für viele Familien bedeutet, schildert eine Mutter, die ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes wieder in den Beruf einsteigen muss. Ohne Planungsgrundlage wird die Kitasuche im Alltag zum allgegenwärtigen Unsicherheitsfaktor. „Geht es eigentlich nur mir so?“ Diese Frage spukt der zweifachen Mutter aus Dreieichenhain (Name der Redaktion bekannt) schon eine Weile durch den Kopf. Ende Februar wird ihr Sohn ein Jahr alt – zu diesem Zeitpunkt müsse und wolle sie wieder zu 60 Prozent in ihren Beruf einsteigen, erzählt sie. Im September hatte sie ihr Kind angemeldet. Monate vergingen. Auf Nachfrage hieß es im Rathaus dann, dass es im Moment keine Betreuungsplätze gebe. „Die Ansprechpersonen haben auf den Bau der Kita Heckenborn verwiesen. Aber die wird ja frühestens Ende 2017 öffnen!“, sagt sie kopfschüttelnd. Anmeldungen bei privaten Einrichtungen direkt nach der Geburt führten bisher nur zu Absagen. Die Suche nach Alternativen bei der Tagesmutterzentrale Neu-Isenburg und dem ZenJA-Elternservice in Langen seien ebenso ergebnislos verlaufen.

Der diese Woche vorgestellte Sachstandsbericht zur Kinderbetreuung des städtischen Fachbereichs Soziales, Schule und Integration macht deutlich, dass es sich bei Weitem um keinen Einzelfall handelt: Für 160 Mädchen und Jungen ab drei Jahren wird es in den nächsten Monat keinen Platz geben. Auch im U3-Bereich ist die Situation prekär: 110 Kinder sind aktuell auf der Warteliste registriert. In Sprendlingen ist die Versorgungslücke am größten.

Die Mutter aus Dreieichenhain hat inzwischen zig Anrufe und Treffen hinter sich. Um die Eingewöhnung für ihren Sohn zu gewährleisten, wird die Zeit knapp. Nicht die einzige „Baustelle“: Auf der Kippe stand auch der Hortplatz ihrer älteren Tochter, die in die zweite Klasse geht. Als sie vor und nach der Geburt ihres zweiten Kinds zu Hause war, wurde ihr der Hortplatz gekündigt. Seit einem halben Jahr arbeitet die Dreieichenhainerin aber wieder 15 Stunden in ihrem Beruf in Darmstadt-Eberstadt. „Immerhin hat es mit dem Hortplatz dann wieder geklappt“, sagt sie. Die Betreuung für ihren kleinen Sohn während ihrer Arbeitsstunden übernahm all die Monate ihre Mutter, die dazu regelmäßig aus Düsseldorf anreiste. „Das war irgendwie leistbar, weil wir alle davon ausgegangen sind, dass mein Sohn mit einem Jahr dann einen Kitaplatz hat – das ist keine Dauerlösung.“

Viele betroffene Familien machen sich Sorgen, weil sie zum Beispiel hören, dass der Vertrag der Stadt über 20 U3-Plätze mit der Biotest-Kita im Sommer ausläuft. Sie können sich ohne Weiteres zusammenreimen, dass der Engpass im Ü3-Bereich zu einem Rückstau führt: Kinder, die vom Alter her eigentlich in die „große Kita“ wechseln könnten, blockieren U3-Plätze, sodass sich die Misere noch bis in die ohnehin stark nachgefragten Krippen verlagert. Bei mindestens zwei privat betriebenen Einrichtungen führt das dazu, dass erst zum neuen Schuljahr wieder U3-Plätze vergeben werden können, hat die Mutter auf Nachfrage erfahren.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Vor rund zwei Wochen erhielt sie nun eine offizielle Absage der Stadt – mit der Empfehlung, sich an das Jugendamt des Kreises Offenbach zu wenden und zu erfragen, ob es eventuell in umliegenden Kommunen einen Platz gibt. „Dort bekam ich wiederum den Rat, mich nach einer Tagesmutter umzusehen. Auf meine Erwiderung, dass ich das bereits ohne Erfolg getan habe, kam die Empfehlung, mich auch bei www.betreut.de und ebay-Kleinanzeigen umzuschauen oder den Kreis Darmstadt-Dieburg zu kontaktieren, um herauszufinden, ob eine büronahe Betreuung möglich wäre“, fasst sie völlig desillusioniert zusammen.

Die Nerven liegen schon ziemlich blank, als die Hainerin vom ZenJA-Elternservice eine Tagesmutter in Offenthal in Aussicht gestellt bekommt. „Wir waren bei ihr mit neun weiteren Interessenten auf der Liste potenzieller Familien“, schildert sie. Ob es geklappt hätte, weiß sie nicht, denn völlig unerwartet meldet sich vor zwei Tagen eine der privaten Krippen, „bei der wir noch vor Kurzem auf Warteplatz 36 standen“. Ein Platz zum 1. Februar sei unverhofft frei geworden – „der kam für uns wie vom Himmel geflogen.“ Eine riesige Erleichterung, „aber ich traue dem Ganzen erst, wenn die Tinte unter dem Vertrag getrocknet ist“, schickt die Mutter nüchtern hinterher. Bewusst ist ihr auch: „Andere Familien haben weniger Glück.“

Rubriklistenbild: © dpa

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