Enttäuschung bei den Eltern

Kita St.Laurentius: Übergabe an die Stadt Dreieich geplant

Der kunterbunte Briefkasten gehört der Kita St. Laurentius. Schon bald könnte die katholische Einrichtung in städtische Hände übergeben werden.
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Der kunterbunte Briefkasten gehört der Kita St. Laurentius. Schon bald könnte die katholische Einrichtung in städtische Hände übergeben werden.

Es ist eine kleine, gemütliche Kita der katholischen Gemeinde St. Laurentius in der Spenglerstraße in Sprendlingen. Die Einrichtung besteht seit mehr als 60 Jahren. Nun möchte die Gemeinde die Trägerschaft an die Stadt abgeben. Dazu gibt es Gespräche mit dem Bistum in Mainz und der Stadt.

Dreieich - Die Eltern sind enttäuscht über die Entwicklung und nicht glücklich darüber, dass die Einrichtung in städtische Hände wechseln soll. „Wir haben uns sehr bewusst für eine christliche Kita entschieden, weil wir die familiäre Atmosphäre sehr mögen und es auch schätzen, dass den Kindern die christlichen Werte nähergebracht werden“, erklärt Christijan Knez, Elternbeiratsvorsitzender der Kita St. Laurentius. Dass die Gemeinde mit der zweigruppigen Kindertagesstätte diverse Probleme hat, ist den Eltern lange bekannt. „Wie in vielen Einrichtungen in unserer Region gibt es Schwierigkeiten, die Stellen der Erzieher mit ausreichend Fachpersonal zu besetzen. Bei nur zwei Gruppen und entsprechend wenig Personal, wird es in Urlaubszeiten mit Krankheitsfällen auch schon einmal eng“, berichtet Christijan Knez, dass in der Vergangenheit die Kita für zwei Wochen komplett geschlossen werden musste.

Die Situation spitze sich nun zu, weil eine Erzieherin in den Ruhestand geht, eine andere gekündigt hatte. „Wir haben als Elternbeirat, aber auch die komplette Elternschaft unsere Unterstützung angeboten, haben Flyer gedruckt, dass wir Personal suchen, und wir haben durchaus auch Erfolg“, berichtet der Elternbeiratsvorsitzende von anstehenden Neueinstellungen.

Ein zweites Thema ist die Verwaltung der Kita: Sie lag über Jahre in den Händen der Einrichtungsleitung. Im vergangenen Jahr musste Gemeindereferentin Susanne Mohr übernehmen – die eigentlich vielfältige andere Aufgaben in der Gemeinde betreut. „Die kirchliche Arbeit in der Kita mache ich ohnehin und ich habe auch angeboten, sie weiter zu übernehmen“, erläutert sie. Neben der Verwaltung springt Susanne Mohr gerade jetzt auch wieder als Erzieherin ein. Das war ihr erster Beruf, bevor sie Gemeindereferentin wurde. „Wir wollen die Einrichtung in einer Zeit, in der die Eltern durch Corona ohnehin so belastet sind, keinesfalls für zwei Wochen schließen“, sagt Mohr. Die Summe der Schwierigkeiten führt dazu, dass die Gemeinde die Entscheidung trifft, die Kita in städtische Hände zu geben. Doch auch in der Frage der Verwaltung gab es aus der Elternschaft Angebote, unterstützend tätig zu sein.

Hildegard Kewes, Leiterin der Abteilung Kindertagesstätten im Bistum Mainz, sagt auf Anfrage, dass es sich die katholische Kirche keinesfalls leicht mache, Kindergärten aus der Trägerschaft abzugeben. „Wir sind in Gesprächen mit der Gemeinde und mit den Eltern, wir haben besonders diese früh mit ins Boot geholt. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass sie traurig sind, weil eine Abgabe an die Stadt im Raum steht“, erklärt Kewes.

Das Bistum in Mainz hat vor fünf Jahren einen sogenannten Geschäftsträger gegründet, der die kleinen Kindertagesstätten im Bistum Mainz unterstützt und die Gemeinden mit der Verwaltung entlastet. „Wir geben da unheimlich viele Ressourcen hinein, es gibt schon Kitas im Kreis Offenbach, aber wir bekommen es nicht so schnell hin, auch Dreieich zu übernehmen“, bedauert die Abteilungsleiterin aus Mainz. Die Gemeinde ist bereit, falls die Kita St. Laurentius städtisch wird, die pastorale Arbeit mit den Kindern weiter zu übernehmen. Noch sei aber nichts spruchreif, betont Hildegard Kewes.

Bürgermeister Martin Burlon kennt die Überlegungen: „Wir haben als Stadt natürlich ein sehr großes Interesse daran, dass die Einrichtung nicht komplett schließt“, will der Rathauschef den Verlust von zwei Kita-Gruppen bei immer noch langen Wartelisten auf Kitaplätze vermeiden.

Die DreieichBau, die die Kitagebäude in der Stadt betreut, sei bereits in der Sprenglerstraße vor Ort gewesen. Es müsse noch Gespräche geben, wer die Unterhaltung der Gebäude in Zukunft trägt.

Von Nicole Jost

Christijan Knez ist Vorsitzender des Elternbeirats. Er bedauert es sehr, dass die Kita städtisch werden soll.

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