Kleine Jury überzeugt große Jury

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Bibliothekarin Linda Hein hat die Idee einer Jugendjury in Dreieich ins Leben gerufen. Inzwischen ist in der Bücherei der Weibelfeldschule ein Regal mit deren Empfehlungen bestückt.

Dreieich - „Wie viel Geld wir bekommen, weiß ich noch gar nicht“, sagt Linda Hein und nippt an ihrem Tee. Die Leiterin der Bücherei an der Weibelfeldschule hatte jüngst Post im Briefkasten. Jene Sorte Post, die man mit angehaltenem Atem aufreißt. Von Cora Werwitzke

Im Umschlag befand sich eine denkbar gute Nachricht: Die Bücherei hat den „Hessischen Leseförderpreis“ gewonnen. „In unserer Rubrik ist der Preis mit 10.000 Euro dotiert“, schildert Hein. „Wir sind mit drei anderen Einrichtungen ausgewählt worden. Wie das Preisgeld aufgesplittet wird, ist aber noch nicht raus. “.

Wie viel auch immer – die junge Bibliothekarin stimmt vor allem die Anerkennung zufrieden, die mit dem Preis einhergeht. Ausgezeichnet wurde „ JuLiD “, das Projekt „Jugend-Literatur in Dreieich“. Dahinter steckt eine Gruppe junger Leute, die als Jury aktuelle Jugendbücher bewertet. Die Idee brachte Linda Hein aus Leipzig mit. Dort schrieb sie ihre Diplomarbeit über solch eine Jury, bevor sie vor vier Jahren nach Dreieich kam.

„Diese Bücher werden häufiger ausgeliehen als andere“

Rund 90 Neuerscheinungen pro Jahr ist das Pensum der schulübergreifenden Gruppe. Das hört sich viel an, „aber es liest natürlich nicht jeder alles“, erläutert Linda Hein. „Im Moment sind wir gut ein Dutzend Leute zwischen 14 und 19 Jahren – und jeder entscheidet, wie viel er liest.“ Etwa einmal im Monat treffen sich die JuLiD-Mitglieder, um Titel zu besprechen und neue Probeexemplare auszuwählen. Linda Hein koordiniert, bestellt und berät – Büchervorschläge können alle machen. „So kommen Titel in unsere Auswahl und später in die Bücherei, die ich nie ausgewählt hätte“, bemerkt Hein schmunzelnd.

Mit der Zeit füllt sich die Liste der Bibliothekarin mit Punktewertungen der Jugendjury. Wobei es durchaus auch vorkommt, dass Bücher bei den monatlichen Besprechungen förmlich zerrissen werden. „Wenn das gut begründet ist, spricht da nichts dagegen“, sagt Linda Hein. Und wie es sich für eine Jury gehört, küren die Jugendlichen auch etwas – und zwar die fünf besten Jugendbücher jedes Jahrgangs sowie die beste Buchreihe.

In der Bibliothek der Weibelfeldschule ist denn auch ein Regal für die Empfehlungen der Jury reserviert. „Diese Bücher werden häufiger ausgeliehen als andere“, schildert Hein.

Viel Arbeit damit verbunden

Hat einer ihrer Jugendlichen eine Neuerscheinung ins Auge gefasst, dann bittet die Bibliothekarin beim Verlag um ein Exemplar. „Das bekommen wir kostenlos, im Gegenzug verfassen wir eine Rezension“, gewährt sie Einblick in das Prozedere. Die Bücherei profitiert natürlich von der Aktivität der Jugendlichen, denn die kostenlos erhaltenen Exemplare landen in deren Bestand. „Aber es ist auch sehr viel Arbeit damit verbunden“, relativiert Hein. Das gelte für sie, aber natürlich auch für die Jugendlichen, die Rezensionen schreiben. „Wobei das kein Muss ist“, betont Hein.

Am 9. November fährt die Bibliothekarin mit einer Abordnung der JuLiD-Jury nach Eltville, um den Leseförderpreis entgegenzunehmen. Mit dem Preisgeld sollen demnächst noch mehr Ausflüge drin sein, zur Nationalbibliothek zum Beispiel. Bisher gönnt sich die Gruppe einmal im Jahr den Besuch einer Buchhandlung und ein Eis- oder Pizzaessen. Apropos: „Bei unseren Treffen sitzen wir gerne bei Tee und etwas zu knabbern zusammen“, erzählt Linda Hein. Interessierte sind willkommen. Nächstes Treffen ist am 7. November um 16.30 Uhr. Rezensionen und die Siegerbücher der vergangenen drei Jahre gibt’s auf.

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