Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter besucht SGG

Kleiner Verein, groß im Klimaschutz

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Vorreiter im Klimaschutz: Die SGGler Gernot und Sohn Sven Engel freuen sich über das Lob der Grünen Wolfgang Strengmann-Kuhn (MdB, links) und Anton Hofreiter (Bundes-Fraktionschef).

Götzenhain - Gernot Engel muss den Leuten immer noch auf die Finger schauen. Es kam schon mehr als einmal vor, dass der starke Mann der SG Götzenhain in kalten Wintermonaten durch das Vereinsheim in der Frühlingstraße schlenderte und eine unliebsame Entdeckung machte: Von Manuel Schubert 

Die Eingangstür stand sperrangelweit offen, die daneben hängende Heizung war voll aufgedreht. Frische Luft und gleichzeitig mollige Wärme – das mag zwar angenehm sein, ist für die Umwelt aber nicht gerade förderlich. „Man muss einfach dranbleiben und die Leute sensibilisieren“, ist der Vorstand Vereinsrepräsentanz der SGG überzeugt. Das gelingt der Götzenhainer Sportgemeinschaft ganz gut: In den zurückliegenden Jahren hat sie in Sachen Klimaschutz einiges bewegt. So viel, dass der Kreisverband Offenbach der Grünen die SGG im November 2016 mit seinem Umweltpreis auszeichnete. Diese Nachricht hat sich bis zu Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzendem der Grünen im Bundestag, herumgesprochen. Woraufhin der 47-Jährige nun nach Götzenhain kam, um sich vor Ort über das große Engagement des kleinen Vereins zu informieren. Der Münchener ist ziemlich angetan: „Was Sie hier machen, ist keine Selbstverständlichkeit“, lobt Hofreiter. „Da muss man einiges an Mühe, Kraft und Zeit reinstecken.“

Die investiert vor allem Sven Engel, der Sohn von Vorstandsmitglied Gernot, der seit 2008 offiziell Klimaschutzbeauftragter der SG Götzenhain ist. Den Besuch des prominenten Gastes darf der 40-Jährige auch als kleine Adelung seines Engagements verstehen. Als er hörte, Hofreiter wolle in der Frühlingstraße vorbeischauen, habe er das anfangs für einen Scherz gehalten, gibt Engel zu. Nun freut er sich: „Das ist total cool und erzeugt die nötige Aufmerksamkeit.“

Einen ganzen Verein umweltschonend und energieeffizient umzubauen, erfordere viel Überzeugungsarbeit in den eigenen Reihen – schließlich sind die meisten Vorhaben nicht ganz billig. „Man muss viele Gespräche führen und die Leute aufklären“, betont Engel. Am besten gelinge das mit den positiven Nachrichten, die der Klimaschutzbeauftragte vermelden kann.

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Wie nach dem Austausch der kompletten Heizanlage im Jahr 2013 – dem bislang größten Projekt. Im Keller installierte die SGG moderne Heizkreispumpen, eine Infrarot-Deckenheizung ersetzte die in die Jahre gekommene Lüftung. Die Investition hat sich gelohnt: Seitdem sind der Stromverbrauch im Hause SGG um 41 Prozent und der Gasverbrauch um 31,2 Prozent gesunken. Auch in den Köpfen der Mitglieder hat Engel einiges angestoßen. Der Fahrradständer im Hof ist besser gefüllt als früher, der Wasserverbrauch gesenkt. „Die Leute nehmen das gut an.“

Das Thema Umweltschutz liegt Sven Engel schon immer am Herzen. Als in den Achtzigerjahren bekannt wurde, wie schädlich Fluorchlorkohlenwasserstoffe für die Ozonschicht sind, schrieb der damals Siebenjährige einen Brief ans Umweltministerium. Fünf Jahre später wurde die Freisetzung des Treibgases verboten. Im Biologie-LK und beim Studium der Energietechnik wurde Engels Herz für die Umwelt größer. „Man kann Geld sparen und tut damit Gutes“, erklärt er. „Der Gedanke hat mir gefallen.“

Bei der SG Götzenhain hat er damit viele angesteckt: Seit vergangenem Jahr ist der Posten des Klimaschutzbeauftragten in der Satzung verankert. Auch für die Zukunft hat der Verein einiges geplant. Die Halle in der Frühlingstraße soll energetisch saniert werden, inklusive neuer Wärmedämmung und Fenster, auf das Dach soll eine eigene Solaranlage. Letztere könnte nicht nur Strom erzeugen, sondern auch Aufmerksamkeit, schätzt Engel: „Wir hätten sie gern als sichtbares Zeichen oben auf dem Dach.“

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