Kochabend mit der Veganerin Janika Holzmann

Anregungen aus der ganzen Welt

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Köchin aus Leidenschaft: In ihrer Küche hat Janika Holzmann auch manches vegane Gericht fotografiert, wie Quinoa-Spargel-Salat (links oben) oder Scrambled Tofu.

Dreieich - Weder Fleisch noch Fisch, keine Milch und keine Eier: Janika Holzmann lebt seit sieben Jahren vegan – und vermisst dabei nichts. In unserer Serie „Na(h)türlich gut“ kochen wir diesmal in Götzenhain mit einer Frau, der es um mehr geht als gesunde Ernährung. Von Barbara Hoven

Bekehren möchte sie niemanden. Aber wer sich für Veganismus interessiert und Holzmann fragt, der erlebt, dass diese Ernährungsart alles andere als spaßfrei ist.

Janika Holzmann hat schon mal den Tisch gedeckt und ein bisschen was vorbereitet – die Cashew-Nüsse, den Tofu, die Gewürze, dazu Tomaten, auch der Duft von Fenchel weht aus der Küche herüber. Dass das jetzt nicht nur für die Besucher so arrangiert ist, merkt man an der Selbstverständlichkeit, mit der ihr Mann Jens und die beiden Töchter die Aktion registrieren. Kochen – das ist für die 43-Jährige keine lästige Pflicht, sondern Freude.

Am Anfang ist alles Schnippeln. Die Süßkartoffeln etwa, die will Holzmann nachher als Pommes servieren. „Einfach in Streifen schneiden, alles kein Hexenwerk“, sagt sie, schneidet schnell und schichtet die gelben Stifte in eine Auflaufform. Etwas Kurkumapulver drüber, für die Farbe und als natürlicher Geschmacksverstärker („ein Allheilmittel“), und für etwa 20 Minuten ab in den Ofen. Dann sind die Vorbereitungen fürs „Scrambled Tofu“ – optisch wie Rührei, nur eben ohne Ei – an der Reihe, dazu gibt’s Fenchel-Salat und Dips, als Vorspeise eine Misosuppe. Egal, was man probiert, man vermisst nichts. Im Gegenteil: Ihre vegane Grüne Soße zum Beispiel, statt mit Eiern und Mayo mit Soja-Joghurt angerührt… cremig, köstlich.

„Jedes Buch zum Thema gewälzt“

Zum Geschmackserlebnis gesellt sich Erkenntnisgewinn: Es geht hier auch um eine bewusste Lebensform. Darum, sich Gedanken zu machen über das, was man isst, und die Herkunft von Produkten.

Vegan zu leben, das gehe nicht von Heute auf Morgen, erfährt man von Holzmann. „Es muss wachsen, ich kann ja auch keinen Erstklässler plötzlich ins Gymnasium stecken und sagen, er soll Bruchrechnen.“ Wer eine Umstellung wolle, dem müsse klar sein, dass man nichts erzwingen kann.

Fleischlos zu leben – für Janika Holzmann ist das seit Jahrzehnten selbstverständlich, seit Jugendtagen ist sie Vegetarierin. Was sie über vegane Küche wisse, habe sie sich über lange Zeit angelesen, „ich glaub ich habe jedes Buch zum Thema gewälzt“.

Auch ihre Biografie hat einen Teil zur Vielfalt ihres Kochens beigetragen – ihr Lebenslauf ist so bunt wie die vielen Gewürze auf ihren Küchenregalen. Geboren in der Schweiz, verbrachte sie mit ihrer Familie die ersten vier Lebensjahre in Indien, bevor sie nach Stationen in der Schweiz und Santiago de Chile nach Deutschland kam. Zudem gibt ihr Job – Holzmann arbeitet als Flugbegleiterin – Raum für kulinarische Anregungen überall in der Welt.

Wissen, das die Dreieicherin gerne weitergibt, zum Beispiel in Kochkursen. Ihr Anliegen, sagt sie, sei es, Ursache und Wirkung der Nahrung auf den Organismus zu verdeutlichen und dadurch eine Kursänderung im Leben zu ermöglichen. „Ich sehe mich als Orientierungsschild auf dem Weg zu einer gesünderen Lebensweise“, fasst sie zusammen. Sie wolle aufzeigen, „dass wir selbst entscheiden können, was wir essen. Körperliche Fremdbestimmung durch Heißhunger-Attacken, Frustessen oder Kuchenschlachten kann ich lenken, wenn ich weiß, wie. Denn der Hunger kommt jeden Tag wieder“. Sie sehe sich aber eben als „eine Ausfahrt, die kann man nehmen oder nicht“.

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Immer mehr Menschen nehmen sie. Nach Schätzungen des Vegetarierbundes leben inzwischen um die 700.000 Deutschen vegan, und es werden immer mehr. Wohl auch, weil Lebensmittelskandale viele Leute umdenken lassen. Wie sehr Janika Holzmann mit ihrer Herangehensweise an das Thema einen Nerv trifft, sieht man auch daran, dass jüngst sogar das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ der Dreieicherin einen beträchtlichen Abschnitt in einem Artikel über „die wohl konsequentesten Vegetarier“ gewidmet hat.

Das erzählt die freundliche Frau nicht ohne Stolz. Und muss dann ein gar nicht erfreuliches Thema loswerden: Es gehe ihr auch um Tierrechte, die viel zu oft mit Füßen getreten würden. Wer sich mit den grausamen Praktiken etwa bei der Tierhaltung befasse, dem vergehe der Appetit auf Fleisch von alleine.

Zumal der Vorsatz, auf tierische Produkte zu verzichten, mit etwas Routine offenbar weit weniger Schwierigkeiten bereitet, als man annehmen mag. Die Hofläden und Wochenmärkte in der Region zum Beispiel sind für Holzmann beliebte Einkaufsorte, auch im Restaurant finde sich auf fast jeder Speisekarte etwas, „und ich zähle auch nicht zu den Hardcore-Veganern, wenn ich etwa eingeladen bin und jemand hat sich beim Kochen Mühe gemacht, dann ist auch ein Schuss Sahne ok“. Bekehren wolle sie zudem keinen mehr, „es bringt nichts, mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt zu laufen“.

Holzmann setzt darauf, Interessierte mit veganen Gerichten zu überraschen, „es muss einfach sein und schmecken“. Sie serviert viel frisches Gemüse, dazu Kohlenhydrate („aber die richtigen“), Nüsse und ausreichend Eiweiß – das Veganer zum Beispiel aus Soja oder Hülsenfrüchten bekommen. Wenn’s süß schmecken soll, greift sie gerne zum Reissirup. Wegen der Vitamin B12-Zufuhr, einem Stoff, der als Achillesferse des Veganers gilt, verwendet sie Algen, „das habe ich aus der südamerikanischen und asiatischen Küche“.

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