Passion fürs Kochen

Es geht nix über diesen Knochenjob

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Für bis zu 60 Leute kocht Karina Westphal-Ritz alleine. Ihren Catering-Betrieb Cullinarius gründete sie vor sechs Jahren. Der lateinische Name rührt aus dem 17. Jahrhundert und bedeutet „zur Küche gehörend“.

Götzenhain - Wie lange dauert’s, den Einkauf in Kühlschrank und Regalen zu verstauen? „Manchmal eine Stunde“, lautet die Antwort von Karina Westphal-Ritz. Von Cora Werwitzke

In ihrem „Frauen-Lkw“, so nennt sie ihren Kastenwagen humorvoll, schafft sie regelmäßig zentnerweise Lebensmittel in ihre Großraumküche an der Wallstraße.

Einen Knochenjob habe sie, findet die Götzenhainerin. Eintauschen würde sie ihn um keinen Preis der Welt, schickt sie hinterher. Karina Westphal-Ritz ist Kopf des Götzenhainer Catering-Betriebs Cullinarius . Vor sechs Jahren machte sie sich selbstständig, vor knapp drei Jahren ist sie in die leeren Räume der einstigen Traditionsbäckerei Gottschämmer gezogen.

2000 Schälchen warten auf ihren Einsatz

Kunden heißt sie im geschmackvoll eingerichteten Vorzimmer willkommen. Ein dickes Terminbuch liegt aufgeschlagen bereit. Durch aufgeschobene Vorhänge fällt der Blick auf eine noch ungedeckte Tafel im Nebenraum. „Dort essen Gruppen, die vorher zusammen kochen“, erläutert die zweifache Mutter. „Kochevents“ nennt sie diese abendlichen Aktionen, die von Freundeskreisen, Familien oder kleinen Firmen mit bis zu zwölf Personen nachgefragt werden. „Wir bereiten vier bis sieben Gänge zu, die ersten essen wir bei gutem Wein im Stehen in der Küche, ab der Suppe sitzt man dann hier.“ Sie weist auf den großen Holztisch.

Vor nicht allzu langer Zeit war an selber Stelle ihr Lager. Doch die 51-Jährige ging auf Expansionskurs, mietete einen weiteren großen Raum an. „Es kamen mit der Zeit immer mehr Utensilien dazu“, erläutert sie und nimmt im neuen, größeren Lagerraum ein Gläschen aus dem Karton. „Die eignen sich bestens für eine kleine Vorspeise.“ An die 2000 Schälchen warten hier auf ihren Einsatz, überschlägt sie.

Nicht selten steht Karina Westphal-Ritz ab morgens um 4 Uhr in der Küche und bereitet externe Catering-Aufträge vor. „Für 50 bis 60 Leute koche ich alleine, für mehr habe ich Teilzeitkräfte, die mit anpacken.“ Je nach Art der Veranstaltung servieren ihre Helferinnen auch vor Ort. „Das Extremste war bisher eine Grill-Aktion für 300 Leute“, erzählt die Unternehmerin. „Wir sind dort mit sieben Grills angerückt. Ich hab um 3 Uhr morgens mit den Vorbereitungen angefangen und war erst 24 Stunden später wieder im Bett.“

„300 Klöse zum Mittagessen - völlig normal“

Solche Herausforderungen sind nach dem Geschmack der Götzenhainerin. „Ich mag es, wenn ich vor neuen Aufgaben stehe.“ Jüngst habe sie zum Thema Fliegerei ein Büfett samt Deko gestaltet, ein anderes Mal wollte jemand zum runden Geburtstag alle Gerichte in runder Form haben. Neue Speisen testet die Köchin zu Hause, ihre Söhne seien die kritische Jury, erzählt sie. „Der Jüngere sagt immer: ,Mama ist die weltbeste Köchin, aber mir schmeckt’s nicht‘“, gibt sie schmunzelnd wider. Mit zehn sei er in jenem Alter, in dem Nudeln eben durch nichts zu schlagen sind.

Karina Westphal-Ritz hat ihre frühe Kindheit selbst in einem Gastronomiebetrieb verbracht. „Für mich war es völlig normal, dass es zum Mittagessen 300 Klöse gab“, unkt sie. Mit einer kaufmännischen Ausbildung war der Wunsch verbunden, etwas „Vernünftiges“ zu machen, doch ihre Berufung holte sie immer wieder ein. Zuletzt vor sechs Jahren, als sie zunächst privat begann, für Feiern zu kochen. Über Empfehlungen sei sie dann „in die Sache reingerutscht“, erzählt sie. Bis heute hat sich die Mund-zu-Mund-Propaganda als bestes Werbemittel bewährt. Ein neues Logo sei allerdings in Arbeit, verrät die Selbstständige. Neben dem Schriftzug „Cullinarius“ und einem überkreuzten Besteck steht dann „Kochen mit Leidenschaft“. Anders könne man das nicht bezeichnen, bemerkt Karina Westphal-Ritz schmunzelnd. „So einen Zeitaufwand betreibt man nur, wenn einen die Leidenschaft gepackt hat.“

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