Die da oben, die da unten

Kommentar zur Lettkaut in Dreieich

Die Zeit der Abrechnungen hat begonnen. Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) hat den Anfang gemacht. Leider möchte man sagen. Der bald aus dem Amt scheidende Rathauschef hat in der Causa Lettkaut wieder einmal ein Eigentor geschossen. Von Frank Mahn

Statt das Scheitern mit den „erkennbaren Widerständen“ und den dadurch zu erwartenden Verzögerungen zu begründen, trat Zimmer nach. Ja, es stimmt. Die Debatte wurde bisweilen in einer unerträglichen Weise geführt. Durch das vergiftete Klima sei bei den Projektbeteiligten und deren Vertragspartnern „viel Vertrauen verloren gegangen“, klagt Zimmer. Vertrauen, so meine ich, muss man sich verdienen. Wird nicht andersherum eher ein Schuh daraus: Hätten die Initiatoren und der hauptamtliche Magistrat sich nicht darum bemühen müssen, das Vertrauen der Betroffenen zu erwerben? Es wäre doch nicht so weit gekommen, wenn hier von Anfang mit den Vereinen – allen voran den Kleingärtnern – offen kommuniziert worden wäre. Stattdessen wählten die Protagonisten die Überrumpelungstaktik, um sich hinterher zu wundern, warum dafür keiner Verständnis aufbringt. 

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Deshalb nahm das Verfahren einen fatalen Verlauf. In der Öffentlichkeit manifestierte sich der Eindruck, dass „die da oben“ „die da unten“ austricksen. Davon profitierten die Gegner, das ungeschickte Vorgehen brachte ihnen Sympathiepunkte und Rückhalte in der Bevölkerung. Die Einsicht, den falschen Weg gewählt zu haben, hat sich bis heute nicht durchgesetzt. Nun wird mal eben en passant eine kleinere Variante einer Fußballakademie ins Spiel gebracht. Dass es eine Alternative zum deutsch-chinesischen Projekt gibt, wussten bisher nur Insider.

Die Kritik Zimmers an der Politik, die sich nicht vehement genug öffentlich für die beiden Projekte stark gemacht und damit auch zum Aus beigetragen habe, will einem auch nicht so recht einleuchten. CDU, SPD, FDP und FWG hatten im September 2017 die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen und die notwendigen Mittel bewilligt. Damit waren die erforderlichen Voraussetzungen geschaffen. Was hätten sie denn darüber hinaus tun sollen? Dem Berichterstatter ist auch nicht bekannt, dass Zimmers eigene Partei sich in irgendeiner Form ein Bein ausgerissen hat, um ihn in dieser Sache zu unterstützen. 

Nachdem das Parlament grünes Licht gegeben hatte, lag der Ball im Rathaus. Genauer beim Fachbereich Planung und Bau. Und im Dezernat des Erstes Stadtrats Martin Burlon dürfte der Druck enorm gewesen sein. Denn die Erwartung der Initiatoren, innerhalb von zwei Jahren Baurecht im Außenbereich zu schaffen, war gelinde formuliert sportlich. Eigentlich hätten die Fachleute in der Verwaltung wissen müssen, dass diese Zielvorgabe bei einem derart komplexen Verfahren völlig unrealistisch war. 

Bilder: Kleingärtner protestieren gegen Lettkaut-Pläne

Lettkaut in Dreieich: Kleingärtner protestieren und geben Unterschriften ab
Lettkaut in Dreieich: Kleingärtner protestieren und geben Unterschriften ab
Lettkaut in Dreieich: Kleingärtner protestieren und geben Unterschriften ab
Lettkaut in Dreieich: Kleingärtner protestieren und geben Unterschriften ab
Bilder: Kleingärtner protestieren gegen Lettkaut-Pläne

Als dann die Bedenken von Behördenvertretern aus einem sogenannten Scopingtermin bekannt wurden, dürfte auch den glühendsten Verfechtern klar geworden sein: Wenn es überhaupt funktioniert, wird der Weg sehr lang. Jetzt haben die Beteiligten die Reißleine gezogen, so halb jedenfalls. Denn die Lettkaut soll mit einem Bebauungsplan weiterentwickelt werden, auch um Kleingärten abzusichern, die nicht genehmigt sind, wie es in einer Mitteilung des Magistrats heißt. Die FWG, so deren Fraktionschef Marco Lang, hoffe, dass alle Beteiligten aus diesem bedauerlichen Projektverlauf lernen, damit sich so etwas nicht wiederholt. Die Botschaft find’ ich löblich, aber mit dem Glauben ist das so eine Sache.

Rubriklistenbild: © vk

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