Freude bei FDP und der Linken

Kommunalwahl: Rot schleicht an Schwarz vorbei

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Symbolbild

Dreieich - Auch am Tag danach ist der Schock noch nicht verdaut. Der Einzug der Alternative für Deutschland ins Parlament ist das Alarmzeichen dieser Wahl. Von Frank Mahn und Holger Klemm 

Mächtig gerupft werden die Grünen, während CDU und SPD für ein Novum sorgen: Sie teilen sich mit je 28,9 Prozent die Führungsposition. Die SPD bringt ein Kunststück fertig: Die 28,9 Prozent des vorläufigen Endergebnisses entsprechen exakt ihrem Resultat von 2011 – mit 28 Stimmen mehr auf dem Konto als die CDU. SPD-Spitzenkandidatin Renate Borgwald findet das Ergebnis ihrer Partei in Ordnung. Sie sieht darin auch eine Bestätigung für die Vorgehensweise von Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) bei der dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge. Überhaupt sei die Stabilität bei SPD, CDU und FDP ein gutes Zeichen für Dreieich. Fassungslos macht sie das Abschneiden der AfD. „Da wurde nicht kommunal gewählt. Was hat das mit Dreieich zu tun?“ Borgwald kann nicht verstehen, dass ein Spitzenkandidat, der nicht auftaucht und den kaum einer kennt, so viele Stimmen bekommt. Angesichts der geringen Wahlbeteiligung sollte das Wahlrecht mit Kumulieren und Panaschieren auf den Prüfstand.

„Ich hätte mir schon gewünscht, wieder stärkste Fraktion zu werden“, gibt CDU-Chef Hartmut Honka zu. Aber angesichts der Großwetterlage spricht er von einem guten Ergebnis für seine Partei. Zwischen SPD und CDU liege lediglich ein Wimpernschlag. Das zeige aber auch, dass die Wähler durchaus das Kumulieren und Panaschieren nutzten. Das Ergebnis für die AfD sei für ihn nicht überraschend, es sei Ausdruck eines „unguten Gefühls in der Bevölkerung“. Die Parteien müssten darauf reagieren, sonst sei auch bei künftigen Wahlen mit solchen Ergebnissen zu rechnen. Für Honka ist die AfD keine normale Partei. „Das sind Radikale.“ Überhaupt ist er gespannt, wer für die AfD ins Stadtparlament einzieht. Bislang kenne man keinen der Kandidaten.

Weil die Rechtspopulisten nur acht Leute aufboten, ist Dreieich im Vergleich zu Neu-Isenburg mit einem blauen Auge davongekommen. Denn pro Listenkreuz kassierten sie nur 24 Stimmen – bei 15 Bewerbern wären es jeweils 45 und entsprechend mehr Sitze gewesen. Zudem verpuffte die quer durch alle politischen Lager geäußerte Hoffnung nicht, dass sich durchs Kumulieren und Panaschieren die Gewichte noch ein bisschen verschieben. So ging der AfD das vierte Mandat flöten. Andreas Schmehl, Nummer zwei der Liste, ist dennoch „hocherfreut, dass Bürger gewählt haben, was sie sonst nur denken“. Im Übrigen sei man gesprächsbereit für jeden, „der zum Dialog fähig ist“. Schmehl: „Wir sind Bürger aus der Mitte, keine Radikalen.“

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Gut gelaufen ist es für die FDP, die künftig mit vier Leuten im Parlament sitzt. „Wir waren Edelkomparsen“, sagt Fraktionschef Alexander Kowalski. Nun habe man – bedingt auch durch das Absacken der Grünen – an Einfluss gewonnen und könne auch mal das Zünglein an der Waage sein. „Wobei ich absolut nichts gegen das Abstimmen mit wechselnden Mehrheiten habe.“ Grünen-Frontmann Roland Kreyscher bescheinigt der FDP ein „überraschend starkes Abschneiden“. Kreyscher: „Wir streiten uns teilweise ums gleiche Klientel.“ Er habe mit deutlich mehr Stimmen gerechnet, „aber offenbar konnten wir kein Gegengewicht zur AfD bieten.“

FWG-Spitzenkandidat Holger Gros ist zufrieden, dass seine Fraktion die drei Sitze halten konnte. Denn überall dort, wo die AfD angetreten ist, habe es Einbußen für die Freien Wähler gegeben. Insofern sei das Minus von einem halben Prozent zu verschmerzen. Freude bei Natascha Bingenheimer: Die Linke ist im Parlament nicht mehr auf sich allein gestellt, hat künftig einen Kollegen an ihrer Seite. Am Sonntagabend sah es noch nicht so aus, aber gestern Mittag war die Sache geritzt. „Ich hatte mir einen zweiten Sitz gewünscht, denn das Einzelkämpfer-Dasein ist kein Vergnügen.“

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