„Kompromiss würde allen helfen“

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Beim Konflikt mit dem Erlenstall geht es um die Anbindung der verlängerten Bahnhofstraße (Kreuzung im oberen Bildbereich) an die Querspange (blau). Diese Anbindung führt ein Stück über das Erlenhof-Betriebsgelände (schwarz umrandet). Die Querspange stößt im Süden Offenthals auf die eigentliche Ortsumfahrung (B 486), in der Skizze nicht zu sehen.

Offenthal ‐ Claudia Bogun ist mit ihrem Latein am Ende. Seit mehr als 13 Jahren hat sie die Reitanlage Erlenstall mit viel Engagement und beachtlichen finanziellen Mitteln zu einer reiterlichen Oase ausgebaut.  Von Klaus Hellweg

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Durch den Bau der Offenthaler Südumgehung sieht sie ihre berufliche Existenz bedroht: Die Trasse der Querspange, die im Osten Offenthals die Ortsumgehung (B 486) mit der Landesstraße/verlängerte Bahnhofstraße verbindet, schneidet wertvollen Ausbildungsplatz der Reitanlage ab, nimmt Koppeln weg und hindert ihre reitbegeisterten Kunden, in den nahe gelegenen Wald zu kommen. Das Widersinnige: Das gesamte Problem lässt sich - da ist sich die Unternehmerin sicher - lösen, und zwar abseits laufender Gerichtsverfahren. Aber niemand mit Entscheidungsbefugnis, so klagt sie, habe ein offenes Ohr für sie. Die Straßenverkehrsbehörde als wichtigster Ansprechpartner lehne jedes Gespräch ab.

Aber der Reihe nach. Claudia Bogun ist die letzte verbliebene Klägerin gegen die Planfeststellung der Südumgehung samt Querspange. Weil die Trasse der Querspange in ihrer jetzigen Ausgestaltung den Ruin für ihre Existenz bedeute, hatte sie die Planfeststellung beklagt, war aber im vergangenen Jahr vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel mit ihrer Klage gescheitert. Weil der VGH auch keine Revision gegen sein Urteil zugelassen hatte, hatte Bogun den juristisch einzig gangbaren Weg beschritten und hatte Beschwerde gegen die Nichtzulassung eingelegt. Eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig steht noch aus.

Bogun wäre bereit ihre Klage zurückzuziehen

Claudia Bogun: „Dabei bin ich grundsätzlich überhaupt nicht gegen den Bau der Umgehungsstraßen. Sie sind ohne Zweifel nötig und verbessern die Lebensqualität vieler Mitbürger.“ Und sie wäre durchaus bereit, ihre Klage auf Zulassung der Revision zurückzunehmen, wenn die Behörden zwei ihrer Ansicht nach geringfügigen Änderungen der Planung zustimmen.

Zum einen sollte der Anschluss der L 3001/verlängerte Bahnhofstraße an die Querspange etwas weniger breit und aufwendig erfolgen oder aber um zehn Meter verschoben werden. Dies würde, sagt Claudia Bogun, für die Existenz der Reitanlage erhebliche Kosteneinsparungen und bessere Betriebsabläufe bedeuten, und zwar ohne spürbaren Verlust an Kapazität oder Qualität der Straßenanbindung an die Querspange Ost.

Sicherer Straßenübergang ist nicht vorgesehen

Zum zweiten sollte im nachfolgenden Bereich dieser 800 Meter langen Querspange die Möglichkeit einer sicheren Straßenüberquerung durch eine Bedarfsampel oder eine Über- beziehungsweise Unterführung geschaffen werden - damit Anlieger, Landwirte, aber natürlich auch die Reiter mit ihren Pferden die Straße völlig gefahrlos überqueren können. Ein solcher Übergang ist derzeit nicht vorgesehen. Claudia Bogun würde ihn sogar finanzieren, geht von Kosten in Höhe von rund 100 000 Euro aus.

Besonders wichtig aber ist ihr die Verschiebung der verlängerten Bahnhofstraße an die Querspange, damit Eingriffe in den Betrieb des Erlenstalls vermeiden werden. Bogun: „Wenn diese beiden Punkte berücksichtigt werden, hätten wir eine für alle Beteiligten tragbare Lösung und ich würde meinen Revisionsantrag zurück nehmen.“

Große Solidarität unter Vereinen und Verbänden

Die Unternehmerin verweist auf die Solidarität einzelner Organisationen: Bauernverband, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Kreis-Fachausschuss ländlicher Raum, Untere Naturschutzbehörde, Landesjagdverband. Zudem habe sie 300 Unterstützungsvorschriften von Bürgerinnen und Bürgern. Bogun: „Aber was hilft das alles, wenn von seiten unserer Politiker keine Unterstützung erfolgt?“

Das hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium ziehe es vor, sich hinter dem Urteil der ersten Instanz zu verschanzen und glaube, einen noch so kleinen Kompromiss nicht nötig zu haben. Der CDU-Landtagsabgeordnete Hartmut Honka habe zwar „Fürsprache gewährt und Einsatz gezeigt. Aber bisher ergebnislos.“ Dabei sei ihr vorgeschlagener Kompromiss auch bei rechtskräftiger Planfeststellung rechtmäßig und zweckmäßig. „Man muss nur wollen“, betont die Unternehmerin.

„Behörden sollten sich für Kompromiss öffnen“

Der Erlenstall umfasst 40 mehr als Boxen, zahlreiche Koppeln, einen erst vor vier Jahren sanierten Spring- und Dressurplatz, Führanlage, Reithalle, Longierhalle und einen Restaurationsbetrieb.

Claudia Bogun: „Die Behörden sollten sich für einen Kompromiss öffnen anstatt zu versuchen, durch die Kündigung von Pachtverträgen den Druck zu erhöhen und dem Betrieb mit seinen sechs Arbeitsplätzen die letzten Existenzchancen zu rauben.“

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