Konflikte friedlich lösen

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Sieben von 15 Streitschlichtern, die Spaß an ihrem Engagement haben.

Dreieich ‐ Es wird wohl noch ein ganzes Jahr oder länger dauern, bis sie ihr Wissen effektiv vor Ort einsetzen können, doch die 15 jugendlichen Streitschlichter sind voll motiviert. Von Enrico Sauda

Einmal im Monat treffen sie sich im Jugendzentrum an der Benzstraße und üben unter Anleitung von Dr. Lukas Wahab vom Frankfurter Institut „Imikon“ für interkulturelle Mediation und Konfliktbearbeitung. „Sie sind alle sehr engagiert und motiviert, so erlebe ich sie als Trainer“, sagt Wahab. Doch bevor sie richtig ins Geschehen eingreifen können, werden sie noch bei den erwachsenen Mediatoren der „Interkulturellen Konfliktvermittlung“ in Sprendlingen hospitieren.

„Wir sind zwar noch nicht soweit, aber wir gehen Konflikten, wenn wir sie sehen, nicht aus dem Weg“, versichert Ali Ünlü. Schließlich haben sie schon etliche Theoriestunden und Rollenspiele hinter sich. Wichtig sei, dass sie beim Eingreifen unparteiisch bleiben und nicht „die Helden spielen“ oder kopf- und planlos in einen Konflikt reingeraten. Grundgedanke des Konzeptes ist, einen Streit ohne Mitwirken älterer Erwachsener eigenverantwortlich zu lösen. Dazu haben Samson Ghebremeskel, Younis Nassereddine, Zaher und Taher Sarwari, Majid Muneem, Abdel-Wahab Benai, Wajid Muneem, Ghalib Muneem, Faruk Güngör, Jan Mohammad Quraischi, Yazan Al-Shebab, Claudio Diriggiano, Ali Ünlü und Younes Quraisch gelernt, dass die Streitschlichtung eine mehrstufige Methode ist, mit der der ausgebildete Schlichter bestimmte Konfliktsituationen zusammen mit den Streitenden bearbeitet. „Ziel ist es, die Streitenden dabei zu unterstützen, eine Lösung zu finden und diese schriftlich zu vereinbaren,“ so Sabine Grundmann, Mitarbeiterin der städtischen Kinder- und Jugendförderung.

Teilnehmer sehen sich als Vorbild

Mit dieser Ausbildung haben die jungen Erwachsenen auch fürs Leben gelernt, und dieses Wissen wollen sie in vielen Lebenssituationen weitergeben. Das bestätigt auch Wajid Muneem: „Dass wir hier mitmachen, tut uns in der Seele gut.“ Und Younes Quraisch meint dazu: „Etwas Soziales tun, das ist auch für einen selbst gut.“ Die Teilnehmer sehen sich als Vorbild. „Wenn Jüngere sehen, dass wir Älteren einen Streit so klären, werden sie uns nachahmen“, sagt Majid Muneem.

Die Idee, jugendliche Streitschlichter auszubilden, geht auf das Projekt „Interkulturelle Konfliktvermittlung“ zurück, das die Stadt 2004 ins Leben gerufen hat und gemeinsam mit dem Forum Sprendlingen-Nord umsetzt. Dabei engagieren sich Menschen, die in Schulungen zu Mediatoren ausgebildet werden und ehrenamtlich bei Nachbarschaftskonflikten vermittelnd tätig sind.

Interkulturelle Konfliktvermittlung ist das Ziel

Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass in gut 80 Prozent der Konflikte Jugendliche beteiligt sind, die Probleme mit der Erwachsenenwelt haben. Da das bestehende Mediatoren-Team aber ausschließlich aus Personen besteht, die älter als 35 sind, entstand im Oktober 2009 die Idee, junge Erwachsene in Dreieich zu Mediatoren auszubilden.

„Das Projekt soll dazu beitragen, dass junge Menschen vorbeugend die Konflikte junger Erwachsener bereinigen helfen und eine Einigung herbeiführen,“ lobt Bürgermeister Dieter Zimmer den Einsatz der jungen Erwachsenen, die zwischen 17 und 23 Jahre alt sind. „Ziel ist es, diese Gruppe später in die interkulturelle Konfliktvermittlung zu integrieren“, so Sabine Grundmann.

Anfangs waren auch drei Mädchen dabei

Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendförderung sprachen deshalb etliche junge Dreieicher an, die sie bereits von anderen Aktionen oder der Arbeit im Jugendzentrum kannten. „Wir kennen uns untereinander alle sehr gut“, sagt Majid. „Außerdem sind wir alle dort aufgewachsen, wo es Probleme gibt.“ Dort wohnten „nicht so viele Deutsche“, deshalb haben alle Teilnehmer einen Migrationshintergrund - und es sind ausschließlich Jungs. Zwar waren anfangs auch drei Mädchen dabei, doch die hätten eben keinen langen Atem gehabt.

Das Projekt wird unterstützt durch die Förderprogramme „Soziale Stadt“ und „Stärken vor Ort“. Letzteres ist gedacht zur Unterstützung der schulischen, sozialen und beruflichen Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen und zur Verbesserung des sozialen Klimas durch Förderung der Teilhabe, Chancengleichheit und sozialen Integration. Matthias Frank, selbstständiger Freizeit- und Erlebnispädagoge, bot zwischen Mai und November mit der Gruppe ein Selbstversorgerwochenende, eine Ganztages- und vier Halbtagesveranstaltungen an. Während diesen Events sollten die Streitschlichter etwas Besonderes und Verbindendes erleben. Sabine Grundmann: „Die Gruppe ist so zu einer starken, sozialen Einheit geworden.

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