Kontakte aufbauen

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Monika Edel (am PC), Matthäus Friederich, Rainer Bolland, der an der Erstellung der Plattform „Z(w)eitvertreib“ mitarbeitete, Martina Geßner und Elisabeth Astor (von links) bei der Projektpräsentation.

Dreieich ‐ Gegen eine zunehmende Isolation und für mehr soziale Kontakte im unmittelbaren Umfeld ist das Projekt „Z(w)eitvertrieb“ gedacht, das Vertreter des Diakonischen Werkes Offenbach-Dreieich-Rodgau in der Dreieichenhainer Winkelsmühle einem interessierten Publikum vorstellte. Von Emil Pathe

Das dortige Seniorenbüro ist zugleich Projektträger. Das Vorhaben selbst wird von einem Team freiwillig Engagierter getragen. „Es ist auch für uns eine Premiere“, sagte Martin Glaub, Leiter des Diakonischen Werkes im Kreis. „Wir wollen damit Menschen, die allein leben, mit anderen Menschen, die allein leben, zusammenbringen.“

Es gehe darum, sich aus dem Alltagstrott reißen zu lassen, sich selbst und andere wieder zu aktivieren, Kontakte aufzubauen, Freunde und Bekannte zu finden, sich auszutauschen und gemeinsame Interessen zu pflegen.

Voraussetzungen sind ein PC und ein Internetanschluss. Auf der Internetseite des „Zweitvertreib“ ist der Zugang zu zahlreichen Angeboten an Freizeitaktivitäten und Möglichkeiten des freiwilligen Engagements möglich.

Notwendig ist eine einmalige kostenlose Registrierung mit Namen, E-Mail-Adresse und Postleitzahl. Die Daten werden nicht weitergegeben, versicherte Glaub. Eine weitere Voraussetzung ist die Volljährigkeit des Nutzers.

„Z(w)eitvertreib“ soll aber nicht ausschließlich dazu dienen, Angebote zu nutzen, sondern vielmehr eigene Aktivitäten anbieten. „Wer möchte mit mir Boule spielen?“, sei eine von tausenden Fragen, so Glaub weiter, die man in diesem Portal stellen könne. Das Projekt wurde von der „Aktion Mensch“ finanziell unterstützt und als Portal von Wolf Kunik, Autor, Regisseur und Filmemacher sowie Geschäftsführer von „mitten-im-viertel“ in Frankfurt, und Dirk Olten, selbstständiger Programmierer und Webdesigner, eingerichtet.

„Wir beobachten ein zunehmendes anonymes Nebeneinander in unserer Gesellschaft. Oft wissen Nachbarn gar nichts voneinander, weil einfach nicht mehr genügend Zeit vorhanden ist oder weil es zu wenig Gelegenheiten für Begegnungen gibt. Wir glauben aber, dass positiver, regionaler Austausch zwischen Bürgern über das Internet gefördert werden kann. Ein eigenes Portal für jedes Stadtviertel, jeden Ortsteil und jedes Dorf in Deutschland. Eine Plattform also, die Begegnungen im wirklichen und nicht im ,virtuellen’ Leben leicht möglich macht“, begründete Kunik das Engagement.

Peter Klös, Kulturanthropologe und Autor, machte auf den Unterschied zwischen diesem und vergleichbaren Portalen wie Facebook aufmerksam. Das Projekt gehe über das nur virtuelle Kennenlernen hinaus und habe das Ziel, dass sich die Menschen tatsächlich begegnen. Sein Fazit: „Das Internet ist ein Nicht-Ort. Es fehlt die Realität.“

Monika Edel und Elisabeth Astor, zwei freiwillig Engagierte im Projektteam, demonstrierten den Besuchern an zwei PCs, wie „Z(w)eitvertreib“ funktioniert. Als Erster registrierte sich Matthäus Friederich, der für die Ehrenamtsförderung zuständige Referatsleiter in der Hessischen Staatskanzlei.

Eine Bühne für Unternehmenswillige soll „Z(w)eitvertreib“ werden, hofft Martina Geßner vom Seniorenbüro, die die Präsentation moderierte.

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