Musik als Heilmittel für die Seele

Konzert des geflüchteten syrischen Pianisten Aeham Ahmad

+
Ein Foto, wie Aeham Ahmad in einem syrischen Flüchtlingslager zwischen zerbombten Häusern Klavier spielt, ging um die Welt. Am Mittwoch trat der geflüchtete Familienvater im Bürgerhaus vor rund 500 Besuchern auf – darunter auch vielen weiteren Flüchtlingen.

Dreieich - Um ein Benefizkonzert zum Erfolg zu machen, braucht es keine gemeinsame Sprache, nur gemeinsame Emotionen. Der als „Pianist der Hoffnung“ bekannt gewordene Aeham Ahmad zog das Publikum im ausverkauften Bürgerhaus mit seiner Authentizität in den Bann. Von Sina Gebhardt

Unter dem Titel „Hoffnungsklänge in Dreieich“ spielte er mit Perkussionist Ibrahim Bergo zugunsten des Dreieicher Flüchtlingsnetzwerks. Der Andrang will und will kein Ende nehmen, immer mehr Menschen versuchen, noch einen Sitzplatz zu ergattern, doch die sind schon längst alle belegt. Statt einfach wieder zu gehen, bleiben die Besucher lieber stehen – Hauptsache, sie erleben dieses besondere Konzert mit, das die Dreieicher Grünen zum guten Zweck anberaumt haben. Im Publikum sind gleichermaßen Deutsche wie Flüchtlinge, Junge wie Alte, Familien mit kleinen Kindern und ganze Jugendgruppen. Sie alle wollen den Pianisten mit der bewegenden Geschichte sehen, der nicht zuletzt dadurch bekannt wurde, dass er selbst noch zwischen den zerbombten Häusern in seiner Heimat Musik machte – bis Terroristen des Islamischen Staates sein Klavier verbrannten.

Ahmads Musik ist sowohl eine Botschaft für den Frieden und die Freiheit als auch Widerstand gegen Krieg und Vertreibung. Im September 2015 kam der Syrer nach Deutschland, lebt heute in einer Gemeinschaftsunterkunft in Wiesbaden und spricht nur wenig Deutsch. Die Grundstimmung seiner Stücke versteht man jedoch auch ohne Worte: Oft spielt er schwermütige, traurige Melodien, aber auch Musik voller Hoffnung und Lebensfreude. Als ihm bei einem Lied vor Emotionen die Stimme wegbricht, ist es gut, dass der aus Ägypten stammende Bergo als Übersetzer fungiert. Er erklärt, warum der Pianist bei dem Stück, das davon handelt, wie ein Kind Opfer des Krieges wird, stets weinen muss: Denn Ahmad hat mit eigenen Augen gesehen, wie ein Kind erschossen wurde.

„Wir kämpfen mit unseren Instrumenten, bis der Krieg aufhört“, erklärt Bergo im Namen beider Künstler. Bis es soweit ist, lebt der 27-jährige Ahmad aber getrennt von seiner Frau und seinen zwei kleinen Söhnen, die er bei der Flucht zurücklassen musste. Seine Musik hilft ihm, das Erlebte zu verarbeiten und auch seine Botschaften zu vermitteln. Und die können durchaus positiv und heiter sein: Integration vertont der eigentlich gelernte Schreiner, indem er deutsche und arabische Kinderlieder vereint, bei denen erst die eine und dann die andere Hälfte des Saals beherzt mitsingt. Und auch das harmonische Duett mit Leonie Jakobi von der Dreieicher Band Schlüsselkind zeigt, wie leicht Musik verbindet.

Das Benefizkonzert ist allein schon ein bereichernder Abend und der Reinerlös kommt nun dem Dreieicher Flüchtlingsnetzwerk zugute. „Wir schätzen, dass überschlägig 2000 Euro zusammengekommen sind“, so Grünen-Fraktionssprecher Roland Kreyscher. Damit können weitere Zeichen für Integration gesetzt werden, die auch Aeham Ahmad und Ibrahim Bergo am Herzen liegt, wie ihr Appell an die Deutschen zeigt: „Integration ist ein Prozess und braucht Zeit. Also habt bitte Geduld mit unseren Flüchtlingen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion