Der lange Weg zum WLAN

Kostenlose öffentliche Hotspots lassen in Dreieich weiter auf sich warten

WLAN-Hotspot (Symbolbild)
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Bereits seit 2018 gibt es in Dreieich Bemühungen, kostenlose öffentliche WLAN-Hotspots einzuführen. (Symbolbild)

In Dreieich ist der Weg zur Einrichtung öffentlicher und kostenloser WLAN-Hotspots ein äußerst zäher. Der Prozess zieht sich schon seit Jahren.

Dreieich – Der Blick in die Nachbarstädte macht leicht neidisch. In Neu-Isenburg hat die Stadt 2019 begonnen, öffentliche WLAN-Hotspots einzurichten. Inzwischen sind 20 Standorte freigeschaltet. Überall dort können Bürger kostenlos und frei zugänglich im Internet surfen. Auch Langen spielt im Vergleich zu Dreieich in einer anderen Liga. Dort hat die Stadt an zehn Orten Zugangspunkte installiert. Die beiden Kommunen haben dabei auf das Projekt „Digitale Dorflinde“ gesetzt. Bei diesem Programm leistet das Land finanzielle Unterstützung.

In Dreieich ist der Weg zur Einrichtung öffentlicher Hotspots ein äußerst zäher. Bereits 2018 berichtete unsere Redaktion über Bemühungen im Rathaus, in der Fahrgasse zwischen Ober- und Untertor ein Pilotprojekt starten zu wollen. Auslösendes Moment war seinerzeit ein interfraktioneller Antrag des Stadtparlaments. Die Hainer Altstadt wurde auch ausgewählt, weil sie die Dreieicher Touristen-Attraktion schlechthin ist.

Seither schleppt sich der Prozess so dahin. Zwischendurch schien es mal einen Lichtblick zu geben, als die Stadt Ende 2019 verkündete, ihre Bewerbung für das Förderprogramm „WiFi4EU“ sei erfolgreich gewesen. Die EU bedachte Dreieich mit dem Höchstsatz von 15  000 Euro. Dann begann die Suche nach Metallstelen für die Fahrgasse, in denen die Router unsichtbar werden sollten. Sie sollten das historische Ambiente nicht verschandeln, die Suche nach einem geeigneten Modell entpuppte sich als schwierig.

Wie man sich überhaupt des Eindrucks nicht erwehren kann, dass man in Dreieich gerne mal Dinge verkompliziert, wo’s vielleicht auch einfacher ginge. Die 15 000 Euro jedenfalls wurden nie abgerufen. Der süße Förderapfel erwies sich als vergiftet. Das geht aus der Antwort des Magistrats auf eine Anfrage des CDU-Stadtverordneten Ingo Claus Peter hervor. Darin heißt es, dass die Gespräche über eine Kooperation mit Gewerbetreibenden und Einzelhändlern in Dreieichenhain erfolglos verlaufen seien. Mit Blick auf die EU-Fördergelder ist zu lesen: „Bei einer detaillierten Betrachtung der Förderbedingungen erschien deren Umsetzung derart kompliziert, dass keine angemessene Kosten-Nutzen-Relation entstanden wäre. Mit einem ortsansässigen großen IT-Dienstleistungsunternehmen war hier eine Kooperation angestrebt. Das Unternehmen hätte sich dafür bei der EU registrieren lassen müssen, nahm wegen des administrativen Aufwands jedoch davon Abstand.“

Also nächster Versuch. Im Laufe des Jahres 2020 habe man als Alternative ein Projekt im Rahmen der Community Freifunk Darmstadt konzipiert, berichtet der Fachbereich Verwaltungssteuerung & Service im Auftrag des Magistrats. Ziel des Projekts sei zunächst die Bereitstellung von WLAN in der Sprendlinger Innenstadt (von der Aral-Tankstelle in der Darmstädter Straße bis zur Fichtestraße) und in der Fahrgasse. „Wir betrachten dieses Projekt weiterhin unter dem Gedanken der aktiven Kooperation zwischen lokaler Wirtschaft und Stadt“, teilt der Fachbereich mit und kündigt an. „Weitere Informationen zum Projektfortgang werden in den nächsten Monaten folgen.“ Auf Bewerbungen bei weiteren Förderprojekten habe man aus diesen Gründen Abstand genommen.

Nun ist es nicht so, dass sich in Dreieich gar nichts tut. Die städtische Pressesprecherin Claudia Scheibel teilte gestern auf Nachfrage mit, dass „ganz brandneu“ das BIK-Haus und das Jugendzentrum mit WLAN ausgestattet worden seien. Bis dahin gab es das nur in der Stadtbücherei und in der Rotunde im Rathaus. (Frank Mahn)

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