Krabbelstube Kids wird 25 Jahre alt

Einst die Pioniere der Kinderkrippe

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Früher und heute: Gut gelaunt posieren die „Kids“ schon 1997 und zum Vergleich 2015 am Eingangstor. Ingrid Fenner ist oben rechts und auf dem nebenstehenden Bild links zu sehen.  

Dreieich - Wenn Frauen nach der Geburt ihrer Kinder frühzeitig in den Beruf zurückkehren wollten oder mussten, dann hatten sie vor 25 Jahren entweder hilfsbereite Großeltern zur Seite oder keine Chance. Von Cora Werwitzke

Das änderte sich 1990 mit der Gründung der Krabbelstube Kids – sie ist die älteste privat ins Leben gerufene Betreuungseinrichtung für unter Dreijährige in Dreieich. „Unter den Gründern der Elterninitiative waren vor 25 Jahren vor allem Pädagogen“, erinnert sich Ingrid Fenner (59). Der Erzieherin ist die Pionierzeit noch sehr präsent; seit 1992 hat sie bei den „Kids“ Generationen von Kleinkindern kommen und gehen sehen – bis heute.

Der Betrieb begann seinerzeit zunächst in provisorischen Räumen, ehe der Vorstand 1991 eine Bleibe im Lachegraben anmieten konnte. „Der Betreuungsbedarf war auch damals schon da“, verweist Ingrid Fenner auf die stets gefragten zehn Plätze. Freilich gehörte eine gute Portion Selbstbewusstsein dazu, das eigene Kind in der Krabbelstube anzumelden, was nach den Worten von Fenner „noch lange verpönt war“. Nach Auffassung einer breiten Mehrheit gehörten Kinder die ersten drei Jahre nach Hause in den geschützten Raum der Familie. „Die Gründer dachten damals schon weiter – daran, wie Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen sind“, reflektiert die Erzieherin. „Außerdem war es ihnen ein Anliegen, dass ihr Kind nicht alleine, sondern in einer Gruppe heranwächst.“ Neben den Kids bot seinerzeit lediglich das städtische Kinderhaus im Horst-Schmidt-Ring eine Betreuung für Kleinkinder an.

Umzug in die Wilhelmstraße 3

Früher und heute: Gut gelaunt posieren die „Kids“ schon 1997 und zum Vergleich 2015 am Eingangstor. Ingrid Fenner ist oben rechts und auf dem nebenstehenden Bild links zu sehen.

Angesichts der großen Nachfrage wurde es im Kids-Domizil bald zu eng. 1995 zog die Einrichtung in die Wilhelmstraße 3, wo sie bis heute heimisch ist. Auf zwei Stockwerken tummelten sich 15 Kinder, die jüngsten eineinhalb, die ältesten drei Jahre alt. Von Anfang an kletterte jede Generation täglich zu allererst auf die Hochebene, um Mama und Papa durch das „Winkefenster“ zu verabschieden. Rituale unterliegen keiner Mode, versichert Ingrid Fenner: „Sitzkreis, Fingerspiele und vor allem gemeinsames Singen – damit lässt sich immer Ruhe in die Gruppe bringen.“ Täglich wird gemeinsam gefrühstückt und zu Mittag gegessen. „Das Mittagessen haben lange die Eltern reihum gekocht“, schildert Simone Milla vom aktuellen Vorstand. Inzwischen übernimmt das ein externer Caterer. „Zwischendurch waren unsere Zivis dafür zuständig“, erinnert sich Ingrid Fenner lachend. „Das war manchmal die reinste Katastrophe, wenn die jungen Männer nicht einmal einen Schimmer davon hatten, wie man Nudeln kocht.“

Verhältnismäßig war ein Krippenplatz in den 90er Jahren mit mehr als 400, teils bis zu 480 D-Mark teurer als heute. Trotzdem war das Geld, mit dem der jeweilige Elternvorstand hantieren konnte, stets knapp – alte Zeitungsartikel zeugen davon, dass die Einrichtung sich mehrfach um höhere öffentliche Zuschüsse bemühte. Dass auch mit kleinem Budget viel bewegt werden kann, dafür sorgten die Eltern mit ihrer Einsatzfreude – „das entsprach ja auch dem Selbstverständnis von Kids als Elterninitiative, und tut es bis heute“, so Simone Milla. Mit einem Kraftakt renovierten Väter und Mütter 1995 erst das Domizil in der Wilhelmstraße und später, 2003, die zweite ins Leben gerufene Einrichtung in der Taunusstraße in Dreieichenhain. „Das wäre heute kaum noch leistbar“, vermutet Milla. Ingrid Fenner nickt: „Die Eltern sind heutzutage zeitlich viel mehr eingespannt als früher.“ Trotzdem fußt der Verein bis heute auf Elternarbeit, „die auch immer mit einem großen Mitspracherecht einhergeht“, wirbt Milla. Das seien zwei Seiten derselben Medaille.

Fotoalben halten die Zeit fest

Ingrid Fenner hat mehrere Fotoalben aufbewahrt. „Hier buddeln sie in Schlammlöchern“, zeigt sie auf eine alte Aufnahme. Auf einem anderen Bild klettern Knirpse nackig am Torgeländer hoch, um nach dem Müllauto zu schauen. „In gewisser Weise haben wir Kinder früher mehr machen lassen – ihnen mehr zugetraut“, blickt die Erzieherin zurück. Ihr persönliches Anliegen sei es bis heute, den Nachwuchs an die Natur heranzuführen – „ob mit dem Bollerwagen in den Park oder Obst naschen im Garten.“

Während in der Taunusstraße zwölf Kinder betreut werden, sind es in der Wilhelmstraße seit zwei Jahren nur noch zehn statt 15. Denn das erste Stockwerk darf wegen Brandschutzauflagen nicht genutzt werden. Die finanzielle Lage war zuletzt prekär, ehe die Stadt 2014 auf Druck der freien U3-Kitaträger (Kids, Smile und Zipfelzwerge) die Förderrichtlinien überarbeitet hat (wir berichteten). Mit den neu organisierten Zuschüssen ist Simone Milla optimistisch, dass in absehbarer Zeit auf die Auflagen reagiert und die Etage wieder freigegeben werden kann. „Hoffentlich noch in diesem Jahr“ – das wäre sicher das schönste Geburtstagsgeschenk.

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