Der Reiz des Fließenden

Ilse Dreher präsentiert Ausstellung „Schwebungen“ in der Volksbank

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Die Künstlerin Ilse Dreher „schwebt“ auf ihrer Couch aus einer Million Euro. Mit auf dem Bild sind Kunsthistorikerin Esther Erfert und Filialleiter Rene Heekerens.

Dreieich -  Es ist ein außergewöhnliches Kunstwerk, das in der modernisierten Filiale der Volksbank Dreieich in Sprendlingen die Blicke der Kunden auf sich zieht. Das Sitzmöbel der besonderen Art stammt von Ilse Dreher.

Die gebürtige Dreieichenhainerin hat dort eine Ausstellung arrangiert. Wie man sich bettet, so liegt man, besagt ein altes Sprichwort. Die Künstlerin Ilse Dreher erweitert dies auf „so sitzt man“. Wer derzeit die Filiale der Volksbank in der Offenbacher Straße besucht, kann sich tatsächlich auf eine Couch aus Euro-Scheinen setzen, deren Wert rund eine Million beträgt. Ilse Dreher brachte das doppelte Kunststück fertig, eine Million Euro-Scheine zu organisieren – freilich fein geschreddert – und daraus eine richtige Couch zu formen. „Man sitzt nicht nur einfach darauf, man hat das Gefühl, auf dem Geld zu schweben – so wie Dagobert Duck“, beschreibt die Künstlerin ihr Werk.

Der Schwerpunkt ihrer Ausstellung „Schwebungen II“ im Rahmen der Ausstellungsreihe „Vorsicht Kunst!“ liegt jedoch mehr auf dem Thema Wasser in allen Formen. „Was mich primär antreibt, ist das Fluide, das nicht Festgelegte, das Fließende, sich ständig Verändernde, Changierende. Daher die Auseinandersetzung mit Luft, Wasser, Licht und Erde. Es ist das Archaische und das Anarchische, was mich daran anzieht“, beschreibt die Künstlerin.

Seit Anfang der 1990er Jahre beschäftigt sich Ilse Dreher, die als Mitglied der Dreieicher Kunstinitiative maßgeblich an der Organisation der renommierten Dreieicher Kunsttage beteiligt ist, mit dem Wasser und dem Meer. Die Basis bildet die Fotografie. Sie ist ausgebildete Fotografin und hat eine gute Sehschule durchlaufen. Anfänglich arbeitete sie analog, seit 2004 setzt sie die Digitalfotografie ein. „Der erste Schritt zu einer konkreten Fotografie ist ein Bild vor meinem inneren Auge“, beschreibt Dreher ihre Herangehensweise. Danach beginnt sie, mit dem aufgenommenen Material zu arbeiten. Manche Fotografie bleibt pur ohne Bearbeitung, wie die Impressionen von einer Zugfahrt. „Das sind jedoch keine spontanen Schnappschüsse. Ihnen liegt ein längeres Studieren der Situation und das Wissen um die Kamera zugrunde“, erklärt die Kunsthistorikerin Esther Erfert, die die Ausstellungsreihe in der Voba betreut. Andere Fotografien werden als Basis für ein Werk genommen und bearbeitet, in Schichten übereinander gelegt oder montiert.

Ihre Arbeiten bezeichnet Ilse Dreher als ein „permanentes Schwingen zwischen dem eigenen Inneren und dem Außen“. Diese Auseinandersetzung spiegelt sich auch in ihren Objekten und Installationen und in der Verwendung von profanen Materialien, die eigentlich einer anderen Bestimmung zugedacht waren.

„Schwebende Lebewesen im Wasser“ zeigt dieses Bild der Dreieicher Künstlerin.

Mit ihrer Kunst zum Thema Wasser will Ilse Dreher aber auch auf eine Ambivalenz dieses wichtigen Elements aufmerksam machen. „Die Schönheit, das Reizvolle und die Ästhetik des Wassers dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in Bezug auf diese Materie viele aktuelle Probleme gibt. Die reale und die künstlich erzeugte Knappheit, die durch Menschen herbeigeführt wird und somit vielen den Zugang zum Allgemeingut Wasser verweigert; Umweltverschmutzung und Klimawandel“, betont die Künstlerin. „Aber auch Fluten, Unwetter und die Kraft, die Wasser haben kann, sind Umstände, die wir angesichts der Werke Drehers nicht vergessen dürfen. Wasser ist nicht nur ein Element, von dem wir profitieren, es kann zerstören und es kann uns auslöschen“, betont Erfert.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. Februar. (lfp)

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